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Inhalt:

Angel.Punkt, anschließend Stille Anbetung

2., 9., 16. u. 30 Oktober, jeweils 17.00 Uhr, Basilika St. Laurenz.

Sie finden hier auch die Nachlese der Gedanken von Manfred Holzleitner.

Das Detail eines zeitgenössischen Franziskusbildes scheint mir alles auf
den Punkt zu bringen, was es heute zu Gott, zu Christus, zum Glauben
zu sagen gibt. Zentral ist ein Herz, das fehlt, das herausgerissen, heraus-„
geschossen“ zu sein scheint. Aber es zeigt sich kein Blut, sondern
nur ein weißer Untergrund. Trifft das nicht unser Lebensgefühl? Wir „reißen“
uns das Herz heraus für Gott, für unseren Glauben, für unsere
Überzeugungen und bestenfalls erscheint ein weißgetünchtes Nichts als
„Lohn“.
Mit den Angel.Punkten, am 2./9./16. und 30. Oktober um 17.00 Uhr in
der Basilika St. Laurenz, möchte ich Legenden des hl. Franziskus ins
Heute holen. Ich werde versuchen,
den weißen Hintergrund
des Bildes mit Geschichten des
Glaubens, auch mit der „Schönheit
des Christentums“ zu füllen.

Manfred Holzleitner

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NACHLESE:

 

 


ANGEL.PUNKT

St. Laurenz, 9. Oktober 2026

Nach dem letztwöchigen Abstieg in menschliches Leid, dem sich Gott nicht entzieht, wollen wir uns dieses Mal der „schönen“ Seite der göttlichen Liebe zuwenden.

1. Erfahrungen des verzauberten Einsseins bei Franziskus und bei uns

Ein paar Geschichten vom hl. Franz mögen uns in diese „Verzauberung der Welt“ (so ein Buchtitel von Jörg Lauster) führen.

Als sich Franz einmal traurig, wir würden heute vielleicht sagen, depressiv, zurückgezogen hatte, weil ihm sein Beten leer vorkam, da saß eine Grille/Zikade auf einem Feigenbaum vor seiner Zelle und sang, da rief sie Franz und streckte seine Hand nach ihr aus: „Komm zu mir Schwester Grille“. Da war sie ihm gehorsam und flog auf seine Hand. Da sprach er: „Sing meine Schwester Grille und lobe den Herrn.“ Ihr Singen und Jubilieren war wunderschön und klar und riss Franziskus mit, bis er in dieses besondere Gebet einstimmte. Dieses Lied hatte ihn wieder fröhlich gemacht, zu Gott und seinen Brüdern zurückgeführt.

Falls jetzt jemand einwendet, Grillenzirpen mache eher ein unangenehmes Geräusch und ist von Schöngesang weit entfernt, dem mag ich nicht widersprechen. Doch Anfang September wurde ich – wohl alle ZuhörerInnen – eines Besseren gelehrt. Die Pianistin Martha Argerich spielte open air atemberaubend das erste Klavierkonzert von L. van Beethoven. Rundum im Park von Grafenegg zirpten die Grillen. Auf einmal geschah etwas, das sich wie ein Zauber über Musik, Mensch und Natur legte. Die unzähligen Grillen zirpten im Rhythmus der Klaviermusik. Dem beeindruckten Musikkritiker der „Presse“ war dieses „Wunder“ zurecht eine Zeitungsnotiz wert.

Von solch inniger Vereinigung mit der Schönheit von Gottes Schöpfung berichten die berühmte Vogelpredigt des Poverello und andere Erzählungen, wie Franz in ekstatischer Schauung in himmlisches Erleben geführt wurde. Eine der für mich berührendsten Geschichten ist folgende: Manchmal hob Franz von der Erde ein Holzscheit auf, legte es sich über den linken Arm, nahm mit dem rechten einen Stecken, der ihm zum Bogen diente, strich über das Scheit, als spielte er Geige. Dazu sang er französische Lieder unseres Herrn Jesus Christus. Zuletzt brach er in Tränen aus, alles verschwamm in reiner Seligkeit. Er vergaß, was er in Händen hielt, und war zum Himmel entrückt.

Wir sollten aber nicht übersehen, dass etwa im berühmten Sonnengesang nicht nur die Werke Gottes als schön gepriesen werden, sondern Franz mindestens sosehr die Schönheit, Erhabenheit unserer Glaubensinhalte sucht und in seinen Lobpreis einschließt.

2. Die Schönheit des Christentums

Dass das Christentum seit der Antike nicht nur die Kunst, Musik, Architektur und Literatur zutiefst geprägt hat und die Welt immer mehr mit seinem Ausblick auf eine göttliche Dimension „verzaubert“ hat, sollten wir nie vergessen. In wundervoller Weise ruft uns das der Buchtitel: „Die Schönheit des Christentums“ von Ahmad Milad Karimi in Erinnerung. Der Untertitel berührt: Eine muslimische Liebeserklärung!. Vielleicht hilft uns der „fremde“ Blick eines gläubigen Moslems auf unsere Glaubensgeheimnisse, sie in ihrer tiefen Schönheit wieder zu entdecken und besser zu verstehen. Karimi schreibt: Wenn ich als Muslim das Kreuz anschaue, bin ich erschüttert. Dieser Mensch, dieser Meister des Neuen Testamentes, Jesus von Nazareth, sein Leben und wie er damit umgeht, was ihm widerfährt. Das ist groß. Dieser Glaube an die tiefe Nähe Gottes, dass mir Gott näher ist als nahe, dass er das Kleid der Endlichkeit anzieht und den Schmerz der Menschen von innen erfährt. Das ist der größte Gedanke, den ich denken kann. Diese Nähe befragt mich als Moslem: Wie denke ich die Nähe Gottes? Allein schon Maria, diese unendlich widerständige, starke Frau, voller Demut, aber auch voller Widerstand. Sie widersteht! Sie stellt sich gegen ihre Sippe, weil sie ein Kind bekommen hat, das sie nicht hätte bekommen können. Das ist groß. Mit dem Kind in der Krippe geht das Christentum noch weiter. Es bindet an dieses Kind nicht nur Würde, sondern göttliche Nähe. Ich merke – so Ahmad Milad Karimi -, dass ich mich diesem Gedanken nicht entziehen kann.

Sonnenuntergang

 


 


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