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So. 10.01.21

... an dir habe ich Wohlgefallen gefunden

Predigt vom 10.01.2021 von Johann Bräuer
Johann Bräuer

Mk 1,7-11

Einleitung: Was ist aus diesem Kind in der Krippe geworden? - Darüber berichten uns Matthäus, Markus, Lukas und Johannes - die vier Evangelisten, jeder auf seine Art. Jeder hat seine besondere Beziehung zu Jesus. Das macht den Umgang mit den Evangelien spannend.
Das erste, also älteste, ist das Markusevangelium.
70 n.Chr. wurde der Tempel in Jerusalem zerstört.
Bald danach, so nimmt man an, hat Markus sein Evangelium geschrieben. (Von Markus selber weiß man nicht viel.)
Sein Evangelium ist, laut Leseordnung unserer Kirche, in diesem Jahr an der Reihe. An den normalen Sonntagen des Jahres wird ein Abschnitt aus seinem Evangelium gelesen. (Wer das ganze Markusevangelium lesen möchte - es ist das kürzeste - 23 Seiten.)
Bei Markus gibt's keine Krippe und kein "Jesuskind".
Er beginnt sein Evangelium mit Johannes dem Täufer, dem Rufer in der Wüste. Der erwachsene Jesus, etwa 30 Jahre alt, befindet sich im Kreis derer, die hinausgehen in die Wüste, um sich von Johannes taufen zu lassen. Davon hören wir jetzt:
Evg: Mk 1,7-11
Kurz und bündig berichtet uns Markus von diesem Ereignis. Aber diese Szene der Taufe steht wie eine Ouvertüre am Anfang seines Evangeliums:
die wesentlichen Themen und Motive klingen hier schon an, die dann im Auftreten Jesu, in seinen Worten und Taten, ausgeführt und vertieft werden.
Jesus reiht sich ein in die Schar jener, die sich taufen lassen von Johannes.
Und so eine Taufe war ja kein harmloses "Geplantsche". So eine Taufe war ein starkes Zeichen. Johannes taucht sie ordentlich unter, die Leute, bis sie nach Luft schnappen. Das ist dann wie der erste Atemzug, ein neu ins Leben kommen.
Die da zu Johannes in die Wüste kommen, die meinen es ernst. Sie möchten ihr Leben neu ausrichten.
Es waren nicht die Satten und Gleichgültigen. Es waren eher diejenigen, "die übel dran waren", die unter den gegebenen Zuständen gelitten haben, die "hungrig" waren, die Sehnsucht hatten, nach einem besseren Leben.
Mit diesen Menschen solidarisiert sich Jesus.
Er ist einer von ihnen, mitten drin.
Markus macht damit von Anfang an deutlich, dass Jesus nicht so "von oben herab" die Menschen behandelt. Er ist kein abgehobener Guru, der den anderen "den Kopf wäscht", sich selbst aber "nicht nass macht".
Er "taucht" voll ein, ins "Menschliche".
Es ist diese unbedingte "Menschlichkeit" Jesu, die ist Markus in seinem Evangelium besonders wichtig.

Und über diesem Jesus "öffnete sich der Himmel", erzählt
Markus. Er möchte damit deutlich machen:
Jesus findet sich nicht ab mit einer verschlossenen Welt, ohne Aussicht, ohne Hoffnung.
Er sieht den "Himmel offen." Er sieht eine "neue" Welt, eine Welt, wie sie sein könnte. "Reich Gottes" nennt er sie, oder einfach "Himmelreich".
In seinen Geschichten und Gleichnissen malt er diese neue Welt aus: "Mit dem Himmelreich ist es wie..." -
Und Menschen, die ihm begegnen, die sich ansprechen und berühren lassen, auch denen "geht der Himmel auf". Zumindest eine Ahnung davon.
Und dann heißt es: - "der Geist kam wie eine Taube auf ihn herab". Aus dem "offenen Himmel" kommt der "Geist", die göttliche Kraft, die Jesus erfüllt.
Mit seiner "Begeisterung" steckt er andere an, macht sie neugierig, setzt sie in Bewegung, nimmt sie mit auf seinem Weg.
Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
"Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden!"
Und damit möchte Markus betonen:
So wie Jesus ist, ist er ganz "nach der Art des Vaters", ganz der "geliebte Sohn". Was er tut, was er sagt, wie er lebt - das findet "Wohlgefallen" bei Gott.

In diesem Kirchenjahr hören wir - wie schon gesagt - vor allem Abschnitte aus dem Evangelium nach Markus.
Die Erzählung von der Taufe Jesu ist wie eine Ouvertüre. Sie soll uns neugierig machen und einstimmen auf das Ganze.
Markus möchte uns Jesus nahebringen: seine Art zu leben und das Leben zu deuten, seine Art zu glauben.
Damit auch wir leben lernen, nach seiner Art:
- unter einem "offenen Himmel",
- mit einem "heiligen", Geist begabt,
- und mit dieser Zusage, die ja auch uns gilt:
"Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter.
An dir habe ich Wohlgefallen gefunden."

Ich wünsche uns, dass wir in diesem Jahr wieder tiefer "eintauchen" in diese "Quelle des Lebens" die Markus durch sein Evangelium uns öffnen will.

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