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Pfarrgemeinde St. Georgen an der Gusen
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Inhalt:

Interview mit Heidi Pölzguter und Bernhard Prammer

„Pfarrleben ist für mich mehr als nur Gottesdienst“

Andreas Haider im Interview mit Heidemarie Pölzguter und Bernhard Prammer

Haider: Danke, dass ihr euch Zeit für dieses Interview genommen habt. Zum Beginn eine einfache Einstiegsfrage: Warst du letzten Sonntag in der Kirche?

Pölzguter: Ja, ich war schon in der Kirche, allerdings nicht in St. Georgen, sondern in Grein. Ich war eingeladen zur Tauffeier der kleinen Tochter meines Neffen.

Prammer: Ich war letzten Sonntag nicht in der Kirche. Aber vor zwei Wochen bei einem sehr schönen Ereignis: der Hochzeit meines Bruders. Das war für mich ein wunderschönes Erlebnis. Solche Anlässe verbinde ich auch mit der Pfarre. Es hat uns sehr gut gefallen, war ein schöner Gottesdienst und eine schöne Feier. Da unsere ganze Familie noch eine gute Verbindung zur Kirche hat und fleißige Kirchengeher sind, war es für uns ein schönes, gelungenes Fest. Dass wir es als Gottesdienst feiern, ist für uns daher selbstverständlich.

Unser Rhythmus für den Sonntagsgottesdienst ist etwa alle zwei Wochen. Auch weil unser Sohn jetzt zu ministrieren begonnen hat. Es macht ihm sehr viel Spaß. Jetzt haben auch wir mehr Anreiz, dass wir die Kirche in einer gewissen Regelmäßigkeit besuchen. Was wir als Familie sehr schön finden.

Haider: Woran denkst du, wenn du an die Pfarre denkst? Wie oder wo erlebst du Kirche bzw. Pfarre als Gemeinschaft?

Pölzguter: Ich bin jeden Sonntag um 8.00 Uhr in der Kirche, ich bin Frühaufsteherin. Hier spüre ich Ruhe, Geborgenheit und Resonanz. Ein Ort, an dem man immer willkommen ist, wenn man Gemeinschaft sucht oder einfach nur beten will. Pfarrleben ist für mich mehr, als nur Gottesdienst zu feiern. Dazu gehören alle Feste im Jahreskreis, der tolle Chor, Konzerte. Die sonntäglichen Lebenszeichen jetzt seit Corona gefallen mir auch sehr. Pfarre ist für mich ein Stück Heimat.

Prammer: Wenn ich an Pfarre denke, denke ich als erstes an unsere Kirche, an den Gottesdienst. Ich muss auch ehrlich sage, es gab Zeiten, wo ich nicht so oft in Kirche ging, da habe ich es als nicht so cool empfunden. Aber grundsätzlich hat meine Familie und die Familie meine Frau eine starke Kirchenbindung. Mir gefällt es mittlerweile sehr, mit allen drei Kindern die Kirche zu gehen, auch wenn es dann vielleicht nicht so ruhig ist.

Pölzguter: Ich freue mich über Kinder in der Kirche.

Prammer: Es ist echt spannend, wenn man das als Familie wahrnimmt. Wir waren früher im Kindergottesdienst im Pfarrheim, jetzt probieren wir es mit unseren Kindern im normalen Gottesdienst. Als Eltern fragt man sich da schon, ob die Kinder nicht zu laut sind. Aber dann kommt man aus der Kirche und die Leute freuen sich, das kleine Kinder da sind. Und alle sagen „Die sind so brav.“ Das ist schon sehr schön und gehört für uns zum Sonntagvormittag dazu.

Wir schaffen es zwar nicht jeden Sonntag, aber so zweimal im Monat gehen wir in die Kirche, und das ist für uns ein schönes Erlebnis. Da komme ich zur Ruhe und kann mich Gedanken widmen, die in unserer schnelllebigen Zeit eher untergehen. Mit der Pfarre verbinde ich auch sehr stark Gemeinschaft, vor allem bei den Festen. Das zieht sich bei mir von Kindheit an durch, auch in der Zeit in meiner Jugend, wo ich nicht so oft in der Kirche war. Wir haben aber auch damals als Katholische Jugend Feste veranstaltet, z.B. den Jugendball. Auch wenn die Gottesdienste schwächer besucht sind, sehe ich doch, dass zu Pfarrveranstaltungen viele Menschen kommen. Da erlebe ich pfarrliche Gemeinschaft auch sehr stark.

Und natürlich durch unsere Kinder, in der Volksschule mit der Erstkommunion oder beim Erntedankfest, wenn die Kleine mit der Erntekrone mitgehen darf. Das mitzuerleben, ist etwas sehr Besonderes.

Pölzguter: Ja, wenn die Kinder bei der Erntekrone aufgestellt sind, voller Freude und Stolz, das gefällt mir auch immer. Nur halt schon als Oma.

Prammer: Meinen Eltern und Schwiegereltern geht es da genauso. Oder als unser Sohn bei der Erstkommunion mitgegangen ist. Gott sei Dank bekommen unsere Kinder das mit, dass uns das etwas wert ist.

Haider: Bernhard, du hast zweimal einen Punkt erwähnt, wo ich nachhaken möchte. Du hast gesagt, es hat auch einmal eine Phase gegeben, wo Kirche für dich nicht so cool war.

Prammer: Es war nicht so, dass ich mit Kirche nichts zu tun haben wollte. Kirche war ein wichtiger Teil unsere Erziehung, und dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Bis ich etwa 14/15 Jahre alt war, war es klar, dass wir jeden Sonntag in die Kirche gehen, sogar in die 8.00-Uhr-Messe. Das wurde dann, als das Fortgehen anfing, halt schwieriger. Aber auch da wurden wir aufgeweckt, gingen in die Kirche und haben uns halt später wieder niedergelegt. Aber je mehr das mit dem Fortgehen ein Thema war, umso weniger oft haben sich die Eltern das angetan, uns aufzuwecken. Und wenn man die ganze Nacht unterwegs war, ist es halt schwerer gefallen, für die Kirche aufzustehen.

Aber das hat nicht geheißen, dass der Glaube abgenommen hätte. Und zu den großen Festen wie Weihnachten und Ostern war es für mich ganz klar, dass ich in die Kirche gehe, da hat man mich auch nicht extra motivieren oder gar zwingen müssen. Es bringt eh nichts, Jugendliche zum Kirchengehen zu zwingen, die müssen das wollen und freiwillig tun.

Pölzguter: Das kenne ich auch. Vor etwa dreißig Jahren, als mein Mann noch gelebt hat, da sind wir am Sonntag früh gemeinsam aufgestanden. Wir haben einen Häferlkaffee getrunken und dann sind wir ein paar Stunden in die Au joggen gegangen. Das war für mich der Himmel auf Erden. Natürlich, wenn wir heimgekommen sind, war die Kirche schon vorbei. Aber ich glaube, wenn man an etwas gemeinsam Freude hat, dann kann das nur richtig sein. Dann findet man so den Herrgott, aber halt auf eine andere Weise, in der Schöpfung, mit der Natur und den Geräuschen. Ich sehe das auch bei meinen Kindern: irgendwann kommen sie wieder. Und haben das Bedürfnis, wieder zu beten und Danke zu sagen. Das soll man nicht so eng sehen.

Haider: Wie hat sich Kirche bzw. Pfarre verändert? Welche Veränderungen hast du am stärksten wahrgenommen? Gibt es Veränderungen, die dir Sorgen bereiten oder welche die dir Hoffnung machen?

Pölzguter: Was ich negativ wahrgenommen habe, ist die abnehmende Zahl der KirchenbesucherInnen. Aber das bringt auch die Zeit mit sich, das ist bei den Evangelischen nicht anders. Momentan sind auch viele ältere Menschen daheim wegen Corona, und sehen sich Gottesdienste im Fernsehen an. Ich fände es halt schön und bereichernd, wenn diese Leute, so sie körperlich fähig sind, wenn sich dann wieder Normalität einstellt, wieder in die Kirche kämen. Damit sie auch wieder die Gemeinschaft der Kirche spüren können.

Wenn ich Kirche vergleiche, wie sie früher, in meiner Kindheit oder Jugend war, dann war das anders. Heute wird immer vom liebenden Gott geredet. Früher, im Religionsunterricht, da wurde oft der strafende Gott vermittelt, der mit dem erhobenen Zeigefinger droht. Ich komme aus Waldhausen, genauer aus Gloxwald. Dort gibt es eine Filialkirche, wo ich schon als Kind oft in den Gottesdienst gegangen bin. Auch das war früher anders als heute. Der Pfarrer hat noch mit dem Gesicht zum Hochaltar gefeiert und wir haben nur den Rücken gesehen. Das waren aber auch Zeiten, in denen ich nicht so oft in die Kirche gegangen bin. Dann, als ich in Linz in die Schwesternschule ging, habe ich die Familienkirche besucht. Das war mir ein Bedürfnis, vor allem vor den Prüfungen, damit die gut gehen. Heute gehe ich Gloxwald sehr gerne in die Kirche, dort ist der Pfarrer Wögerer, den kenne ich schon ewig lange. Das ist so klein, so lieb, so beieinander. Und die Leute kommen aus Nöchling, Waldhausen, von überall her. Da genieße ich jede Mal das kleine, innige Miteinander.

Hoffnung gibt mir unser Seelsorgeteam, seine Kreativität, gerade jetzt, in der Coronazeit. Speziell der Weihnachtsweg, der Osterweg, die Lebenszeichen. Und auch das starke Füreinander und Miteinander in der Pfarre. Das habe ich zuletzt beim Pilgern wahrgenommen. Da war ein breiter Bach und man konnte nirgendwo darüber. Da hat dann ein Mitpilger die Idee gehabt, Steine in den Bach zu schmeißen und auf diesen Steinen sind wir dann hinüber. Das ist das Schöne, dieses Miteinander.

Prammer: Mein Gefühl ist, dass sich Kirche, Glaube und Gottesdienst gar nicht so stark verändert haben. Im Gegensatz zur Umwelt, die schnelllebiger und stressiger geworden ist. Und das fällt auf, dass Kirche da ein Ruhepol ist. Kirche ist für mich ein Ort, wo ich zur Ruhe kommen kann, eine Ruhe, die man jetzt mit der Arbeit und mit drei kleinen Kindern sonst eher schwer findet. Und man kann sich dann für eine Stunde oder einen Vormittag Gedanken widmen, von denen man glaubt, dass man für sie im Alltag keine Zeit hat oder sich nicht Zeit nehmen kann oder will. Aber Kirche selbst hat sich in meiner Wahrnehmung nur wenig verändert.

Was schon auffällt: dass deutlich weniger BesucherInnen in der Kirche sind. Aber das ist sicher auch ein Problem der Pandemie. Da wird noch eine große Herausforderung auf uns zukommen. Während der Pandemie haben sich viele Leute einen Ersatz gefunden, der für sie auch funktioniert, und es wird schwierig werden, diese Leute wieder in den Gottesdienst zu holen. Weil den Leuten geht ja schon etwas ab, wenn sie ihren Glauben nicht leben können. Wenn ich meine Großeltern hernehme, die sind um die 90, und für sie war der Gottesdienstbesuch vorher schon beschwerlich. Aber jetzt haben sie den Fernsehgottesdienst für sich entdeckt und sehen ihn jeden Sonntag in der Früh. Das ist ihre Möglichkeit, Gottesdienst mitzufeiern, aber es fehlt doch die Gemeinschaft, die kann man so nicht erleben.

Ich glaube nicht, dass Menschen grundsätzlich weniger mit dem Glauben verbunden sind, dass er ihnen weniger bedeutet. Aber die Wertigkeit eines Gottesdienstes und das Verlangen nach einem Gottesdienst ist nicht mehr so stark. Früher war das den Menschen schon mehr wert, dass man in den Gottesdienst gegangen ist. Wobei es da, glaube ich, auch viel um den persönlichen Kontakt zu anderen Menschen gegangen ist. Früher war die Kirche einfach auch ein Treffpunkt, wo man mit Leuten reden kann, die man länger nicht gesehen hat. Mein Großeltern sind immer eine Viertelstunde vor der Kirche und eine halbe Stunde nach der Kirche am Kirchenplatz gewesen und haben sich mit den anderen KirchengeherInnen unterhalten. Heute haben wir soziale Medien und viele andere Möglichkeiten, in Kontakt zu bleiben. Aber ältere PfarrbewohnerInnen haben das nicht, und für die ist der Gottesdienst daher immer noch wichtig, um in Kontakt zu kommen.

Und ich habe schon Sorge, dass die Kirchenbesucher auch in Zukunft immer weniger werden. Aber das ist, wie du eh schon gesagt ist, auch bei den Evangelischen so. Das zieht sich durch alle Glaubensrichtungen. Das ist ein Problem unserer Zeit, dass wir viel mehr Möglichkeiten haben, und Kirche da untergeht.

Pölzguter: Das wird noch schwierig werden, weil sich jeder nur noch selber sieht.

Prammer: Wobei, was mich positiv stimmt: Nach wie vor finden sich viele Leute in der Bevölkerung, die wirklich engagiert in der Kirche sind. Auch abseits der Gottesdienste. Und das ist viel wert, weil auch so die Pfarrgemeinschaft lebendig wird.

Pölzguter: Ich sehe das auch so. Und ich glaube, das es nicht immer so bleibt. Das ist ein auf und ab, manchmal kommen mehr, manchmal weniger Leute. Ich hoffe, dass es wieder mehr werden.

Prammer: Das glaube ich auch. Wenn ich das historisch betrachte, dann habe ich das Gefühl, je mehr Wohlstand die Gesellschaft hat, desto weniger Augenmerk richtet sie auf den Glauben, desto weniger sind die Menschen miteinander verbunden. Wenn es wenig Sorgen und Probleme gibt, dann ist das Bedürfnis nicht da nach einem Ort, wo man sich mit seinen Ängsten und Hoffnungen auseinandersetzen kann. Das ist für mich die Kirche. Zur Zeit leben wir in einer Wohlstandsgesellschaft, und da haben Glaube, Kirche und Gemeinschaft nicht so einen Stellenwert wie in Krisenzeiten.

Haider: Welche Rolle spielt Kirche bzw. Pfarre in deinem persönlichen Umfeld? Ist die Kirche/die Pfarre da (noch) ein wichtiger Teil der Gesellschaft?

Pölzguter: Ich glaube, dass ein großer Teil der Gesellschaft Kirche unbedingt braucht, bezüglich Ethik und Moral. Wobei es natürlich auch in der Kirche schwarze Schafe gibt, gerade beim Thema Missbrauch. Das ist ein Argument, das man leider oft hört, wenn man mit Menschen über Kirche redet.

Mir persönlich gibt der Glaube Halt. Aber es soll jeder so halten, wie er es möchte. Meine Kinder zum Beispiel: der Matthias geht eher nur bei den Hochfesten in die Kirche. Den Jürgen treffe ich immer wieder einmal in der 8.00-Uhr-Messe, obwohl wir uns das gar nicht ausgemacht haben. Das freut mich sehr. Oder er geht beim Pilgern mit. Meine Geschwister in Waldhausen, die sind schon noch kirchennäher. Ich auf jeden Fall brauche das. Ich gehe zwar auch nicht jeden Sonntag in die Kirche, aber schon sehr oft.

Prammer: In meinem familiären Umfeld spielt Kirche auf jeden Fall eine große Rolle. Ich bin schon früh gefragt worden, ob ich nicht in den Pfarrgemeinderat gehen möchte. Früher, wie die Kinder noch kleiner waren, hätte ich die Zeit nicht gehabt, aber jetzt macht mir die Arbeit im Pfarrgemeinderat viel Spaß und ich bin froh, dass ich mich habe überreden lassen.

In der Familie habe ich, und das war auch in der Familie meiner Frau so, Glauben vorgelebt bekommen. Wir sind froh, dass wir das mitbekommen haben, weil mir das wichtig ist.

Im weiteren Umfeld, wenn ich an Leute meines Alters denke, ist das nicht mehr so. Wenn ich z.B. meine Männerrunde hernehme, da gibt es von den vierzehn Männern noch vielleicht einen oder zwei, die regelmäßige Kirchenbesucher sind. Es gibt sicher Leute, denen Glaube auch wichtig ist, die das aber nicht zwangsläufig mit Kirche oder Gottesdienst verbinden. Zum Beispiel habe ich in meinem Freundeskreis auch Leute, deren Eltern schon gestorben sind. Die aber sagen, sie brauchen die Kirche oder den Friedhof nicht, um sich mit den Eltern verbunden zu fühlen. Für mich sind das genau die Orte, wo ich Verstorbenen gedenken kann, andere aber haben andere Orte und andere Formen, mit ihrer Trauer umzugehen. Das hat sich sicher verändert, dass für manche Leute Kirche und Friedhof nicht mehr notwendigerweise die Orte für Glaube und Trauer sind.

Ich bin schon der Meinung, dass Kirche noch ein wichtiger Teil der Gesellschaft ist. Das erlebe ich auch bei öffentlichen Diskussionen, ob z.B. in der Volksschule ein Kreuz hängen soll. Da merkt man dann, dass ein großer Teil der Gesellschaft sich noch mit der Kirche verbunden fühlt. Und ich glaube, das sollten wir auch nicht aufgeben, dass das Kreuz, der Glaube, auch ein Teil unserer Kultur ist. Aber an solchen Debatten merkt man: Auch wenn ein großer Teil der Gesellschaft nicht mehr regelmäßig in die Kirche geht, ist Glaube und Kirche doch noch ein wichtiges Anliegen.

Pölzguter: Als wir gepilgert sind, haben wir immer am Vormittag und am Nachmittag einen Rosenkranz gebetet. Der Herr Pfarrer hat uns freigestellt, ob wir mitbeten wollen. Die die, beten wollten, gingen vorne, die anderen hinten. Und da ist auch mein Sohn Jürgen zu mir gekommen und hat mitgebetet. Das hat mich überrascht, weil in Waldhausen, bei Totenwachen, wird ein ganzer Rosenkranz mit allen Litaneien gebetet. Und wenn jemand stirbt, dann fragt er: „Muss ich da wirklich mitfahren?“ Aber hier beim Pilgern hat er gesagt: „Mutter, das ist jetzt irgendwie so schön, da kommst du so runter, da kommst du so ins Meditative hinein.“ Das wird es wohl auch beim Rosenkranz sein, dass man sich da fallen lassen kann, und du merkst, wie dir das gut tut.

Prammer: Das habe ich auch so erlebt, bei einem Begräbnis in Rechberg. Und ich habe das Gefühl, wenn man weiter ins Mühlviertel hineinkommt, ist das noch anders. Bei Totenwachen und beim Begräbnis wurden – ich weiß gar nicht mehr, wie viele – Rosenkränze gebetet. Es war ein ganz anderer Abschied, eine ganz andere Feier als bei uns in der Kirche. Aber auch schön und interessant. Meine Schwiegermutter und Freundinnen von ihr haben gesagt: so war das in St. Georgen früher auch. Ich habe das Rosenkranzbeten da auch sehr meditativ empfunden. Am Anfang war ich ein wenig überfordert, weil ich das von St. Georgen her anders gekannt habe, aber ich habe es dann schon als sehr schön empfunden. Vor allem, weil ich auch gesehen habe, dass das den Leuten etwas gibt, dass es für sie ganz wichtig ist.

Haider: Was würdest du dir von der Pfarre wünschen? Wie müsste Kirche bzw. Pfarre sein, damit du dich wohl - oder wohler - fühlst? Wie könnte Pfarre bzw. Kirche deiner Meinung nach mehr Gemeinschaft werden, Gemeinschaft spürbarer machen?

Pölzguter: Ich fühle mich sehr wohl da in der Pfarre. Es gibt so viele ansprechende Angebote für Jung und Alt, die gemeinschaftsdienlich sind. Man muss sie aber auch wollen und sie wahrnehmen. Wünschen kann man sich etwas vom Christkindl und wünschen kann man leicht, weil das bekommt man dann geschenkt. Man muss aber wollen, man muss etwas tun dafür. Wenn ich am Sonntag um 8.00 Uhr in die Kirche gehe, dann muss ich um 7.15 Uhr aufstehen.

Persönlich fühle mich auch deshalb so wohl, weil wir so ein gutes Seelsorgeteam haben. Da ist Pastoralassistentin Eva Wagner, die gut predigen kann und dabei auch die Sicht der Frau wahrnimmt; die die Ministranten und SternsingerInnen ausbildet und sich um diese kümmert und vieles mehr. Unser ehem. Pastoralassistent Andreas Haider, der mit seinen originellen Predigten, mit Gospel und Country Songs Abwechslung in die Messfeiern bringt und Menschen begeistern kann. Den neuen Pastoralassistenten in Ausbildung, Daniel Kaun, muss ich erst kennen lernen, aber er wird seine Sache sicher auch gut machen. Und Franz Wöckinger, unser Herr Pfarrer, der den wichtigsten Beitrag leistet, dass alles rund läuft in der Pfarre. Er ist, denke ich, ein sehr spiritueller Mensch, ein exzellenter Prediger und gleichzeitig, Gott sei Dank, ein Mensch, ein Mitmensch wie du und ich. So gesehen braucht sich für mich nichts ändern.

Prammer: Für mich ist die Frage, wie Kirche sich ändern müsste, dass ich mich wohler fühle, schwierig, mir geht es da auch so wie dir. Ich fühle mich grundsätzlich auch sehr wohl in der Pfarrgemeinschaft, so wie sie ist. Für mich persönlich braucht sich nichts zu ändern. Ich genieße das Angebot. Das war früher, als die Kinder noch klein waren, die Kinderliturgie, jetzt ist es der Gottesdienst. Da gibt es so viele engagierte Leute, dass sicher auch für jeden etwas dabei ist. Auch in der Pfarrgemeinschaft fühlen wir uns wohl. Dadurch, dass unsere Familie und Verwandtschaft ja oft in die Kirche geht, ist das auch ein Familientreffen. Manchmal trifft man Verwandte, die man vielleicht schon länger nicht gesehen hat. Das passt sehr gut für uns.

Was ich mir nicht von der Pfarre, aber für die Pfarre wünsche: dass wir wieder mehr Menschen motivieren könnten, ihren Glauben in der Kirche auszuleben. Auch wenn heute sicher nicht mehr so viele Leute gläubig sind wie früher, gibt es doch sicher noch viele, die zwar noch glauben, dafür aber einen anderen Platz gefunden haben. Die sollten wir wieder einbinden. Und dass bei Pfarrfesten und -veranstaltungen wieder mehr Menschen kommen. Und zu den Gottesdiensten auch. Zum Thema Veränderung glaube ich auch, dass der Zukunftsweg der Diözese ein Stück dazu beitragen kann. Denn wenn sich die Gesellschaft verändert, und die Kirche verändert, dann regt so ein Prozess auch zum Nachdenken an. Und das kann auch zu positiven Ergebnissen führen.

Aber bei Gesprächen zum Thema Kirche in meinem Umfeld merke ich schon auch, dass das für manche ein verstaubtes Tabuthema ist. Dass die Gesprächspartner dann sagen. „Kirche? Das freut mich sowieso nicht.“ Das ist oft ein schwieriges Thema und das ist schade. Wie können wir Menschen wieder dazu bewegen, sich mit dem Glauben wohler zu fühlen? Dass auch sie die Pfarrgemeinschaft spüren und sich als Teil dieses Ganzen sehen können?

Haider: Was wären vielleicht Möglichkeiten, wie man diese kirchenfernen Leute wieder ins Boot holt? Oder müssen wir uns eingestehen, bei manchen ist der Zug abgefahren, da kann man nichts mehr machen?

Pölzguter: Das glaube ich auch, dass das bei manchen Leuten so ist. Aber ich glaube auch, dass sich das bei manchen Menschen wieder gibt, aus der Situation oder aus dem Leben heraus. Bei meinem Mann war das zum Beispiel so. Karl und ich, wir sind früher am Sonntag früh, wie ich eh schon gesagt habe, joggen gegangen. Zu den heiligen Zeiten, Weihnachten, Ostern, Hochzeiten, usw. waren wir schon in der Kirche. Als mein Mann dann aber Krebs bekam, hatte er das Bedürfnis, aus sich heraus, in die Kirche zu gehen und zu beten. Er hatte zwar Zweifel, so: „Glaubst du, die Leute reden jetzt, und sagen: Jetzt wo er krank ist, jetzt rennt er auf einmal in die Kirche?“ Ich habe ihm gesagt: „Karl, du kannst immer in die Kirche gehen. Erstens: Kümmere dich nicht darum, was die anderen denken, und zweitens: Wenn es dir ein Bedürfnis ist, dann geh.“ Und er ist bis zu seinem Tod in die Kirche gegangen. Das hat ihm wahnsinnig viel gegeben, er hat Halt gefunden. Das gibt es immer wieder, dass Menschen aus einer Not heraus einen Weg finden. Es ist halt nicht die große Masse.

Prammer: Ich glaube auch, wenn man mit Sorgen, Problemen, Ängsten in die Kirche geht, kann man da schon Halt finden. Aber ich glaube auch, dass es eine große Herausforderung ist, Menschen so zur Kirche zu bringen, dass es wieder Teil des Alltags, wieder zur Gewohnheit wird. Und ja, egal in welcher Runde wir oft beisammen sitzen, habe ich den Eindruck, man ist da schon alleine auf weiter Flur. Ich würde mir das ja auch für andere Leute wünschen, dass sie Kirche auch so erleben könnten wie wir. Aber eine Idee, wie wir wieder mehr Leute erreichen könnten, habe ich leider auch nicht. Sonst hätte ich sie eh schon mal angestoßen.

Als Eltern aber erleben wir oft folgende Situation: Da lassen Familien die Kinder noch taufen, heiraten noch, und dann treten sie aus der Kirche aus. Entweder, weil es ihnen eh schon länger nichts gegeben hat, oder weil sie sich den Kirchenbeitrag sparen wollen, oder weil ihnen zwar diese Feste noch wichtig waren, der Rest des Kirchenlebens aber nicht. Und dann, wenn die Kinder in der Volksschule sind, kommt der Aha-Effekt: Mein Kind darf jetzt als einziges in der Klasse nicht zur Erstkommunion. Darf nicht mitgehen, nicht das schöne weiße Kleid tragen. Und auf einmal wäre es schon schön, wenn das Kind und die Familie mitfeiern dürften. Da habe ich schon oft Gespräche geführt. Denn ich sehe das nicht so, dass man dann halt einfach so mitmachen kann: Ihr habt euch dagegen entschieden. Die Kirche aber würde sich sehr freuen, wenn ihr wieder eintreten würdet, wieder Teil der Gemeinschaft werden würdet. Dann ist es auch selbstverständlich, dass ihr mit eurem Kind die Erstkommunion mitfeiern könnt. Aber sonst sehe ich das so: Wenn ihr nicht Teil dieser Gemeinschaft sein wollt, und es euch nur darum geht, dass euer Kind mit dem schönen weißen Kleid mit den anderen mitgehen kann, dann ist das für mich der falsche Ansatz. Bei vielen Leuten aber habe ich den Eindruck, es geht ihnen nur um die paar wichtigen Feste, die sind schon schön. Aber für das tägliche Leben hat es keine Bedeutung. Hier müsste man wieder mehr Bewusstsein schaffen.

Wenn in der Freundesrunde das Gespräch auf Kirche kommt, dann merk man schnell, dass das für viele kein Thema mehr ist. Da trifft man oft auf Unverständnis: „Was, ihr geht wirklich in die Kirche? Wie oft im Monat geht ihr in die Kirche? Was, der Paul ist Ministrant?“ Das ist schade. Denn uns ist der Kirchenbesuch etwas wert. Und es freut uns sehr, dass Paul eine so große Freude mit dem Ministrieren hat. Er sitzt da voll Stolz, und der Nachbarbub auch. Und es hat ihn sehr gefreut, dass er bei der Hochzeit von meinem Bruder ministrieren hat dürfen. Das ist sehr schön, wenn man das so erleben kann.

Haider: Ich denke, das ist ein gutes Schlusswort. Liebe Heidi, lieber Bernhard, ich danke euch, herzlich für dieses Interview und die offenen, ehrlichen Worte.


 

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