Was für eine Gegensätzlichkeit!
Wir feiern die Geburt eines Kindes und gedenken der Steinigung des Stephanus.
Was für eine Gegensätzlichkeit!
Bei der Geburt Jesu haben Engel den Frieden auf Erden verkündet, heute hören wir in der Lesung Worte des Hasses.
Und beides ist da: Das Gute und das Böse.
Gottes Wille, Mensch zu sein und die Irrwege und Abwege von Menschen un-menschlich zu sein.
Wir erleben an uns selbst jeden Tag die Diskrepanz, dass wir gut sein möchten, aber immer wieder scheitern und uns gegenseitig verletzen.
Wir tragen beiden in uns: Das Gute und das Böse und es kann oft recht schnell gehen, dass sich Gutes in Böses wandelt.
Da gibt es gute Beziehungen, wo man glaubt, die halten ewig und plötzlich geht alles in Brüche und es bleibt Hass übrig. Da gibt es Begeisterung und Einsatz für eine gute Sache und auf einmal wandelt sich die Sache zu Ablehnung und Gleichgültigkeit. Und wenn wir an das Leben Jesu denken, wie begeistert waren die Menschen beim Einzug in Jerusalem und wie hasserfüllt haben sie wenig später Seinen Tod gefordert.
Der Hass unter Menschen ist manchmal erschreckend und erschüttert zurecht.
Aber wir feiern Weihnachten und die Weihnachtsbotschaft des Friedens und der Liebe gilt uns allen. Immer wieder. Jeden Tag neu. Gott ist Mensch geworden, damit er nicht von oben herab bestimmt, sondern uns zeigt, jeder Mensch kann das Gute wählen und dem Bösen widerstehen.
Jesus hat es uns vorgezeigt und vorgelebt - wir können wählen und wir können uns ändern.
Jeden Tag. Bei jeder Gelegenheit.
In der heutigen Lesung haben wir aber nicht nur davon gehört, wie Menschen einen anderen hassen, ihm Leid antun und ihn zuletzt töten, sondern auch davon, wie begeistert Stephanus von Gott erzählt hat.
In der Lesung hat es geheissen:
Sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen.
Und seine Worte waren auch die Botschaft des Weihnachtsfestes:
Siehe, ich sehe den Himmel offen!
Im Adventlied Tauet Himmel, den Gerechten heisst es am Schluss der ersten Strophe:
Denn verschlossen war das Tor, bis der Heiland trat hervor.
Nun ist der Himmel also offen, Jesus, der Retter ist da. Jesus, das Tor des Himmels.
Jesus zeigt sich als die Tür zu seines Vaters Haus, in dem viele Wohnungen sind. Der Himmel neigt sich durch Jesus Christus zur Erde herab. In Jesus Christus sehen wir die Herrlichkeit Gottes.
Durch Jesus Christus, den Sohn Gottes haben wir einen gemeinsamen Vater, der sich um uns sorgt und der uns liebt, so wie wir sind. Mit all dem Guten in uns, aber auch mit dem, was Böse in uns ist. Was kann uns also noch zustoßen? Das Böse wird uns nicht besiegen. Gott hat es uns mit der Menschwerdung Jesu zugesprochen und wir haben es auch im heutigen Evangelium gehört: Wer bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.
Und wer sich nicht damit abfindet, dass Böses geschieht, in uns selbst, in unserer Familie, in unserer Nachbarschaft, der kann sicher sein die Herrlichkeit Gottes zu sehen, so wie Stephanus.
Wir sehen den Himmel offen wie Stephanus.
Und wenn wir keine Steine aufeinander werfen, sondern wenn wir liebevoll und herzlich miteinander umgehen,
wenn wir wohlwollend aufeinander schauen und
wenn wir uns um einander sorgen, und für einander da sind
dann ist der Himmel in uns,
denn er ist dort wo Liebe ist.
Amen.