24. bis 29. August 2019: Fußwallfahrt nach Mariazell
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Lesung: Gen 12,1-7
Gott zu Abram: „Zieh weg aus deinem Land […] in das Land, das ich dir zeigen werde.“
Der Pilgerweg beginnt mit dem Aufbruch - und mit dem Zurück-Lassen all dessen, was ich nicht in den Ruck packe und nicht auf meine Schultern lade.
Auf Lateinisch heißt der Pilger „peregrinus“ - eigentlich: „der Fremde“/„Nicht-Bürger“;
Pilgern
= sich der Fremde aussetzen, den eigenen Acker (ager) verlassen;
= das zurücklassen, wo ich von den Sicherheiten lebe, für die ich selbst gesorgt habe;
= die Erfahrung zulassen, dass ich beschenkt werde – und dass mir geholfen wird: von denen, die mit mir gehen, und von denen, die mir begegnen;
= mich verlassen: auf andere - auf „den Anderen“ (Gott) – denn: Glauben ist Vertrauen;
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Evangelium: Lukas 2,41-52
„Doch sie [die ElternJesu] verstanden nicht, was er damit sagen wollte … Jesus wuchs … nahm zu an Weisheit ...“
Das 2. beim Pilgern (nach dem Aufbruch) ist der lange Weg, auf dem es nur langsam vorwärts geht und der manche Mühen fordert, die ich mir auch ersparen könnte.
Unterwegs lernen wir zu akzeptieren: es ist nicht immer alles gleich fertig und erledigt.
Ein(e) Pilger(in) lernt: sich selbst und anderen die Zeit zum Wachsen und Reifen zugestehen.
Beim Pilgern wählen wir die mit Abstand langsamste Art, sich einem Ziel zu nähern: Gehen. Das ist für viele heute ein echter Luxus: dass etwas langen dauern darf.
Sich Langsamkeit gönnen – das schärft die Sinne und die Genussfähigkeit (z.B.: langsam essen).
Wo kann ich in meiner Lebenswirklichkeit Elemente der Langsamkeit verankern?
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Ziel unseres Weges: der „Gnadenaltar“.
Blick auf die gekrönte Maria mit dem Jesus-Kind
Gold, Glanz, Glorie,... das irritiert – widert uns an – spießt sich mit unserer Spiritualität.
Wir sehnen uns eher nach einer schlichten und bescheidenen Formensprache.
Vgl. Rosenkranz beim Gehen: „… Jesus, der dich, o Jungfrau im Himmel gekrönt hat“
„im Himmel gekrönt“ - So wird hier das letzte Ziel des Menschen geschildert.
Einladung an uns: So leben/reden/handeln, dass die Menschen sich als „gekrönt“ erfahren.
Anders ausgedrückt: dass ihre von Gott geschenkte Würde anerkannt wird.
In allem, was ich durchsetze und an Kompromissen eingehe, die eigene Würde wahren;
(Kann ich mich noch in den Spiegel schauen, mit meinem Lebensstil und mit meinen Entscheidungen?)
Würde der anderen: Ich kann die Welt u. die Menschen meistens nicht retten oder heilen oder erlösen.
Aber ich kann immer ihre Würde achten.
Im Anderen den von Gott „Gekrönten“ sehen!
Ein Pilger geht nicht eine Runde – er hat beharrlich ein Ziel vor Augen.
„Der Pilger will am Ankunftsort dem Heiligen begegnen.“ (Gisbert Greshake)
Unser Ziel in Mariazell: die gekrönte Maria als Bild für die Heiligkeit des Menschen
...für die dem Menschen von Gott geschenkte Würde, die wir zu schützen berufen sind.