In welcher Welt leben wir?
„Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.“ – Einige Male kommt das vor im heutigen Evangelium: …nicht von „der“ Welt. –
Wie soll man das verstehen? Sicherlich nicht so, dass wir meinen, Jesus und die Seinen wären „Außerirdische“, von einem anderen Stern. Geographisch verstanden ist unsere Welt „all das, was ist“, das ganze Universum.
Es gibt keine „andere“ Welt.
Aber der Begriff „Welt“ hat auch eine andere Bedeutung. Unter „Welt“ verstehen wir auch „all das, was ist“ nicht nur geographisch gemeint, sondern auch im geistigen Sinn: unsere Weltanschauung, die Summe unserer Werte und Einstellungen, unser Verhalten, auch unsere Träume und Visionen – all das macht „unsere Welt“ aus.
Wenn ich sage: das ist „meine Welt!“, dann bringe ich zum Ausdruck, so wie es jetzt ist, diese Atmosphäre, diese Stimmung, diese Gemeinschaft - da fühl ich mich wohl, da geht es mir gut, da bin ich glücklich. Da lebe ich gerne. In „der Welt“, da möchte ich bleiben, „in meiner Welt“.
Wenn ich sage: „Nein, das ist nicht „meine“ Welt!“ – dann meine ich: was sich da abspielt - diese Ideen, diese Haltungen, diese ganze Lebensart – das ist
nicht „das Meine“, das ist nichts für mich, das ist mir fremd, da fühl ich mich nicht daheim
„Das ist nicht meine Welt.“
Jesus, so verstehe ich ihn, war mit „der“ Welt, wie er sie erlebte, nicht einverstanden. Das war nicht „seine Welt“. Deswegen geriet er auch in Konflikt mit den Mächtigen und Einflussreichen, die diese Welt bestimmen und beherrschen.
Ja, er wurde zum Ärgernis für eine Welt, die nicht „seine“ war:
- diese Welt der kleinen und großen Macher, selbstherrlich und größenwahnsinnig,
- diese Welt der Unterdrückung, der Gier nach Macht und Einfluss.
- diese Welt der Zerstörung, der Lüge, der Intrige, des Unheils.
- diese Welt, die „Gott-los“ geworden ist aus Gleichgültigkeit.
Diese Welt, das war und ist nicht die Welt Jesu.
Seine Welt hat eine ganz andere Qualität.
Wir kennen seine Welt, weil Jesus sie uns aufschließt in seinen Worten und Taten. Er lädt uns ein in „seine“ Welt, damit sie auch „unsere“ Welt wird. Damit wir heimisch werden, in seiner Welt.
Seine Welt ist geprägt von einem anderen Geist:
- in seiner Welt sind Liebe, Frieden und Gerechtigkeit großgeschrieben,
- in seiner Welt herrschen nicht Elend, Kälte, Bosheit, Rücksichtslosigkeit, Ungerechtigkeit und Hass,
- seine Welt ist voller Wärme, Nähe, Barmherzigkeit,
- seine Welt bedeutet leben dürfen unter den Augen eines wohlwollenden Gottes.
In seiner Welt hat keinen Platz, was Menschen quälen und niedermachen möchte. Seine Welt ist aufbauen, trösten, ermutigen zum Leben.
Wir kennen „seine“ Welt, weil sie ja im Tiefsten dem entspricht, was wir uns ja auch als „unsere“ Welt vorstellen. Zumindest in unseren Visionen und Träumen.
Als Christen können wir uns so verstehen:
Wir sind zwar in „diese“ Welt gestellt, sind Bürger dieser Welt und verhalten uns immer wieder auch nach der Art „dieser“ Welt. – Aber, wir kennen auch jene „andere“ Welt, wir haben eine Sehnsucht danach – nach jener Welt, die Jesus das „Himmelreich“, oder „Reich Gottes“ nennt.
Es liegt an uns, „diese Welt“ im Sinne Jesu so zu gestalten, dass „seine“ Welt „unsere“ wird.
Das ist unser Auftrag.
Befähigt sind wir dazu durch die Kraft des „Heiligen Geistes“. Dem „Heiligen Geist“, unserem „Beistand“, den wir gerade in unserer Zeit so dringend brauchen, wollen wir uns öffnen – damit er wirksam werden kann in uns. – Uns „beisteht“ in unserem Bemühen, diese Welt so zu gestalten, dass sie wirklich „unsere“ Welt - wie wir sie uns wünschen - werden kann.
Amen.