Asylbescheid: negativ
Liebe Pfarrgemeinde!
Vielen von euch ist die afghanische Familie Karimi mit den drei Kindern noch in Erinnerung. Sie haben im Herbst 2015 ein Monat lang im Pfarrhof gelebt.
Nunmehr wohnen sie bei einer Familie in Abwinden. Atiqullah Karimi hilft im Seniorenwohnheim und bei Veranstaltungen vom „Verein für mich und du“ im Pfarrheim. Seine Frau Marzia hat sich von einer Analphabetin zu einer selbstständigen Frau entwickelt: Sie besucht regelmäßig das Sprachcafe in Luftenberg, absolvierte das Fahrradsicherheitstraining und lernt Deutsch. Die Kinder gehen zur Schule, durften zum Ferienlager der Kinderfreunde, sind bei den Pfadfindern und spielen im Fußballverein.
Nach drei Jahren des Wartens und der Ungewissheit kam vor einigen Tagen der Asyl-Bescheid der ersten Instanz: Negativ. Abschiebung nach Afghanistan. Unendliche Traurigkeit, Tränen, Verzweiflung. Den Medien ist zu entnehmen, dass die Taliban im ganzen Land Spuren der Verwüstung ziehen: etliche Anschläge mit hunderten Toten. Die Anschläge der Taliban dehnen sich mittlerweile auf das ganze Land aus.
Die Karimis sind kein Einzelfall, vielen AsylwerberInnen aus Afghanistan, die in Abwinden, St. Georgen oder Langenstein leben, geht es ähnlich. Es ist für uns unvorstellbar, dass all die jungen Männer, Frauen und Kinder, die sich hier bestens integriert haben, in ein Land des Terrors zurück müssen.
Einige Ehrenamtliche engagieren sich in unserer Pfarre intensiv in der Begleitung der Familie Karimi und der AsylwerberInnen, die Teil unseres Lebens, unserer Gemeinden geworden sind: Wir lernen mit ihnen, kochen gemeinsam, feiern Weihnachten und Geburtstag, wir verbringen leichte und schwere Stunden miteinander. Was sie betrifft, betrifft auch uns.
Wir teilen die Trauer und Ohnmacht über den negativen Bescheid mit ihnen. Und wir wollen euch nicht in Unkenntnis darüber lassen.
Familie Karimi wird, wie viele andere Asylwerber und Asylwerberinnen auch, gegen diesen Bescheid Beschwerde einlegen. Wir wissen nicht, wie entschieden wird, aber wir möchten euch als Pfarrgemeinde über das Schicksal der AsylwerberInnen am Laufenden halten.
Christoph und Andrea Freudenthaler
Monika Weilguni