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Pfarrgemeinde Gaspoltshofen
Pfarrgemeinde Gaspoltshofen
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Inhalt:

Zeugnisse des Glaubens durch die Jahrhunderte

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    Kirchen

    Drei Kirchen prägen seit Jahrhunderten das religiöse und kulturelle Leben unserer Pfarrgemeinde Gaspoltshofen. Jede von ihnen erzählt ihre eigene Geschichte und bewahrt besondere Schätze.

    Im Zentrum steht die Pfarrkirche zum hl. Laurentius, der weithin bekannte „Dom vom Landl“. Der beeindruckende Barockbau begeistert mit seiner prächtigen Ausstattung, der berühmten Fischerkanzel und zahlreichen kunsthistorischen Kostbarkeiten.

    Die Filialkirche zum hl. Jakobus in Unteraffnang lädt mit spätgotischen Figuren, historischen Wandmalereien und ihrer besonderen Atmosphäre zu einer Reise in die Vergangenheit ein.

    Die Filialkirche zur hl. Margarethe in Höft birgt hinter ihrem schlichten Äußeren wertvolle Altäre, bedeutende Kunstwerke und viele liebevoll erhaltene Details.

    Entdecken Sie die Geschichte, die Kunst und den Glauben, die diese Gotteshäuser bis heute prägen.

    Pfarrkirche Gaspoltshofen
    Pfarr kirche

    Pfarrkirche zum hl. Laurentius

    in Gaspoltshofen

     

    „Dom vom Landl“

    (erbaut 1732­–1735; Patrozinium am 10. August)

    Diözese Linz · Bezirk Grieskirchen, OÖ

     

     

    GESCHICHTE

     

    Ort und Pfarre

    Der Ortsname Gaspoltshofen geht auf einen um 1100 erwähnten Hofbesitzer „Gozpold“ zurück. Die Gründung von „gozpoltshoven“ als Rodungs-Pfarrdorf des alten Traungaues ist für den Anfang des 12. Jahrhunderts anzunehmen. Die Erhebung zur Marktgemeinde erfolgte 1993.

    Die Passauer Kirchenprovinz hatte bereits im 8. Jahrhundert die Christianisierung des Landstrichs begonnen. Vor der Pfarrgründung war die Seelsorge vom Erasmuskirchlein in Bachmanning aus erfolgt. Sie ist als grundherrliche Kapelle 927 genannt, unterstand aber dem Erzbistum Salzburg. Später muß man in Gaspoltshofen eine Kapelle annehmen, die zur Mutterpfarre Pichl bei Wels gehörte. Die Gründung als selbständige Mutterpfarre dürfte dann kurz nach 1100 erfolgt sein. Urkundlich werden um 1165 ein bereits verstorbener Pfarrer Timo und um 1204–1216 ein Dechant Heinrich für Gaspoltshofen genannt.

    Die Herrschaft Wolfsegg bzw. Starhemberg (nach der Burg am Storchenberg bei Haag/H.) hatte urkundlich 1291 und dann bis 1850 die Patronanz (Vogtei, Schutzherrschaft) inne. Als Passauer Domherren-Vikariat unterstand Gaspoltshofen von 739 bis 1784 dem bischöflichen Stuhl in Passau und war dadurch in späterer Zeit eine reich dotierte Pfarre. Sie kam 1785 zur damals gegründeten Diözese Linz, wegen der bayerischen Besetzung ab 1810 aber zwischenzeitlich zur Erzdiözese Salzburg;  seit 1816 gehört die Pfarre wieder zur Diözese Linz.

     

     

    BAUGESCHICHTE

     

    Vorgängerbauten

    Für das 12. Jahrhundert wird man eine romanische Kirche annehmen können, die nach dem Brand von 1325 gotisiert wurde; unter dem Presbyterium und außerhalb der nördlichen Kirchenmauer wurden Fundamente aus der Zeit vor 1500 ergraben. Weitere Änderungen erfolgten nach dem Ortsbrand von 1620 (z. B. frühbarocker Hochaltar). Die Bauplanungen von 1731 führten nach einem neuerlichen Brand von 1732 zum vermutlich nun völligen Neubau der Kirche.

     

    Die heutige Kirche

    Nach dem Ortsbrand von 1732 wurde das beeindruckende heutige Gotteshaus 1732–1735 unter Pfarrer Stephan Ignaz Sepp von Seppenburg neu erbaut. Die Weihe der Kirche mit sechs Altären erfolgte durch den Passauer Fürsterzbischof Kardinal Joseph Dominikus Graf von Lamberg am 3. September 1736. Die Kirche ist ein für die Gegend stattliches Bauwerk in großzügigen Proportionen im Stil des späten Hochbarock – daher auch als „Dom vom Landl“ bezeichnet. Die Pfarre umfaßte zur Bauzeit 4600 Seelen, heute sind es rund 2600, u. a. durch Gebietsabtretungen.

    Das Gotteshaus ist das Hauptwerk des „Titularhofbaumeisters“ von Passau, Jakob Pawagner (Wien 1680–1743 Passau). Er baute u. a. die Pfarrkirchen Schärding, Hofkirchen/Tr., Kalham, Pram, Taufkirchen/Tr. und barockisierte die Stiftskirche Niederaltaich. Sein Vater gehörte zur Werkstätte der Architekten Anton Canevale und Johann Bernhard Fischer v. Erlach in Wien. Der lokalen Überlieferung nach wurde die tatsächliche Ausführung der Gaspoltshofener Kirche dem bedeutenden Linzer Barockbaumeister Johann Michael Prunner (1669–1739) übertragen.

    Nach dem Ortsbrand von 1832 erfolgten restaurierende Veränderungen. Die spät­gotischen „Gaspoltshofener Tafeln“ Geißelung Christi, Ecce Homo und Kreuztragung, die beim Brand schwer bescädigt wurden, sind in den Jahren 1949–51 und 1985–87 restauriert worden. Von den 1830 noch erhaltenen vier Bildern des ehem. gotischen Schrein-Hochaltares im Stil der Donauschule wurde das 1522 datierte Bild beim Brand zerstört bzw. ist seither verschollen.

     

     

    BAUBESCHREIBUNG

     

    Außenbau

    Der Baukörper wirkt im Äußeren kubisch und geschlossen. Die wesentliche Gliederung erfolgt nur durch eine großzügige Durchfensterung, die Ostapside und die integrierte, leicht verbreiterte Westfassade. Durch den „herauswachsend aufgesetzten“ Turm, dessen sichtbare Wände einwärts gebogen sind,  und das entsprechende gratige Wellenmotiv im unteren Hauptteil der Schauseite wird diese zusätzlich akzentuiert. Der 42 m hohe Turm ist von einer Zwiebel mit offener Laterne bekrönt. Die schlichte Außenfassade wird durch abgerundete Ecken an der Schauseite sowie durchgehend von einfachen Putzbändern, Fensterumrandungen und Lisenen gegliedert (Außenlänge: 42 m, Innen: Länge 35,5 m, Breite 12 m bzw. 8,5 m, Höhe 19 m).

    An der Südseite ist ein gotisches Portalgewände aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts weiterverwendet. Sonstiges: Ölbergnische mit Figuren Christus mit dem Todesengel und drei Jünger (3. Drittel 19. Jh.); gemalte Darstellung des Gartens Gethsemane von Maler Duswald, 1876; zwei auf Putz gemalte Sonnenuhren von Erwin Eichinger aus Wien, 1926, mit Inschrift bzw. mit einem Bild der Hl. Familie (restauriert).

     

    Innenraum

    Das stattliche Langhaus besteht aus zwei Jochen mit Gewölben aus Flachhängekuppeln, zwischen denen über den Eingangstorbauten ein weiteres Bauglied mit Doppelpilastern und Gurtgewölbe eingespannt ist. Im ganzen Inneren herrscht eine Flachpilasterordnung mit teils vergoldeten ionischen Kapitellen und stark profilierten Gesimsen aus Stuck vor. Die weiß-rosa-gelbe Ausmalung wird an den Zwickeln und Laibungsfeldern durch gemalten Laub- und Bandelwerkdekor bereichert.

    Der einjochige Chor wurde um 1790 durch einen mit vier Fenstern stark durchlichteten, halbelliptischen Abschluß erweitert. Die Deckenzonen sind im Stil des Spätbarock ganzflächig ausgemalt.

    Im Westen des Langhauses befindet sich unter dem eingezogenen, gewölbten Vorbau für die Musikempore mit darüberliegendem Turmaufbau eine Eingangshalle, die sich im Süden zur querelliptischen Marienkapelle öffnet.

     

     

    AUSSTATTUNG

     

    Die Innenausstattung besorgten vornehmlich einheimische Künstler der Region (z. B. aus Wels und Lambach), aber auch aus Wien und Salzburg.

     

    Hochaltar

    Der jetzige Hochaltar wurde 1793/94 vom Dechant und apostolischen Protonotar Andreas Peter Lötsch (1783–1796) bestellt und 1797 von seinem Nachfolger Dechant Johann Baptist Hueber (1796–1811) übernommen. In seinen typischen Formen und Materialien des hier noch vom Barock beeinflußten Klassizismus, aber den „ganz modernen“ roten und grauen Farben ist der im strengen Portaltypus aufgebaute Altar ein Hauptwerk des Salzburger Steinmetzen Johann Anton Högler (1774– um 1850), der bis zum Tod seines Vaters Johann Nepomuk Högler (1797) zuerst noch unter dessen Leitung entstand. Inschrifttafel hinter dem Altar: „Erbaut 1797, sub. R[everendissimo] ac. D[octissi]mo D[omino] Joan[ne] B[aptista] Huber, Decano ac Parocho. von Joh[ann]. Ant[on] Högler, Steinm[etz]: Mei[ster]: v[on]: Salzburg. Alla direz[ion]e de Gio[vanni] Heb [wohl Nepomuk]“.

     

    Das Altarbild stellt das Martyrium des hl. Laurentius, des Kirchenpatrons, dar (siehe Abb. auf der Umschlagrückseite). Der niederländische Maler Frans de Neve d. J. (gest. nach 1694; von ihm stammen Altarbilder im Salzburger und Passauer Dom, in Kremsmünster, Garsten u. a.) schuf es für den Vorgängeraltar, den man zur Zeit des Neubaus zunächst noch belassen hatte (Signatur: „Frans de Neve Pinx[it] 1689“). Seitwärts am Altar stehen zwei monumentale Skulpturen aus Holz mit typisch klassizistischer Ganzkörpervergoldung: Links der hl. Florian als römischer Feldherr mit Legions-Adlerfahne, Mühlstein und Adler (er war jedoch in Wirklichkeit verabschiedeter Kanzleivorstand des Statthalters von Ufernorikum, d. h. Oberösterreichs südlich der Donau), rechts der hl. Georg als römischer Feldherr mit Lorbeer-Kreuzfahne und Schwert.

    Der Tabernakel aus Marmor, in Form eines Tempietto mit seitlichen Anbauten, entstand unter Pfarrer Theophilus Humer (1812–1818); das Standkreuz stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die Tabernakeltüre mit neogotischem Weinblattdekor aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

    Der durch die Liturgiereform der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts geschaffene Volksaltar war früher ein Wandtisch. Der Priestersitz (Sedile) mit geschnitzter Rücklehne (3. V. 18. Jh.) weist ein gesticktes Wappen des Bauherrn Pfarrer Sepp von Seppenburg auf.

     

    Sonstige Einrichtung im Chor

    Die Glasfenster aus dem 19. Jahrhundert wurden 1997 restauriert und neu montiert. Im Chor: Hl. Elisabeth von Ungarn, Landgräfin von Thüringen; hl. Aloisius v. Gonzaga; hl. Schutzengel Raphael mit dem Tobiasknaben; hl. Isidor. Über den Seitenportalen in Rundbogennischen: Herz Jesu mit Anbetenden und kniender Familie, bzw. Hl. Familie, bez. „Oberösterr. Glasmalerei Linz“.

    Die acht stuckgerahmten Wandbilder zeigen Mariä Verkündigung, Geburt Christi, Darbringung im Tempel, Anbetung der Hll. Drei Könige, Hochzeit zu Kana, Verklärung Christi, Auferweckung des Lazarus sowie Auferstehung Christi (Öl auf Blech, sign. u. dat. „K. Pichler, 1862“). Die Wandverkleidung mit holzgeschnitzten Reliefs der Apostel und Propheten fertigte vermutlich Joseph Furthner (Zell/Pram 1890–1971) um 1912. Im Joch darüber die „Emporenöffnungen“ mit Balkonbrüstung (Ende 18. Jh.) und flammenden Vasen, darunter Engelkaryatide, südlich gemaltes Blumenfenster, nördlich eine gemalte Laurentiusdarstellung. Links im Presbyterium hängt ein Ölgemälde der Taufe Jesu (bez.: „Iber Mallen verbesert von Bernhard Schmidt [aus Gmunden] Anno 1769“). Moderne Bodenplatten mit Inschriften verweisen auf die Grablege von „Pfarrer Ignaz Stephan von Seppenburg 1743“ und „Pfarrer Martin Xaver Mayr 1779“ in der Kirche.

     

    Seitenaltäre und Figuren in den Wandnischen

    Die vier paarweise gleich gestalteten Seitenaltäre des Langhauses stammen aus der Erbauungszeit (vielleicht vom Lambacher Joachim Ertl). Die beiden vorderen sind mit Rundbögen und Sprenggiebel, Säulen und Pfeilern mit vergoldeten Kompositkapitellen und über Eck gestellten Aufsätzen im Aufbau relativ aufwendig gestaltet. Die hinteren Altäre sind einfacher gebaut. 1736/37 wurden sie vom Wiener Thomas Hagen in rot-grauem Stuckmarmor gefaßt. Die beiden hinteren Altäre besitzen „Predella“-Gemälde aus der Zeit zwischen 1780 und 1810 mit originalen Louis-seize-Rahmen aus Holz.

    Die vier Altarbilder stammen von Johann Georg Morzer (geb. in Tilly, Bayern; gest. 1765 in Steyr), der damals in Gmunden lebte. Sie sind gemäß Wappen eine Stiftung von Pfarrer Sepp von Seppenburg. Die gefaßten und vergoldeten Altarfiguren aus Holz (wohl alle von Jgnaz Mahl, Wels) und die Aufsatzfiguren stammen von 1736/37. Die großen Nischenfiguren entstanden um 1730/40.

     

    Rosenkranz-Altar (Nordseite, links vorne)

    Gemälde: Rosenkranzspende Mariens mit dem Jesuskind an den hl. Dominikus (Attribut Hündchen) unter Beisein des hl. Franz von Assisi und der hl. Katharina von Siena. Figuren: links hl. Joachim mit Stab, rechts hl. Anna mit aufgeschlagenem Buch. Auf dem Tabernakel (3. V. 18.  Jh., aus der Pfarre Schleißheim, OÖ.) steht eine neogotische Maria-Immaculata-Statue.

    Nischenfiguren: links hl. Dominikus mit Rosenkranz und Hund, rechts Apostel hl. Petrus mit Buch und Schlüssel.

     

    Stephanus-Altar (Südseite, rechts vorne) 

    Gemälde: Steinigung des hl. Stephanus. Der Heilige, wie der Kirchenpatron Laurentius als Erzmärtyrer verehrt, ist hier zeittypisch in prächtiger Rokoko-Dalmatika mit gold-rot-grünem Stoffmuster auf silbernem Grund dargestellt. In der Oberzone die Drei Göttlichen Personen und Putten (Joh. G. Morzer, 1735). Figuren: links Apostel hl. Johannes mit Kelch und Buch, rechts Apostel hl. Andreas mit Andreas-Kreuz und Buch (Ignaz Mahl, Wels 1736). Auf die heutige Verwendung als Altar des „III. Ordens des hl. Franz von Assisi“ verweist das Predella-Relief: Stigmatisation des hl. Franz v. Assisi sowie Christus in alles umgebender Wolkenmandorla und Putten, rechts sign. „J[oseph] Furthner“, um 1919/1920. Die Krippe stammt ebenfalls von Furthner (1929) und ist nur zur Weihnachtszeit aufgestellt.

    Nischenfiguren: links hl. Paulus mit Schwert und Buch, rechts hl. Johannes von Nepomuk mit Sternenkranz und Kruzifix.

     

    Barbara-Altar (Nordseite, links hinten)

    Gemälde: Enthauptung der hl. Barbara, sign. „Joan[nes] Georg Morzer Invenit et pinx[it] 1737“. Figuren: links hl. Cäcilie mit Orgelpositiv, rechts hl. Katharina mit gebrochenem Rad, jeweils mit Märtyrerpalmen.  „Predella“-Gemälde: Ungläubiger Thomas (Jesus erscheint den Jüngern). Nischenfiguren: links hl. Bischof Ulrich, rechts hl. Josef.

     

    Johannes-der-Täufer-Altar (Südseite, rechts hinten)

    Gemälde: Enthauptung des hl. Johannes d. T. und Überreichung des Hauptes durch Herodias (Joh. G. Morzer, 1737). Figuren: Die Eltern des hl. Johannes d. T., links hl. Zacharias mit Buch, rechts hl. Elisabeth mit Schriftrolle. „Predella“-Gemälde: Anbetung der Hll. Drei Könige. Aufsatz mit figuraler Darstellung des Letzten Abendmahls, ländliche Schnitzarbeit (19. Jh.?). Nischenfiguren: links hl. Michael mit Flammenschwert und Schild, rechts hl. Wolfgang mit Kirchenmodell, Beil und Bischofstab.

     

    Deckenmalerei

    Die größtenteils erst im 19. Jahrhundert entstandene bzw. weitgehend stark „restaurierte“ Deckenmalerei tritt in ihrer künstlerischen Bedeutung hinter der Einrichtung zurück, prägt aber das heutige Erscheinungsbild des Innenraumes deutlich mit. Die Darstellungen im einzelnen: Presbyterium: über dem Altar Hl. Dreifaltigkeit mit Engeln, im nächsten Joch hl. Laurentius zeigt dem römischen Statthalter die Armen, „die wahren Schätze der christlichen Religion“, in figurenreicher Darstellung vor römischer Sakralarchitektur; beide Bilder stammen von Andreas Strickner, Urfahr, 1898. Langhaus: Die Malerei an den Gurtbändern und in den Zwickeln stammt ursprünglich aus dem 18. Jahrhundert, wurde jedoch im 19./20. Jahrhundert übermalend „restauriert“. Im östlichen Joch Himmelfahrt Mariens und die vier Evangelisten in Medaillons, im Gurtbogen Puttengloriole um Marien-Monogramm; im westlichen Joch die drei göttlichen Tugenden Glaube (Kreuz und Kelch), Liebe (hier: Mutter mit Kindern) und Hoffnung (Anker) bzw. die vier abendländischen Kirchenlehrer hl. Gregor mit Tiara und Taube des Hl. Geistes, hl. Augustinus mit Putto und Buch, hl. Ambrosius mit Bienenkorb sowie hl. Hieronymus mit Löwe in Medaillons.

    Unter der Empore: König David als Sänger mit Harfe; Christus vertreibt die Händler aus dem Tempel.

    Inschriften am Fronbogen: „Erbaut von Sepp v. Seppenburg 1735. Renoviert 1832, 1863, 1912, 1978 [Hinweis auf Kirchenrestaurierungen]. Kommet Alle die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken In CarnatI eX MarIa VIrgIne VerbI DeI IesV ChrIstI“  (als Chronogramm, 1735).

     

    Kanzel

    Die prächtige Rokokokanzel ist eine sogenannte „Fischerkanzel“ in Form des Schiffes Petri, mit Rückwand, reich gegliedertem Schalldeckel und qualitätvollem Figurenschmuck. Sie wurde unter Pfarrer Mayr (1750–1779) angeschafft und ist ein Werk des Lambacher Bildhauers Joachim Ertl aus dem Jahr 1770, unter Einfluß seines Schwiegervaters Franz X. Leithner (Fischerkanzel Fischlham). Der Körper aus Nußholz ist schwarz gefaßt, der figurale und ornamentale Schmuck versilbert und vergoldet. Den Schalldeckel bekrönt die Figur des hl. Martin, drei Putti halten seine Attribute Gans, Bischofstab und Mitra. Den Kanzelkorb zieren ein Relief (Jona schwimmt im Meer, darüber in einer Kartusche Jona schlafend), ferner zwei Putti, die Ruder halten, sowie zwei Apostel mit einem Fischernetz. Ähnliche Kanzeln finden sich auch in Traunkirchen/OÖ, Fischlham/OÖ und Tautendorf/NÖ.

     

    Grabsteine

    Am Fronbogen und im Presbyterium befinden sich die Grabsteine verschiedener Gaspoltshofener Pfarrer: 1) rechts, der Kanzel gegenüber: Stephan Ignaz Sepp von Seppenburg (geb. Schloß Salegg b. Kaltern 1670, gest. 1748 in Gaspoltshofen, Pfarrer 1704–1743, als Bauherr in der Kirchengruft begraben). Sein Grabstein (s. Abb. S. 3) im barock-klassizistischen Übergangsstil besteht aus Marmor, im Portal- bzw. Bilderrahmentypus mit figuraler Dekoration (Putten und vergoldetes Wappen). Weiter im Presbyterium: 2) Caspar Mos (Moß), gest. 1667, Pfarrer 1636–1667. Weißer Marmor, Relief des Betenden mit Kruzifix und Inschrifttafel. 3) Dr. theol. Johann Karl Geyer, gest. 1748, Pfarrer 1743–1748. Lateinische Inschrift und figurale Darstellung von Kelch, Sanduhr, Meßbuch und Wappen. 4) Dr. theol. Wolfgang Purgleutner, gest. 1636, Pfarrer 1608–1636. Frühbarocker Marmorstein mit Inschriftkartusche und drei Puttenköpfen. 5) Martin Xaver Mayr, gest. 1779, Pfarrer 1750–1779, errichtete die Fischerkanzel. Ausdrucks­starker Grabstein aus weißem Marmor im Mischstil Rokoko/Klassizismus mit Meßbuch, Kelch, Totenkopf, Fledermaus, Lorbeerband und Wappen.

     

    Sonstige Einrichtung

    Das früher am Fronbogen hängende spätgotische Kruzifix (um 1520/30) befindet sich heute im ehem. Aufbahrungsraum. Links unter der Kanzel steht der jetzige Taufstein mit der Figur des hl. Johannes des Täufers auf dem Deckel (Ende 18. Jh; gotischer Taufstein in der Marienkapelle). Am Fronbogen hängt, der Kanzel gegenüber, ein Gemälde des Kreuztragenden Christus aus der Zeit um 1790/1810, in zeitgleichem klassizistischem Rahmen. Die 14 Kreuzwegstationsbilder in neubarocken Rahmen stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Kreuzwegandacht existiert in Gaspoltshofen seit 1749. Das Kirchengestühl (Wangen mit applizierten Akanthusreliefs) fertigte vermutlich Joseph Furthner um 1927. Von ihm stammen auch die ornamentalen Türfüllungen bzw. die Reliefs „Büßende hl. Maria Magdalena“ und „Reumütiger Sohn“ an den beiden Beichtstühlen (um 1920/40).                        

    Die Brüstung der Orgelempore zieren vier Bilder spielender Putten, einfärbig „en camaieu“ gemalt. Die neue Orgel von 1995 stammt von der Firma Reinisch-Pirchner, Steinach am Brenner. Unter der Orgelempore hängen Bilder des Erzengels Raphael mit dem Tobiasknaben (3. Viertel 17. Jh., 1761 renoviert), der hl. Theresia v. Avila und des hl. Johannes Evangelist (Mitte 19. Jh.); ferner eine Figur des hl. Sebastian (1. Drittel 18. Jh.).

    Die Sakreistei besitzt eine erstaunlich großzügige Ausstattung mit eingebauten, intarsierten Schränken aus dem 18. Jahrhundert. Generalsanierung im Jahr 2000.

     

    Marienkapelle

    Die aus der Zeit um 1735 stammende Marienkapelle, die man rechts unter der Orgelempore betritt, ist ein querovaler Raum mit vier stuckierten Doppelpilastern, Gesims und Kuppel mit Feldern sowie Band- und Gitterwerk. Der Marienaltar aus dem späten 18. Jahrhundert zeigt im Aufsatzbild den hl. Antonius von Padua. Gegenüber an der Wand ein Gemälde des hl. Aloisius aus dem 18. Jh. Zur weiteren Einrichtung gehören der gotische Taufstein (15. Jh.) und ein färbiges Glasfenster mit der hl. Elisabeth von Ungarn, Landgräfin von Thüringen (1207–1231); Glasmalerei Raukamp, Linz, bez. 1931.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Kirchenführer Nr. 354, 1. Auflage 2000, Verlag St. Peter, Salzburg

    Filialkirche Affnang
    Affn ang

    Filialkirche zum hl. Jakobus d. Ä. in Unteraffnang

    (Patrozinium am 25. Juli)

     

    Geschichte

    In etwa zwei Kilometer Entfernung von Gaspoltshofen an der Straße Lambach – Haag wurde am Platz eines verschwundenen mittelalterlichen Edelsitzes der Herren von Affnang, vermutlich Ministerialen des Freisinger Bischofsitzes, das Jakobuskirchlein errichtet. Der erste bekannte Affnanger war ein 1140 genannter „Chunrad“. Die Familie ist im 13. Jahrhundert ausgestorben, Erben waren die Steinbacher-Starhemberger mit ihrem Sitz in Haag. Bei der heutigen Kirche gilt als baulicher Nachweis eine im 15. Jahrhundert (seither Filialkirche) durch die Pfarre Gaspoltshofen erfolgte Vergrößerung des Presbyteriums unter Pfarrer Sigismund Schwertmann (1488–1497) oder Sigismund Mühltaler (bis 1506). Aus dieser Zeit stammen das 1929 freigelegte westseitige Portalgewände aus Sandstein sowie die erhalten gebliebenen gotischen Skulpturen aus dem Vorgängerbau. Ein spitzes Türmchen existierte bis ins 18. Jahrhundert.

    Die nächste Bau- bzw. Ausstattungsperiode folgte unter Dechant Caspar Mos (Pfarrer 1636 bis 1667) bzw. seinen Nachfolgern: die Erweiterung des Kirchenschiffs, ferner eine neue Innenausstattung, wobei der gotische Hochaltar durch einen im Stil des Frühbarock ersetzt wurde. Vermutlich gehörte eine um 1880 entfernte Kanzel ebenfalls dieser Stilperiode an. Die in einer der erneuerten Butzenscheiben wieder eingesetzte originale Inschrift „1697“ deutet vermutlich auf den Abschluß der barocken Veränderungen im späten 17. Jahrhundert hin. Restaurierungen fanden 1869, 1929/30, 1961/62 (Einrichtung), 1972/73 (Äußeres), 1982 und 1997 statt.

     

    Baubeschreibung

    Das äußerlich schlichte, zuletzt 1997 grundlegend sanierte Kirchlein besitzt einen Dachreiter mit barockem Zwiebelhelm (18. Jh., seit 1935 mit Kupferdach). In der josefinischen Aufklärungszeit zu Ende des 18. Jahrhunderts sollte das Kirchlein profaniert oder abgerissen werden; wahrscheinlich haben Ortsbewohner das Gebäude gekauft und somit erhalten.

    Die beim Eingang seit 1930 aufgestellten mittelalterlichen Grabsteine aus rotem Adneter Kalkstein stammen vom Friedhof in Gaspoltshofen. Rechts: Johann Schilldorfer, † 1415, Pfarrer von Gaspoltshofen 1390–1415; seine reliefierte Ganzkörperfigur liegt mit dem Kopf auf einem Polster mit vier Quasten. Links: Magdalena von Oberheimer auf Gröming, gestorben am Georgitag (23. April) 1521.

    Im Inneren präsentiert sich die Kirche als frühbarocker Saalbau; dem zweijochigen Langhaus mit hölzerner Stichkappentonne folgt der einjochige, netzrippengewölbte gotische Chor mit 5/8-Schluß.

     

    Einrichtung

    In der Apsis befinden sich zwei Wandbilder in Secco-Technik aus dem 17. Jahrhundert: links die Geburt Christi, rechts die Auferstehung Christi (darunter Inschriften, links nach Joh 1, 14 bzw. rechts nach  Mk 16, 6; übermalt 1766, wieder entdeckt 1929, restauriert 1997).

    Der hübsche Hochaltar folgt im Aufbau dem Portaltypus und zeigt einen typischen Ohrmuschel-Knorpelwerkstil des späten Frühbarock: der Mittelteil mit rundbogigen Bilderrahmen und gedrehten versilberten Säulen und Schnitzwerk, über dem gesprengten Segmentgiebel ein von Säulchen begrenzter Aufsatz, entstanden vielleicht 1689 oder etwas früher. Darin steht heute eine spätgotische Figur der hl. Maria mit dem Jesuskind, um 1420, darunter an Stelle des verlorenen Gemäldes eine barocke Figur des hl. Jakobus d. Ä., um 1720. Die um 1680 geschnitzten Seitenfiguren zeigen links den hl. Petrus, rechts den hl. Johannes Evangelist. Die beiden holzgeschnitzten Reliquiare enthalten Klosterarbeiten, um 1700/1720, links mit Schriftband „Hl. Honoratius“. (Die Bezeichnung auf der Altarrückseite „Errichtet im Jahre 1719“ wurde bei der Renovierung 1869 durch den Lambacher Faßmaler Martin Koberwein angebracht, dabei wurde die gotische 4 fälschlich als 7 gelesen, richtig müßte es heißen „Errichtet im Jahre 1419“.)

     

    Figuren im Presbyterium: An der rechten Wand steht eine Figur des hl. Dominikus, auf einer Wolkenbank knieend, links gegenüber der hl. Franz von Assisi (beide 1. Hälfte 18. Jh.). Von bemerkenswerter Qualität sind die beiden spätgotischen Konsolfiguren in der Fronbogenlaibung: links der hl. Georg als Drachentöter (vielleicht böhmisch, um 1420), rechts der hl. Jakobus d. Ä. mit Muschel und Wanderstab (gegen Mitte 15. Jh., neuzeitl. Sockel).

     

    Figuren im Langhaus: Am Fronbogen links eine Madonna auf der Mondsichel (um 1700), rechts der hl. Josef mit dem Jesuskind (Ende 18. Jh.). An den Seitenwänden links ein hl. Florian (Ende 18. Jh., vielleicht dem Schwanthaler-Kreis zuzuordnen), ferner hl. Josef mit Lilienstab, um 1900. Der Kreuzweg (ehemals in Altenhof) wurde 1896 geweiht. An der Wand eine Gedenktafel für die Gefallenen des I. und II. Weltkrieges, gestiftet von der Freiwilligen Feuerwehr 1968. Das außer Betrieb befindliche Turm-Uhrwerk steht jetzt auf der Empore im Langhaus, bez: „Johann Franz Pohringer Haag 1752“.

     

    Sakristei: Bei der jüngsten Restaurierung wurde die obere Hälfte einer spätgotischen Wandmalerei des überlebensgroßen hl. Christophorus mit dem Jesuskind innerhalb einer Rahmung aus einem gemalten Ornamentband mit Maßwerk-Kreisen freigelegt (1. Hälfte 15. Jh.).

     

     

     

    Filialkirche Unteraffnang  Filialkirche Unteraffnang

    Filialkirche Höft
    Höft

    Filialkirche zur hl. Margarethe in Höft

    (Patrozinium am 13. Juli)

     

    Geschichte und Baubeschreibung

    Die erste urkundliche Erwähnung des schon länger bestehenden gotischen Kirchleins in 2,5 km Entfernung von Gaspoltshofen rechts der Straße nach Grieskirchen ist für 1565 nachgewiesen: Wolfgang II. zu Heft verkauft den Edelsitz mit den beiden Meierhöfen sowie der Kapelle an Achaz den Innerseer. Eine Barockisierung des Kirchleins erfolgte 1684–1685. 1973 Außenrenovierung, 1991 Innenrenovierung (Freiwillige Feuerwehr Höft).

    Hinter dem einfachen Äußeren mit steilem Dach, niedrigem Turmreiter und Zwiebel verbirgt sich seit dem barocken Umbau ein zweijochiger, stichkappentonnengewölbter Saalraum mit Wandpfeilern und erhalten gebliebenem gotischen Chor mit 3/8-Schluß. Ein südseitiges Fenster besitzt noch ein gotisches Fischblasen-Maßwerk.

     

    Einrichtung

    Der frühbarocke Hochaltar von 1643 im Knorpelwerkstil stammt aus der Pfarrkirche Aistersheim; er wurde 1746 erworben und vom Hoftischlermeister Dörschl verkleinert. Das Altarbild stellt die hl. Margarethe in hermelinbesetztem Mantel mit Stabkreuz, Märtyrerpalme, Putto und Hl.-Geist-Taube in einer Landschaft dar. In Verkleinerung erscheint sie nochmals betend an einer Richtstätte, in Begleitung der hl. Maria mit dem Jesuskind. Eine weitere Szene zeigt den hl. Georg zu Pferd als Drachentöter. Die gekrönten Wappenkartuschen verweisen auf die Herrschaft Aistersheim. Die Altarfiguren zeigen links den hl. Johannes d. T. bzw. rechts den hl. Johannes Ev. In der Aufsatznische Gottvater, darüber ein Putto mit Flammenschwert auf Wolken, sämtliche um 1643. Das Standkruzifix stammt wahrscheinlich von B. Gegn, Lambach 1693.

    Im rechten Presbyteriumsfenster (neue Butzenscheiben aus Passau) sind zwei kleine Wappenglasgemälde mit Jahreszahl „1648“ eingelassen; rechts das Wappen der Magdalena von Hohenfeld auf Schloß Aistersheim, deren Grundherrschaft bis 1850 die Vogteirechte und Patronanzpflichten innehatte. Links an der Wand hängt ein für die religiöse Volkskunde wertvolles „Hl.-Fünf-Wunden-Kreuz“ mit symbolisch darauf gehefteten Füßen, Händen und Herzen Christi zur Andacht, 1894 von einem 80jährigen einheimischen Bäcker geschnitzt.

    Figuren am Fronbogen: Madonna mit Kind und Strahlengloriole, um 1700, heutige Fassung historisierend. Wahrscheinlich ist es das 1693 genannte „Frauenbildnis“ des Lambacher Bildhauers Bartholomäus Gegn. Figur des hl. Josef mit Lilie, 2. H. 18. Jh. An der Wand links neben dem Altar die Figur einer Schwarzen Madonna (Altötting). Kanzel um 1730. Wandgemälde hl. Johannes von Nepomuk in Wolkenlandschaft, 18. Jh. Altes Turmuhrwerk 1862. Ein illusionistisch gemalter Orgelprospekt verdeckt den Stiegenaufgang. Die Marien- und die Floriani-Glocke stammen aus dem Jahr 1950.

     

     

    Dr. Erhard Koppensteiner

     

    Literatur: [M. Kurz / K. Schmidt] Gaspoltshofen Einst und Jetzt, Gaspoltshofen / Linz 1927. – Franz Buchinger, Gaspoltshofen, Gaspoltshofen 1995.

     

    Der Text wurde mit Genehmigung des Verlags St. Peter (Salzburg) entnommen aus dem im Jahr 2000 in der Verlagsreihe „Christliche Kunststätten Österreichs“ erschienenen Kirchenführer Nr. 354

     

     

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