Maria Verkündigung
Schriftstellen:
Lesung aus dem Brief an die Hebräer 10,4-10.
Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas 1,26-38.
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Der heutige Tag ist der Tag einer Antwort, die die Welt verändert hat. Der Engel bringt Maria die Botschaft und sie antwortet Ja, ,,mir geschehe nach deinem Wort.“ Es gibt eine unübertroffene Predigt zu diesem Evangelium des heiligen Bernhard von Clairvaux, die sich betiteln lässt mit: „Die ganze Welt wartet auf die Antwort Mariens“. Der heilige Bernhard tritt selber hinein in das Haus von Nazareth, in die Situation des jungen Mädchens Maria. Er spricht selber zu ihr und sagt folgende Worte: „Du schweigsame Frau, sei nicht schweigsam in diesem Moment! Sprich, antworte! Du, kluge Jungfrau, in diesem Moment warte nicht, sondern beeile dich! Wir brauchen dein Ja!“ Maria hat ihre Antwort gegeben. Sie hat den Erlöser empfangen, und konnte Mutter Gottes werden. Neun Monate später hat sie ihn zur Welt gebracht. Ihre Antwort ist nicht überbietbar, nicht wiederholbar. Aber an ihrer Antwort können wir uns orientieren. Die Welt wartet zumindest im Kleinen darauf, dass wir antworten wie Maria. Antwort hat immer auch mit Verantwortung zu tun, Verantwortung für unsere Welt, in der sich auch heute Menschwerdung Gottes ereignen kann. Die ganze Welt wartet auf die Antwort Marias! Wie hat sie damals geantwortet.
Erstens: Maria antwortet mit Gottvertrauen. Freilich ist Maria diese Botschaft Gottes zu groß und nicht ganz verständlich. Sie fragt auch nach: „Wie soll das geschehen?“ Aber Maria vertraut darauf, dass Gott nicht Falsches oder Unechtes von ihr verlangen kann. Maria antwortet mit Gottvertrauen. Gottvertrauen lässt sich eigentlich ganz leicht erklären. Es ist das große Vertrauen, dass es mit Gott doch immer wieder recht wird im Leben. Glaube ist immer eine Vertrauenssache. Mehr braucht man da gar nichts mehr hinzufügen.
Zweitens: Maria antwortet ins Ungewissen hinein. Ob sich Maria damals der Folgen ihrer Antwort bewusst war? Sie war ja dann gleich allein, als der Engel sie verlassen hat, mutterseelenallein mit ihrer Berufung Mutter zu sein, noch dazu eine ledige Mutter. Maria hat hineingeantwortet in die Ungewissheit. Es gilt immer wieder auch in das Ungewisse hineinzugehen und es anzunehmen. Auch der Glaube kann nur so funktionieren. Der bekannte Theologe Karl Rahner hat das auf den Punkt gebracht. Er sagt: „Glaube heißt nichts anderes, als die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten.“
Drittens: Maria antwortet in Freiheit. Gott zwingt niemanden. Gott lässt den Menschen immer die Freiheit sich für oder gegen ihn zu entscheiden. Maria gibt ihre Antwort in großer Freiheit. Es ist genau diese Freiheit für Gott, die uns Menschen zu eigen ist. Das Zusammenspiel zwischen der Gnade Gottes und der menschlichen Freiheit bleibt für immer ein großes Geheimnis. Unser freier Wille ist letztlich unser einzig wahres Eigentum. Es geht in unserer Freiheit darum, dass wir die Psalm-Worte wiederholen und durch unser Leben abdecken, die uns heute der Hebrärbrief zitiert hat: „Siehe ich komme deinen Willen zu tun.“ Es geht darum uns in Freiheit für den Willen Gottes zu entscheiden und diesen Willen Gottes bedingungslos zu erfüllen.
Liebe Brüder und Schwestern!
„Die ganze Welt wartet auf die Antwort Marias.“ Maria antwortet mit Gottvertrauen, ins Ungewisse und in Freiheit. Die Welt wartet auf unsere Antwort, auf unsere Verantwortung. Amen.