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Pfarrgemeinde Gaspoltshofen
Pfarrgemeinde Gaspoltshofen
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Inhalt:

Zeugnisse des Glaubens durch die Jahrhunderte

 

Drei Kirchen prägen seit Jahrhunderten das religiöse und kulturelle Leben unserer Pfarrgemeinde Gaspoltshofen. Jede von ihnen erzählt ihre eigene Geschichte und birgt besondere Schätze, die es zu entdecken gilt.

Im Zentrum steht die Pfarrkirche zum hl. Laurentius, weithin bekannt als „Dom vom Landl“. Der imposante Barockbau beeindruckt nicht nur durch seine Größe und Architektur, sondern auch durch seine prächtige Ausstattung, die berühmte Fischerkanzel und zahlreiche kunsthistorisch wertvolle Werke.

Nur wenige Kilometer entfernt lädt die Filialkirche zum hl. Jakobus in Unteraffnang zu einer Reise in die Vergangenheit ein. Hier begegnen Besucher spätgotischen Figuren aus dem 15. Jahrhundert, jahrhundertealten Wandmalereien und einem Kirchlein, das seine besondere Atmosphäre bis heute bewahrt hat.

Die Filialkirche zur hl. Margarethe in Höft überrascht mit ihrem schlichten Äußeren und ihrem kostbaren Inneren. Wertvolle Altäre, historische Kunstwerke und liebevoll erhaltene Details machen sie zu einem besonderen Ort der Besinnung.

Tauchen Sie ein in die Geschichte unserer Kirchen und entdecken Sie die Menschen, die Kunst und den Glauben, die diese Gotteshäuser über Generationen geprägt haben.

Pfarr kirche

Pfarrkirche zum hl. Laurentius

in Gaspoltshofen

 

„Dom vom Landl“

(erbaut 1732­–1735; Patrozinium am 10. August)

Diözese Linz · Bezirk Grieskirchen, OÖ

 

 

GESCHICHTE

 

Ort und Pfarre

Der Ortsname Gaspoltshofen geht auf einen um 1100 erwähnten Hofbesitzer „Gozpold“ zurück. Die Gründung von „gozpoltshoven“ als Rodungs-Pfarrdorf des alten Traungaues ist für den Anfang des 12. Jahrhunderts anzunehmen. Die Erhebung zur Marktgemeinde erfolgte 1993.

Die Passauer Kirchenprovinz hatte bereits im 8. Jahrhundert die Christianisierung des Landstrichs begonnen. Vor der Pfarrgründung war die Seelsorge vom Erasmuskirchlein in Bachmanning aus erfolgt. Sie ist als grundherrliche Kapelle 927 genannt, unterstand aber dem Erzbistum Salzburg. Später muß man in Gaspoltshofen eine Kapelle annehmen, die zur Mutterpfarre Pichl bei Wels gehörte. Die Gründung als selbständige Mutterpfarre dürfte dann kurz nach 1100 erfolgt sein. Urkundlich werden um 1165 ein bereits verstorbener Pfarrer Timo und um 1204–1216 ein Dechant Heinrich für Gaspoltshofen genannt.

Die Herrschaft Wolfsegg bzw. Starhemberg (nach der Burg am Storchenberg bei Haag/H.) hatte urkundlich 1291 und dann bis 1850 die Patronanz (Vogtei, Schutzherrschaft) inne. Als Passauer Domherren-Vikariat unterstand Gaspoltshofen von 739 bis 1784 dem bischöflichen Stuhl in Passau und war dadurch in späterer Zeit eine reich dotierte Pfarre. Sie kam 1785 zur damals gegründeten Diözese Linz, wegen der bayerischen Besetzung ab 1810 aber zwischenzeitlich zur Erzdiözese Salzburg;  seit 1816 gehört die Pfarre wieder zur Diözese Linz.

 

 

BAUGESCHICHTE

 

Vorgängerbauten

Für das 12. Jahrhundert wird man eine romanische Kirche annehmen können, die nach dem Brand von 1325 gotisiert wurde; unter dem Presbyterium und außerhalb der nördlichen Kirchenmauer wurden Fundamente aus der Zeit vor 1500 ergraben. Weitere Änderungen erfolgten nach dem Ortsbrand von 1620 (z. B. frühbarocker Hochaltar). Die Bauplanungen von 1731 führten nach einem neuerlichen Brand von 1732 zum vermutlich nun völligen Neubau der Kirche.

 

Die heutige Kirche

Nach dem Ortsbrand von 1732 wurde das beeindruckende heutige Gotteshaus 1732–1735 unter Pfarrer Stephan Ignaz Sepp von Seppenburg neu erbaut. Die Weihe der Kirche mit sechs Altären erfolgte durch den Passauer Fürsterzbischof Kardinal Joseph Dominikus Graf von Lamberg am 3. September 1736. Die Kirche ist ein für die Gegend stattliches Bauwerk in großzügigen Proportionen im Stil des späten Hochbarock – daher auch als „Dom vom Landl“ bezeichnet. Die Pfarre umfaßte zur Bauzeit 4600 Seelen, heute sind es rund 2600, u. a. durch Gebietsabtretungen.

Das Gotteshaus ist das Hauptwerk des „Titularhofbaumeisters“ von Passau, Jakob Pawagner (Wien 1680–1743 Passau). Er baute u. a. die Pfarrkirchen Schärding, Hofkirchen/Tr., Kalham, Pram, Taufkirchen/Tr. und barockisierte die Stiftskirche Niederaltaich. Sein Vater gehörte zur Werkstätte der Architekten Anton Canevale und Johann Bernhard Fischer v. Erlach in Wien. Der lokalen Überlieferung nach wurde die tatsächliche Ausführung der Gaspoltshofener Kirche dem bedeutenden Linzer Barockbaumeister Johann Michael Prunner (1669–1739) übertragen.

Nach dem Ortsbrand von 1832 erfolgten restaurierende Veränderungen. Die spät­gotischen „Gaspoltshofener Tafeln“ Geißelung Christi, Ecce Homo und Kreuztragung, die beim Brand schwer bescädigt wurden, sind in den Jahren 1949–51 und 1985–87 restauriert worden. Von den 1830 noch erhaltenen vier Bildern des ehem. gotischen Schrein-Hochaltares im Stil der Donauschule wurde das 1522 datierte Bild beim Brand zerstört bzw. ist seither verschollen.

 

 

BAUBESCHREIBUNG

 

Außenbau

Der Baukörper wirkt im Äußeren kubisch und geschlossen. Die wesentliche Gliederung erfolgt nur durch eine großzügige Durchfensterung, die Ostapside und die integrierte, leicht verbreiterte Westfassade. Durch den „herauswachsend aufgesetzten“ Turm, dessen sichtbare Wände einwärts gebogen sind,  und das entsprechende gratige Wellenmotiv im unteren Hauptteil der Schauseite wird diese zusätzlich akzentuiert. Der 42 m hohe Turm ist von einer Zwiebel mit offener Laterne bekrönt. Die schlichte Außenfassade wird durch abgerundete Ecken an der Schauseite sowie durchgehend von einfachen Putzbändern, Fensterumrandungen und Lisenen gegliedert (Außenlänge: 42 m, Innen: Länge 35,5 m, Breite 12 m bzw. 8,5 m, Höhe 19 m).

An der Südseite ist ein gotisches Portalgewände aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts weiterverwendet. Sonstiges: Ölbergnische mit Figuren Christus mit dem Todesengel und drei Jünger (3. Drittel 19. Jh.); gemalte Darstellung des Gartens Gethsemane von Maler Duswald, 1876; zwei auf Putz gemalte Sonnenuhren von Erwin Eichinger aus Wien, 1926, mit Inschrift bzw. mit einem Bild der Hl. Familie (restauriert).

 

Innenraum

Das stattliche Langhaus besteht aus zwei Jochen mit Gewölben aus Flachhängekuppeln, zwischen denen über den Eingangstorbauten ein weiteres Bauglied mit Doppelpilastern und Gurtgewölbe eingespannt ist. Im ganzen Inneren herrscht eine Flachpilasterordnung mit teils vergoldeten ionischen Kapitellen und stark profilierten Gesimsen aus Stuck vor. Die weiß-rosa-gelbe Ausmalung wird an den Zwickeln und Laibungsfeldern durch gemalten Laub- und Bandelwerkdekor bereichert.

Der einjochige Chor wurde um 1790 durch einen mit vier Fenstern stark durchlichteten, halbelliptischen Abschluß erweitert. Die Deckenzonen sind im Stil des Spätbarock ganzflächig ausgemalt.

Im Westen des Langhauses befindet sich unter dem eingezogenen, gewölbten Vorbau für die Musikempore mit darüberliegendem Turmaufbau eine Eingangshalle, die sich im Süden zur querelliptischen Marienkapelle öffnet.

 

 

AUSSTATTUNG

 

Die Innenausstattung besorgten vornehmlich einheimische Künstler der Region (z. B. aus Wels und Lambach), aber auch aus Wien und Salzburg.

 

Hochaltar

Der jetzige Hochaltar wurde 1793/94 vom Dechant und apostolischen Protonotar Andreas Peter Lötsch (1783–1796) bestellt und 1797 von seinem Nachfolger Dechant Johann Baptist Hueber (1796–1811) übernommen. In seinen typischen Formen und Materialien des hier noch vom Barock beeinflußten Klassizismus, aber den „ganz modernen“ roten und grauen Farben ist der im strengen Portaltypus aufgebaute Altar ein Hauptwerk des Salzburger Steinmetzen Johann Anton Högler (1774– um 1850), der bis zum Tod seines Vaters Johann Nepomuk Högler (1797) zuerst noch unter dessen Leitung entstand. Inschrifttafel hinter dem Altar: „Erbaut 1797, sub. R[everendissimo] ac. D[octissi]mo D[omino] Joan[ne] B[aptista] Huber, Decano ac Parocho. von Joh[ann]. Ant[on] Högler, Steinm[etz]: Mei[ster]: v[on]: Salzburg. Alla direz[ion]e de Gio[vanni] Heb [wohl Nepomuk]“.

 

Das Altarbild stellt das Martyrium des hl. Laurentius, des Kirchenpatrons, dar (siehe Abb. auf der Umschlagrückseite). Der niederländische Maler Frans de Neve d. J. (gest. nach 1694; von ihm stammen Altarbilder im Salzburger und Passauer Dom, in Kremsmünster, Garsten u. a.) schuf es für den Vorgängeraltar, den man zur Zeit des Neubaus zunächst noch belassen hatte (Signatur: „Frans de Neve Pinx[it] 1689“). Seitwärts am Altar stehen zwei monumentale Skulpturen aus Holz mit typisch klassizistischer Ganzkörpervergoldung: Links der hl. Florian als römischer Feldherr mit Legions-Adlerfahne, Mühlstein und Adler (er war jedoch in Wirklichkeit verabschiedeter Kanzleivorstand des Statthalters von Ufernorikum, d. h. Oberösterreichs südlich der Donau), rechts der hl. Georg als römischer Feldherr mit Lorbeer-Kreuzfahne und Schwert.

Der Tabernakel aus Marmor, in Form eines Tempietto mit seitlichen Anbauten, entstand unter Pfarrer Theophilus Humer (1812–1818); das Standkreuz stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die Tabernakeltüre mit neogotischem Weinblattdekor aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Der durch die Liturgiereform der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts geschaffene Volksaltar war früher ein Wandtisch. Der Priestersitz (Sedile) mit geschnitzter Rücklehne (3. V. 18. Jh.) weist ein gesticktes Wappen des Bauherrn Pfarrer Sepp von Seppenburg auf.

 

Sonstige Einrichtung im Chor

Die Glasfenster aus dem 19. Jahrhundert wurden 1997 restauriert und neu montiert. Im Chor: Hl. Elisabeth von Ungarn, Landgräfin von Thüringen; hl. Aloisius v. Gonzaga; hl. Schutzengel Raphael mit dem Tobiasknaben; hl. Isidor. Über den Seitenportalen in Rundbogennischen: Herz Jesu mit Anbetenden und kniender Familie, bzw. Hl. Familie, bez. „Oberösterr. Glasmalerei Linz“.

Die acht stuckgerahmten Wandbilder zeigen Mariä Verkündigung, Geburt Christi, Darbringung im Tempel, Anbetung der Hll. Drei Könige, Hochzeit zu Kana, Verklärung Christi, Auferweckung des Lazarus sowie Auferstehung Christi (Öl auf Blech, sign. u. dat. „K. Pichler, 1862“). Die Wandverkleidung mit holzgeschnitzten Reliefs der Apostel und Propheten fertigte vermutlich Joseph Furthner (Zell/Pram 1890–1971) um 1912. Im Joch darüber die „Emporenöffnungen“ mit Balkonbrüstung (Ende 18. Jh.) und flammenden Vasen, darunter Engelkaryatide, südlich gemaltes Blumenfenster, nördlich eine gemalte Laurentiusdarstellung. Links im Presbyterium hängt ein Ölgemälde der Taufe Jesu (bez.: „Iber Mallen verbesert von Bernhard Schmidt [aus Gmunden] Anno 1769“). Moderne Bodenplatten mit Inschriften verweisen auf die Grablege von „Pfarrer Ignaz Stephan von Seppenburg 1743“ und „Pfarrer Martin Xaver Mayr 1779“ in der Kirche.

 

Seitenaltäre und Figuren in den Wandnischen

Die vier paarweise gleich gestalteten Seitenaltäre des Langhauses stammen aus der Erbauungszeit (vielleicht vom Lambacher Joachim Ertl). Die beiden vorderen sind mit Rundbögen und Sprenggiebel, Säulen und Pfeilern mit vergoldeten Kompositkapitellen und über Eck gestellten Aufsätzen im Aufbau relativ aufwendig gestaltet. Die hinteren Altäre sind einfacher gebaut. 1736/37 wurden sie vom Wiener Thomas Hagen in rot-grauem Stuckmarmor gefaßt. Die beiden hinteren Altäre besitzen „Predella“-Gemälde aus der Zeit zwischen 1780 und 1810 mit originalen Louis-seize-Rahmen aus Holz.

Die vier Altarbilder stammen von Johann Georg Morzer (geb. in Tilly, Bayern; gest. 1765 in Steyr), der damals in Gmunden lebte. Sie sind gemäß Wappen eine Stiftung von Pfarrer Sepp von Seppenburg. Die gefaßten und vergoldeten Altarfiguren aus Holz (wohl alle von Jgnaz Mahl, Wels) und die Aufsatzfiguren stammen von 1736/37. Die großen Nischenfiguren entstanden um 1730/40.

 

Rosenkranz-Altar (Nordseite, links vorne)

Gemälde: Rosenkranzspende Mariens mit dem Jesuskind an den hl. Dominikus (Attribut Hündchen) unter Beisein des hl. Franz von Assisi und der hl. Katharina von Siena. Figuren: links hl. Joachim mit Stab, rechts hl. Anna mit aufgeschlagenem Buch. Auf dem Tabernakel (3. V. 18.  Jh., aus der Pfarre Schleißheim, OÖ.) steht eine neogotische Maria-Immaculata-Statue.

Nischenfiguren: links hl. Dominikus mit Rosenkranz und Hund, rechts Apostel hl. Petrus mit Buch und Schlüssel.

 

Stephanus-Altar (Südseite, rechts vorne) 

Gemälde: Steinigung des hl. Stephanus. Der Heilige, wie der Kirchenpatron Laurentius als Erzmärtyrer verehrt, ist hier zeittypisch in prächtiger Rokoko-Dalmatika mit gold-rot-grünem Stoffmuster auf silbernem Grund dargestellt. In der Oberzone die Drei Göttlichen Personen und Putten (Joh. G. Morzer, 1735). Figuren: links Apostel hl. Johannes mit Kelch und Buch, rechts Apostel hl. Andreas mit Andreas-Kreuz und Buch (Ignaz Mahl, Wels 1736). Auf die heutige Verwendung als Altar des „III. Ordens des hl. Franz von Assisi“ verweist das Predella-Relief: Stigmatisation des hl. Franz v. Assisi sowie Christus in alles umgebender Wolkenmandorla und Putten, rechts sign. „J[oseph] Furthner“, um 1919/1920. Die Krippe stammt ebenfalls von Furthner (1929) und ist nur zur Weihnachtszeit aufgestellt.

Nischenfiguren: links hl. Paulus mit Schwert und Buch, rechts hl. Johannes von Nepomuk mit Sternenkranz und Kruzifix.

 

Barbara-Altar (Nordseite, links hinten)

Gemälde: Enthauptung der hl. Barbara, sign. „Joan[nes] Georg Morzer Invenit et pinx[it] 1737“. Figuren: links hl. Cäcilie mit Orgelpositiv, rechts hl. Katharina mit gebrochenem Rad, jeweils mit Märtyrerpalmen.  „Predella“-Gemälde: Ungläubiger Thomas (Jesus erscheint den Jüngern). Nischenfiguren: links hl. Bischof Ulrich, rechts hl. Josef.

 

Johannes-der-Täufer-Altar (Südseite, rechts hinten)

Gemälde: Enthauptung des hl. Johannes d. T. und Überreichung des Hauptes durch Herodias (Joh. G. Morzer, 1737). Figuren: Die Eltern des hl. Johannes d. T., links hl. Zacharias mit Buch, rechts hl. Elisabeth mit Schriftrolle. „Predella“-Gemälde: Anbetung der Hll. Drei Könige. Aufsatz mit figuraler Darstellung des Letzten Abendmahls, ländliche Schnitzarbeit (19. Jh.?). Nischenfiguren: links hl. Michael mit Flammenschwert und Schild, rechts hl. Wolfgang mit Kirchenmodell, Beil und Bischofstab.

 

Deckenmalerei

Die größtenteils erst im 19. Jahrhundert entstandene bzw. weitgehend stark „restaurierte“ Deckenmalerei tritt in ihrer künstlerischen Bedeutung hinter der Einrichtung zurück, prägt aber das heutige Erscheinungsbild des Innenraumes deutlich mit. Die Darstellungen im einzelnen: Presbyterium: über dem Altar Hl. Dreifaltigkeit mit Engeln, im nächsten Joch hl. Laurentius zeigt dem römischen Statthalter die Armen, „die wahren Schätze der christlichen Religion“, in figurenreicher Darstellung vor römischer Sakralarchitektur; beide Bilder stammen von Andreas Strickner, Urfahr, 1898. Langhaus: Die Malerei an den Gurtbändern und in den Zwickeln stammt ursprünglich aus dem 18. Jahrhundert, wurde jedoch im 19./20. Jahrhundert übermalend „restauriert“. Im östlichen Joch Himmelfahrt Mariens und die vier Evangelisten in Medaillons, im Gurtbogen Puttengloriole um Marien-Monogramm; im westlichen Joch die drei göttlichen Tugenden Glaube (Kreuz und Kelch), Liebe (hier: Mutter mit Kindern) und Hoffnung (Anker) bzw. die vier abendländischen Kirchenlehrer hl. Gregor mit Tiara und Taube des Hl. Geistes, hl. Augustinus mit Putto und Buch, hl. Ambrosius mit Bienenkorb sowie hl. Hieronymus mit Löwe in Medaillons.

Unter der Empore: König David als Sänger mit Harfe; Christus vertreibt die Händler aus dem Tempel.

Inschriften am Fronbogen: „Erbaut von Sepp v. Seppenburg 1735. Renoviert 1832, 1863, 1912, 1978 [Hinweis auf Kirchenrestaurierungen]. Kommet Alle die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken In CarnatI eX MarIa VIrgIne VerbI DeI IesV ChrIstI“  (als Chronogramm, 1735).

 

Kanzel

Die prächtige Rokokokanzel ist eine sogenannte „Fischerkanzel“ in Form des Schiffes Petri, mit Rückwand, reich gegliedertem Schalldeckel und qualitätvollem Figurenschmuck. Sie wurde unter Pfarrer Mayr (1750–1779) angeschafft und ist ein Werk des Lambacher Bildhauers Joachim Ertl aus dem Jahr 1770, unter Einfluß seines Schwiegervaters Franz X. Leithner (Fischerkanzel Fischlham). Der Körper aus Nußholz ist schwarz gefaßt, der figurale und ornamentale Schmuck versilbert und vergoldet. Den Schalldeckel bekrönt die Figur des hl. Martin, drei Putti halten seine Attribute Gans, Bischofstab und Mitra. Den Kanzelkorb zieren ein Relief (Jona schwimmt im Meer, darüber in einer Kartusche Jona schlafend), ferner zwei Putti, die Ruder halten, sowie zwei Apostel mit einem Fischernetz. Ähnliche Kanzeln finden sich auch in Traunkirchen/OÖ, Fischlham/OÖ und Tautendorf/NÖ.

 

Grabsteine

Am Fronbogen und im Presbyterium befinden sich die Grabsteine verschiedener Gaspoltshofener Pfarrer: 1) rechts, der Kanzel gegenüber: Stephan Ignaz Sepp von Seppenburg (geb. Schloß Salegg b. Kaltern 1670, gest. 1748 in Gaspoltshofen, Pfarrer 1704–1743, als Bauherr in der Kirchengruft begraben). Sein Grabstein (s. Abb. S. 3) im barock-klassizistischen Übergangsstil besteht aus Marmor, im Portal- bzw. Bilderrahmentypus mit figuraler Dekoration (Putten und vergoldetes Wappen). Weiter im Presbyterium: 2) Caspar Mos (Moß), gest. 1667, Pfarrer 1636–1667. Weißer Marmor, Relief des Betenden mit Kruzifix und Inschrifttafel. 3) Dr. theol. Johann Karl Geyer, gest. 1748, Pfarrer 1743–1748. Lateinische Inschrift und figurale Darstellung von Kelch, Sanduhr, Meßbuch und Wappen. 4) Dr. theol. Wolfgang Purgleutner, gest. 1636, Pfarrer 1608–1636. Frühbarocker Marmorstein mit Inschriftkartusche und drei Puttenköpfen. 5) Martin Xaver Mayr, gest. 1779, Pfarrer 1750–1779, errichtete die Fischerkanzel. Ausdrucks­starker Grabstein aus weißem Marmor im Mischstil Rokoko/Klassizismus mit Meßbuch, Kelch, Totenkopf, Fledermaus, Lorbeerband und Wappen.

 

Sonstige Einrichtung

Das früher am Fronbogen hängende spätgotische Kruzifix (um 1520/30) befindet sich heute im ehem. Aufbahrungsraum. Links unter der Kanzel steht der jetzige Taufstein mit der Figur des hl. Johannes des Täufers auf dem Deckel (Ende 18. Jh; gotischer Taufstein in der Marienkapelle). Am Fronbogen hängt, der Kanzel gegenüber, ein Gemälde des Kreuztragenden Christus aus der Zeit um 1790/1810, in zeitgleichem klassizistischem Rahmen. Die 14 Kreuzwegstationsbilder in neubarocken Rahmen stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Kreuzwegandacht existiert in Gaspoltshofen seit 1749. Das Kirchengestühl (Wangen mit applizierten Akanthusreliefs) fertigte vermutlich Joseph Furthner um 1927. Von ihm stammen auch die ornamentalen Türfüllungen bzw. die Reliefs „Büßende hl. Maria Magdalena“ und „Reumütiger Sohn“ an den beiden Beichtstühlen (um 1920/40).                        

Die Brüstung der Orgelempore zieren vier Bilder spielender Putten, einfärbig „en camaieu“ gemalt. Die neue Orgel von 1995 stammt von der Firma Reinisch-Pirchner, Steinach am Brenner. Unter der Orgelempore hängen Bilder des Erzengels Raphael mit dem Tobiasknaben (3. Viertel 17. Jh., 1761 renoviert), der hl. Theresia v. Avila und des hl. Johannes Evangelist (Mitte 19. Jh.); ferner eine Figur des hl. Sebastian (1. Drittel 18. Jh.).

Die Sakreistei besitzt eine erstaunlich großzügige Ausstattung mit eingebauten, intarsierten Schränken aus dem 18. Jahrhundert. Generalsanierung im Jahr 2000.

 

Marienkapelle

Die aus der Zeit um 1735 stammende Marienkapelle, die man rechts unter der Orgelempore betritt, ist ein querovaler Raum mit vier stuckierten Doppelpilastern, Gesims und Kuppel mit Feldern sowie Band- und Gitterwerk. Der Marienaltar aus dem späten 18. Jahrhundert zeigt im Aufsatzbild den hl. Antonius von Padua. Gegenüber an der Wand ein Gemälde des hl. Aloisius aus dem 18. Jh. Zur weiteren Einrichtung gehören der gotische Taufstein (15. Jh.) und ein färbiges Glasfenster mit der hl. Elisabeth von Ungarn, Landgräfin von Thüringen (1207–1231); Glasmalerei Raukamp, Linz, bez. 1931.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kirchenführer Nr. 354, 1. Auflage 2000, Verlag St. Peter, Salzburg


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Pfarrhofweg 4
4673 Gaspoltshofen
Telefon: 07735/6862
Mobil: 0676/8776-5091
pfarre.gaspoltshofen@dioezese-linz.at
www.dioezese-linz.at/gaspoltshofen

 

Öffnungszeiten

 

Pfarrkanzlei-Gaspoltshofen

Montag  9:00 bis 12:00 Uhr

Mittwoch  9:00 bis 11:00 Uhr

Freitag 16:00 bis 18:00 Uhr

Nur zu Dienstzeiten anrufen.

 

Bei dringenden seelsorgerischen Anliegen

wenden Sie sich an

Kurat Paul Mutebi

unter 0676/8776 6373

 

 Pfarre Lambach-Haag

Donnerstag 15:00 bis 19:00 Uhr

und nach telefonischer Vereinbarung

 

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