Bedrängnis-Begegnung-Befreiung
Schriftstellen:
Lesung aus dem 2. Buch der Chronik 2 Chr 36,14-16.19-23
Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes 3,14-21.
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Bei Filmen, speziell, wenn es sich um mehrteilige handelt, gibt es sogenannte Zeitraffer. Am Beginn einer neuen Folge wird in Erinnerung gerufen, was bisher geschehen ist. Genau so dürfen wir die heutige Lesung aus dem Buch der Chronik, im Alten Testament verstehen. Da haben wir einen Zeitraffer aus der Geschichte Israels gehört. Es war von der Bedrängnis des Volkes die Rede. Die Menschen haben Gott vergessen. Sie geraten unter Fremdherrschaft. Der Tempel wird verbrannt und sie werden ins Exil nach Babylon verschleppt. Dort beginnen sie nachzudenken. Es kommt zu einer neuen Begegnung mit Gott fern der Heimat. Schließlich kommt es zur Befreiung. Der Perserkönig Kyrus beendet das Exil. Die Menschen dürfen wieder heim. Die Befreiung geht jedoch tiefer. Gott hat die Menschen innerlich befreit. Bedrängnis, Begegnung, Befreiung. In diesen drei Polen spielt sich der Weg Kirche, der Weg eines jeden Menschen ab. In diesen drei Polen erfahren auch die Jünger die Auferstehung des Herrn. Nach dem Tod Jesu sind sie in tiefer Bedrängnis. Ist das „Abenteuer“ Jesus von Nazareth gescheitert? Es kommt dann zur Begegnung mit dem Auferstanden. Diese Begegnung befreit. Um Ostern wirklich feiern zu können, tut es uns gut, wenn wir uns heute den drei Polen Bedrängnis, Begegnung, Befreiung zu wenden.
Erstens: Bedrängnis! Wie oft sind wir Menschen in innerlicher Bedrängnis? Wie oft wissen wir nicht wie es weitergehen soll? Wie oft sind wir innerlich gefangen von unserer Sorge und unserem Unwissen? Das Hauptproblem ist jedoch sicher auch, dass wir oft nur mehr unsere Sorgen sehen, und nichts anderes mehr. Geht es nicht uns öfters so, dass wir in innerer Bedrängnis sind? Dass sich Sorgen über unser Leben breiten, und wir morgens genauso aufstehen, wie wir abends ins Bett gegangen sind. Auch die Zeit von Covid 19 ist für viele eine Zeit der Bedrängnis. Letztlich wissen wir jetzt noch immer nicht, wann es einigermaßen „normal“ weitergeht. Und ist es nicht auch oft im Glauben so. Wir haben zwar manches Wissen über Gott und Jesus, aber wir haben mit all unserem Wissen Jesus nicht im Herzen. Wir können nur traurig oder gleichgültig von Jesus erzählen. Wir sind bedrängt vom Relativismus, weil auf der einen Seite gar nichts mehr gilt, und auf der anderen Seite alles gilt. Letztlich ist der Mensch immer ein Stück weit bedrängt, weil er so viel in dieses kurze Leben hineinstopfen muss, und ihm die Zeit zu knapp wird. Der Mensch ist bedrängt, wenn er diese Welt zum einzig gültigen Maßstab macht.
Zweitens: Begegnung! Was hilft wirklich in der Bedrängnis? Es ist Begegnung mit Gott! Es ist der Weg nach innen, den der Mensch antreten muss, um Gott zu begegnen. Immer in der Geschichte des Volkes Gottes war es die wirkliche Begegnung mit Gott, die einen Weg aus der Bedrängnis finden ließ. Dieser Gott kommt manchmal als Unbekannter dazu, da brauchen wir nur an die Emmausjünger vor zu denken. Er kommt unbekannt dazu. Er ist sehr feinfühlig. Er passt sich auch unser Geschwindigkeit an, ist nicht hinten nach oder weiter vorne. Er geht mit. Er ist einfach da. Er hört zu. Er redet mit uns. Er ist ist geduldig und verlässlich. „Der Herr sei mit euch,“ wird uns in jedem Gottesdienst mehrmals zugesagt. Dass „Gott mit uns ist“ ist die Zusammenfassung der Heilsgeschichte. So gilt es die Begegnungsmöglichkeiten mit dem Herrn, die er uns immer wieder zuspielt zu finden. Wir müssen Gott suchen im Leben. „Gott, du mein Gott, dich suche ich,“ heißt es in Psalm 63. Das ist das wunderbare Programm des Christen, die Begegnung mit ihm zu suchen. Dort, wo das Suchen da ist, ist die Möglichkeit des realen Findens immer gegeben. Die Frage ist, ob ich Gott wirklich begegnen will?
Drittens: Befreiung! Gott will die Freiheit des Menschen. „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gesandt hat,“ haben wir heute im Evangelium gehört, Der biblische Gott wird als befreiender Gott erfahren. Ob Menschen im Exil die Befreiung Gottes durch den König Kyrus sahen, oder ob Menschen Befreiung durch den irdischen Jesus erlebten, ist letztlich nicht so wichtig. Gott befreit. Er nimmt die Sorgen. „Wirf deine Sorge auf den Herrn. Er wird es fügen,“ beten wir in den Psalmen. Die Befreiung durch Gott verlangt von uns eines, das Bekenntnis, dass ich der Befreiung bedarf und unsere Welt gar nicht so frei ist, wie sie immer meint. Es geht um dieses Freiwerden von allem, was mich bedrängt und mir schadet. Frei von, muss ich werden. Und es geht um dieses Freiwerden für Gott und alles, was mit ihm zu tun hat. Freiwerden soll ich für das Gute, Wahre, und Schöne. Ostern, das wir in drei Wochen feiern befreit. In Verbindung mit dem Osterfest stehen zwei Sakramente. Da ist einerseits die heilige Eucharistie, die der Herr am Abend vor seinem Leiden eingesetzt hat. Wer dieses Brot wirklich aus ganzem Herzen zu sich nimmt, nicht bloß aus Gewohnheit, erfährt Befreiung. Und da ist anderseits das leider so verachtete und verschmähte Bußsakrament, das eigentlich das erste Geschenk des Auferstandenen ist. Der Auferstandenen haucht mit dem heiligen Geist an und sagt: „Empfangt den heiligen Geist, wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ Müssten wir nicht nachdenklich werden, wenn wir ein befreiendes Geschenk des Auferstandenen dermaßen auf die Seite schieben, wie es heute leider auch in unseren Pfarren geschieht.
Liebe Brüder und Schwestern!
Bedrängnis heute: Identitätskrise des Abendlandes, Krise des Christentums und der Kirche, Krise des Relativismus, Krise des Kapitalismus, Coronakrise mit vielen Verzweigungen, persönliche Krisen im Leben der Menschen. Wir können nur den Herrn bitten, dass er bei uns bleibt, uns begegnet und uns befreit. Bedrängnis, Begegnung und Befreiung sind die drei Pole, die uns zur Vorbereitung auf das Osterfest helfen können, und die uns Ostern wirklich erleben lassen. Wenn wir unser Leben im Zeitraffer immer wieder anschauen werden wir draufkommen, wieviel Wahrheit hier dahinter steckt. Amen.