Josef, der Familienmensch
Liebe Mitchristen!
Papst Franziskus hat am 08. Dezember ein "Jahr des heiligen Josef" ausgerufen. Das Datum ist bewusst gewählt: denn vor genau 150 Jahren wurde Josef zum Schutzpatron der gesamten katholischen Kirche. Dazu erklärte ihn der selige Papst Pius IX. per Dekret am 08. Dezember 1870.
Ich möchte dieses Ereignis zum Anlass nehmen, um heute etwas genauer auf den Hl. Josef in der Krippe zu schauen - und schließlich ist er ja auch unser Pfarrpatron. Im Evangelium ist er heute nur eine Randfigur.
Wer stellt bei Ihnen zu Hause die Krippe auf? Ist das unterschiedlich, oder macht das immer dieselbe Person?
Und wie ist die Anordnung der Figuren, der Hirten, der Schafe und der hl. Familie?
Sie werden vermutlich sagen, da gibt es wenig Spielraum, die Figuren haben jedes Jahr ihren fixen Platz. Maria mit dem Kind in der Mitte, der hl. Josef daneben, meist stehend, mit Stab oder Lampe, dahinter Ochs und Esel. Davor und rundherum die Hirten und die Schafe mit einem wärmenden Lagerfeuer vielleicht.
In unserer Krippe hier in der Kirche ist es nicht viel anders. Maria und das Jesuskind sind aus einem Stück geschnitzt, sie sind der Mittelpunkt und miteinander verschmolzen. Josef steht anbetend daneben. Die Rollen sind klar verteilt, Maria sorgt für das Kind, Josef steht als meist alter und schweigsamer Mann dabei (obwohl er vielleicht 20 oder 25 Jahre alt war), oft auch steht er im Hintergrund, abseits. Ein Rollenbild, wenn man es genau bedenkt, aus dem 19. Jahrhundert.
Aber immerhin könnte man sagen, Josef war bei der Geburt dabei, auch nicht selbstverständlich.
Folie mit Glasfenster:
Der Josef auf unserem Weihnachtsbild hat eine andere Rolle eingenommen, deshalb gefällt es mir sehr gut.
Dieser Josef kümmert sich anscheinend liebevoll um seinen Sohn, wechselt die Windel, wischt Tränen ab und singt den kleinen Jesus in den Schlaf. Vielleicht sagt er auch zur übermüdeten Mutter, ruh dich aus, ich kümmere mich jetzt um den Kleinen bis er wieder hungrig wird, aber bis dahin kannst du dich erholen! Und man sieht Maria die Erleichterung an, dankbar lächelnd überlässt sie den Kleinen Jesus seinem Vater. Sie weiß, auf ihn kann ich mich verlassen, er geht mit mir durch die Nacht in den Tag hinein.
Es ist ein großes Glück, so einen Josef an der Seite zu haben.
Viele von uns haben so einen Josef an der Seite, viele wünschen sich einen Josef, der verlässlich an ihrer Seite ist.
Und das muss nicht unbedingt ein Mann sein, sondern ein Mensch, der sich kümmert, verlässlich für mich da ist, wenn ich ihn brauche. Einer, der bemerkt, was notwendig ist und der anpackt. Jemand, dem ich meine Schwäche zeigen darf, dem meine Launen nichts ausmachen und dem meine Hilflosigkeit nicht stört.
Es kann sein, dass dieser jemand, dieser Josef, ganz selbstverständlich da ist, dass es mir kaum mehr auffällt.
Papst Franziskus weist darauf hin, wie wichtig diese Menschen sind, die nicht im Rampenlicht stehen und nicht in der Öffentlichkeit auffallen, aber treu ihren Dienst in der Familie und in der Gesellschaft tun und auf die Verlass ist.
Vielleicht sind auch Sie so ein Mensch, der nicht gerne im Rampenlicht steht, aber genau weiß, was zu tun ist und wo er gebraucht wird.
Ein Mensch, der verlässlich da ist und anpackt, und auch im übertragenen Sinn ein Lied zum Trösten anstimmt, wenn er Kummer merkt. Der die Schwachen beschützt und sich für die Hilflosen stark macht. Dann sind sie ein Segen für die Menschen.
Maria, das Kind und Josef sehen wir auf dem Glasfenster der Kathedrale von Mechelen in Antwerpen.
In welcher Figur finde ich mich am ehesten wieder an diesem besonderen Weihnachtsfest 2020?
In der müden Maria, gezeichnet vom langen Weg und der Geburt, die sich jetzt ausruhen darf? In dem wachen und freundlichen Kind, das voll Neugier und Geborgenheit in die Welt schaut? Oder in dem treusorgenden Josef, der weiß, was jetzt zu tun ist und es auch tut. Der fest an die Treue Gottes glaubt und der das Beste aus dieser außergewöhnlichen Situation macht?
Liebe Pfarrgemeinde,
vielleicht kann uns gerade heuer die Figur des Heiligen Josef ein Vorbild und eine Hilfe sein in der Bewältigung der Pandemie und all ihrer Begleiterscheinungen.
Er kann uns daran erinnern, dass es viele Menschen gibt, in meiner Umgebung und im Ganzen Land, die sich treu und verlässlich um andere kümmern und dabei nicht groß im Rampenlicht stehen. In der eigenen Familie, in den Vereinen und Hilfsorganisationen, in den Parteien und Regierungen. Überall finden wir Menschen, die nicht nur groß reden, sondern verantwortungsbewusst tun, was notwendig und wichtig für alle ist. Ihnen gebührt unser Dank und unsere Wertschätzung!
Der Heilige Josef in der Krippe kann uns dafür ein Vorbild sein.
Amen.