Ein Neuanfang - auch für mich?
Liebe Mitchristen! Liebe Mitfeiernde zu Hause!
Wenn ich abends so durch die Straßen der Pernau gehe, gibt es allerhand Lichter in den Vorgärten zu bewundern, Hauseingänge und Balkone sind weihnachtlich geschmückt. Auf unserem Kirchenplatz ist der Christbaum beleuchtet.
Zuhause zünden wir bereits 2 Kerzen am Adventkranz an. Alle erwarten hohen Besuch. Und man will von ihm auch gefunden werden. Deshalb die vielen Lichter.
Ja, es kommt jemand, sagt uns diese Zeit.
Wir bekommen Besuch und zwar von ganz oben.
Von dem, der uns sagt: "Fürchte dich nicht. Ich habe dich beim Namen gerufen. Ich habe dich in meine Hand geschrieben. Mein bist du!"(Jesaja)
Die Texte aus den Hl. Schriften, die wir in diesen Tagen vermehrt zu hören bekommen, aber auch die Lieder in dieser Zeit sind ein Schrei nach einem Tröster in dunkler Zeit, voll Sehnsucht nach einem Neuanfang.
Gott hat uns nicht vergessen, nicht verlassen... sagt uns die Botschaft des heutigen Evangeliums!
Alles soll neu werden und es fängt gerade an.
Es fängt ganz klein an. Es ist noch nicht einmal geboren.
Man kann es noch nicht sehen. Und wäre es ein Kind, man würde es übersehen.
Aber Gott der HERR hat es sich nun einmal in den Kopf gesetzt, seine Menschenliebe zu erneuern. Es sind wenige, die sich noch erinnern, dass ein Verwandtschaftsverhältnis, ein Bund, mit dem Überirdischen besteht.
Man glaubte, damals wie heute, man hätte alles im Griff, auch den großen Verwandten.
Er war so wie heute vielen abhanden gekommen.
Wenn etwas nicht so klappte oder schließlich gar nichts mehr ging, klagte man,
"wie kannst du das zulassen?!" Und doch hatte er einen Plan mit ihnen.
So war es mit der Ankunft seines Menschensohnes Jesus.
Seine Mutter Maria war gerade einmal in ihrer eigenen Mutter Anna ins Leben gekommen, also erst empfangen, da war schon der Plan Gottes im Laufen.
Seit 2000 Jahren wird das gesagt, geglaubt und besungen. Und wurde zu einem Feiertag gemacht.
Der Plan Gottes hat an uns gedacht und uns im Sohn des Höchsten den großartigen Bruder Jesus beschert, genannt das Wort Gottes selber, voll Liebe zu uns.
Wenn wir auf ihn hören und schauen, ihn mit einbeziehen, sieht alles anders aus:
Lasst uns daher eine kurze Bestandsaufnahme machen: Wie geht es uns heute wirklich?
Was liegt bei uns alles im Argen? Was macht uns Sorgen? Was wird aus uns werden? Es ist Advent: Denken wir dabei an mehr als an den Gott unserer Kindheitsträume an Weihnachten. Suchen wir ihn wirklich auch in unserer eigenen Zukunft?
Wie viele bleiben nach dem Lockdown übrig, die mit Gott und seinem Plan rechnen?
Wer glaubt noch an das ganz Kleine, Unscheinbare, das mit Maria begonnen und neu beginnen will?
Wie soll das geschehen? So fragt auch Maria, als ihr der Engel den Plan enthüllte, nach dem sie Mutter Jesu werden sollte, spricht sie nicht sogleich ihr "Ja". Der Engel weist ihren Einwand nicht zurück, sondern geht auf sie ein. Er spricht vom Heiligen Geist, von jenem also, der - wie das Buch Genesis erzählt - schon zu Anfang der Schöpfung über den Wassern schwebte, als Gott Licht und Ordnung in das Tohuwabohu der Welt brachte. Gott will uns damit sagen: Er möchte so manches in seinem Volk und in der Welt neu ordnen.
"Heiliger Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird Dich überschatten..."
Lassen auch wir uns daher impfen mit dem Hl. Geist, der sich in unser Leben einmischen möchte wie bei Maria. Hineinhorchen, innehalten, verkosten dessen, was wir erleben, stille werden, die Spuren Gottes im eigenen Leben betrachten.
Das haben wir zum Teil verlernt in dieser hektischen Welt. Das mussten oder durften wir vielleicht neu lernen in der Zeit der Pandemie.
Ich wünsche mir, dass wir in den kleinen Dingen den Hl. Geist entdecken und schauen, was er in dir, in mir, in uns weiterentwickeln möchte...
Vielleicht gelingt es uns wieder mehr, Beziehungen aufleben zu lassen, Wärme durchs Telefon spüren zu lassen, Briefe zu schreiben, zu spenden ... wohl wissend, dass die beste Medizin für einen Menschen ein Mensch ist. Und dann vielleicht in Jubel auszubrechen wie Elisabeth und die junge Maria bei ihrem Besuch.
Erlauben Sie mir, einer Bauerstochter aus dem Mühlviertel, mit einer heiteren Verheißung des kleinen Propheten Maleáchi zu schließen. Den Vergleich kenne ich aus meiner Zeit zu Hause am Bauernhof:
"Für euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen. Ihr werdet hinausgehen und Freudensprünge machen wie Jungstiere, die aus dem Stall kommen - Spruch des Herrn." Amen.