Der Glaube an einen gerechten Gott war ihnen immer wichtig
Liebe Mitchristen!
Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke, fallen mir viele liebe Menschen ein, die wir begraben haben. Männer und Frauen, die der Pfarre sehr eng verbunden waren, manche weniger und manche gar nicht. Aber bei fast keinem Vorbereitungsgesprächen auf die Beerdigung habe ich auf meine Frage nach dem Glauben der/des Verstorbenen gehört, dass der Glaube keine Bedeutung gehabt hätte. Manchmal wurde mir gesagt, er oder sie hat zwar nicht viel über den Glauben gesprochen, ist auch nicht oft in die Kirche gegangen, aber der Glaube an einen guten und gerechten Gott war ihr oder ihm immer wichtig.
Oft habe ich auch gehört, der Tod war letztendlich eine Erlösung für sie oder ihn, wir lesen es auch manchmal in einer Todesanzeige. Damit soll gesagt werden, dass für den Verstorbenen eine längere Zeit des Leidens zu Ende gegangen ist. Nicht selten war der Tod auch für die Angehörigen, die hilflos dem oder der Leidenden zusehen mussten und in der Pflege übermenschliches geleistet haben, eine Erlösung. Sie können meist in tiefer Trauer doch wieder aufatmen, denn das Leben muss ja irgendwie weitergehen.
Es gibt aber auch den ganz schrecklichen und plötzlichen Tod, durch den ein Mensch mitten aus dem Leben gerissen wird und für die Angehörigen von einem Tag auf den anderen nichts mehr ist, wie es war. Auch für sie muss es irgendwie weitergehen, obwohl sie das Gefühl haben, alles steht still.
Die Tage um Allerheiligen und Allerseelen, in denen wir unserer Verstorbenen gedenken, berühren uns ganz unterschiedlich.
Es gibt das dankbare, liebevolle Gedenken, es gibt die verzweifelte Verlassenheit und nicht zu wissen, wie es weitergehen kann, es gibt auch manchmal hilflose Wut, die zurückbleibt, es gibt das bedrückende Gefühl, dem Verstorbenen etwas schuldig geblieben zu sein, noch etwas wichtiges nicht gesagt zu haben und es gibt auch die Gleichgültigkeit.
Was uns aber alle verbindet, ist im Zusammenhang mit Sterben und Tod der Gedanke an unsere eigene Vergänglichkeit. Nicht nur an das Ende unseres Lebens auf dieser Erde, sondern an die vielen kleinen Tode, denen wir von Kindestagen an unvermeidlich begegnet sind, die vielen Abschiede, die wir nehmen mussten, und den Schmerz, den wir dabei erfahren haben. Aber auch die Erfahrung daran, wie es nach einer gewissen Zeit der Trauer und des Schmerzes wieder gut weitergegangen ist.
Allerheiligen und Allerseelen sind für uns Christen Feste, die uns eine Möglichkeit anbieten, mit diesen schweren Zeiten unseres Lebens zurecht zu kommen. Und auch bewusst einmal im Jahr über den Tod nachzudenken. Ein Thema, das weitgehend tabuisiert ist. Wenn ich die Hinterbliebenen im Trauergespräch frage, ob sie mit dem Verstorbenen auch über das Sterben und den Tod gesprochen haben, sagen mir die meisten, eigentlich nicht, das wollte er oder sie nicht und wir haben uns auch nicht getraut. Ich denke mir dann, schade eigentlich, denn der Tod gehört doch zum Leben und führt auch, nach christlicher Überzeugung, ins Leben. Das Leben wird uns nicht genommen, sondern gewandelt, das ist ein großer Unterschied.
Und es gibt dieses große Sehnsuchtsbild in uns, dass nicht alles aus und vorbei ist mit unserem Sterben. Es ist das Sehnsuchtsbild des Himmels. Es gibt unserem Leben eine andere, größere und weitere Dimension, es übersteigt unsere erlebbare Welt und gibt uns eine Ahnung von dem, was uns einmal erwartet und was unsere Verstorbenen bereits schauen dürfen.
Ein Himmelreich des Friedens, der Liebe und der Versöhnung. Da gibt es nichts mehr, was nachgetragen wird, was kränkt oder vorgeworfen wird. Himmel ist die Überwindung aller Angst, von allem Schmerz und aller Hoffnungslosigkeit.
Himmel ist das Geborgen sein in der unendlichen Liebe Gottes.
Aber was ist der Grund, wenn uns jemand fragt, dieser unserer Hoffnung?
Den Tod als Übergang schildert uns die Heilige Schrift im Sterben und Auferstehen Jesu: Jesus stirbt am Kreuz. Er ist ohne Zweifel tot. Tage später erscheint er dem engsten Kreis seiner Jünger und seiner Mutter. Zuerst erkennen sie ihn nicht, aber als er das Brot mit ihnen bricht, erkennen sie ihn. Einige meinen, es ist ein Gespenst.
Er erscheint ihnen offenbar in einer anderen Gestalt als früher, aber er ist da.
Die Jünger und Jüngerinnen sind überzeugt: sie sind ihrem Herrn begegnet. Er ist real, nur in neuer Gestalt. Er ist bei ihnen, wenn sie zusammenkommen und das Brot brechen und er hat eine Wohnung für sie bereit, damit auch sie einmal dort sein können, wo er ist. In der Gemeinschaft mit dem väterlichen und mütterlichen Gott im Himmel. Wohnung ist hier ein Bild für ein Zuhause, in dem man sich sicher und geborgen fühlt.
Für diese Überzeugung lassen sie alles zurück und tragen diese Botschaft in die ganze Welt.
Paulus sagt es mit eigenen Worten in seinen Briefen:
"Wenn Jesus - und das ist unser Glaube -
gestorben und auferstanden ist,
dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen
zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen."
Und Johannes berichtet uns von der Auferweckung des Lazarus, wo Jesus sagt:
"Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
und jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird auf ewig nicht sterben."
Mit dieser Überzeugung können auch wir jeden Sonntag Gottesdienst feiern, um uns an unseren Glauben und an unsere Hoffnung zu erinnern.
Daran dürfen wir Christen denken, wenn wir mit dem Tod konfrontiert werden. Mit dem von lieben Angehörigen oder mit dem eigenen. Und auch mit den vielen kleinen Toden, die unser Leben begleitet.
Liebe Mitchristen,
lasst uns dem Leben trauen, jetzt in dieser endlichen Welt, aber auch in der unendlichen Welt Gottes, in der unsere Verstorbenen und alle Heiligen Gottes schon jetzt leben dürfen und uns weiterhin nahe sind.
Amen.