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Ich bin ein Christ

Teilnehmen am Leben anderer

Florian setzte sogar sein Leben aufs Spiel. Woher nahm er diese Kühnheit, diesen schier unvernünftigen Mut?

Dieser Zugang wird vielen nicht leicht fallen, da in unserer Gesellschaft christlicher Glaube nicht mehr ohne weiteres erfahrbar ist. Als Florian zusammen mit seinen Gefährten vor den Statthalter gebracht worden war, bekannte er: Ich bin Christ!


Christ sein heißt: An Gott glauben, auf ihn hoffen und ihn lieben, ihn und den Nächsten wie mich selbst, so wie es Jesus Christus uns gelehrt hat. Ohne diesen Glauben ist der letzte Schritt des Florian nicht erklärbar.

 

Walter Nigg, der sich mit vielen Heiligenbiographien beschäftigt hat, schreibt: „Die Welt der Heiligen kann einzig mit Gott und niemals ohne ihn begriffen werden. Jedem anderen Versuch erschließen sie ihr Geheimnis nicht.” In Gott nämlich erschließt sich für den Menschen sein Lebenssinn und der tiefste Grund seines Daseins: Ich bin von Gott, meinem Schöpfer, angenommen. Im Glauben darf ich sagen: Ich bin von Gott geliebt. Diese Wirklichkeit macht mein Leben kostbar – ich weiß, wem und zu wem ich gehöre.

Menschliches Leben ist für Menschen nicht verfügbar, wenngleich es wie Ware gebraucht wird, oder als Druckmittel oder als Objekt menschlicher Willkür. Menschen, die über das Leben anderer Menschen verfügen, stehen im Unrecht. Wo Gottlosigkeit um sich greift oder der Mensch sich für Gott hält, bemächtigt sich Geschäft und Nachfrage rücksichtslos menschlichen Lebens. So meinte auch der römische Statthalter über menschliches Leben verfügen und Todesurteile fällen zu können.

 

Florian bekennt: Ich bin Christ. Er ist nicht nur ein couragierter Kerl oder gar der unverwundbare Held und Rächer. Diese Idole werden medial frei Haus geliefert.
Florian sagt gleichsam: Du kannst mich töten, doch du kannst mir nicht das Leben nehmen. Diese Glaubensgewissheit trägt er seit seiner Taufe in sich.

 

Taufe als Entscheidung 

In der Zeit des frühen Christentums war Taufe ein entschiedener Schritt eines erwachsenen Menschen. Getauft werden hieß: Hinkehr und Ausrichtung meines Lebens auf Jesus Christus hin, hieß umdenken und anders denken. Es war die Rede vom alten und vom neuen Menschen. Die Kindertaufe gab es damals noch nicht. Die Taufe wird heute noch immer allzu sehr als ein privates Familienfest gesehen und als die formale Aufnahme in die Kirchengemeinschaft. In den Familien ist christlicher Glaube als tragfähige Voraussetzung für das Sakrament oft nicht mehr genügend vorhanden. Der Glaube ist nicht mehr lebensgestaltend. Im alltäglichen Leben richten sich auch getaufte Christen allzu sehr nach den Spielregeln, wie sie die Gesellschaft duldet oder fordert, sie leben wie die Heiden.


Wer den Glauben nicht lebt, das heißt im Gebet die lebendige Verbindung mit Gott nicht sucht, im Wort der Heiligen Schrift und in der Eucharistie die Christusnähe nicht pflegt, läuft Gefahr, sich den üblichen Verhaltensweisen „dieser Welt” anzugleichen. Es ist notwendig, sich den „Mehrwert” christlichen Glaubens ständig vor Augen zu halten. Getauft sein bedeutet, mir ist die Wirklichkeit meines Lebens voll erschlossen, ich bin vom lebendigen Gott gehalten und getragen. Dies ist aber auch an meiner Lebensweise sichtbar.

 

Teilnehmen am Leben anderer

Dieser Glaube schenkt die volle Freiheit, die Freiheit der Kinder Gottes. Diese Freiheit nimmt nicht nur die Angst, sondern sie befreit und befähigt zur Tat. Christen stehen mitten im Leben, sie kennen sich aus, sie gestalten die Gesellschaft mit. Sie denken aber einen Schritt voraus: sie überschreiten eine Grenze, ihre eigentliche Wirklichkeit ist die Transzendenz, das „Reich Gottes”! Florian war ein Mann des öffentlichen Lebens. Christsein heißt teilen und ebenso und vielleicht noch mehr: teilnehmen. Anteil nehmen am Leben, das sich um uns ereignet; Anteil nehmen an Freud und Leid, am Leben und Sterben. Wahrhaft leben heißt nicht für sich leben, sondern teilnehmen am Leben anderer.

 

Hand in Hand. © Michael Haderer

 

Florian – der Aufblühende?

Bei näherer Betrachtung erschließt sich Florian immer mehr wie die Blüte einer Blume, die als Knospe noch nicht viel von ihrem Reichtum preisgibt. Der Name Florian bedeutet ja auch „der Blühende”. Die Grundzüge dieser Persönlichkeit formen sich beim näheren Hinschauen stets deutlicher zu einem klaren Profil. Die Herausforderungen und Spannungen menschlichen Lebens, in die Florian hineingestellt ist, sind zeitlos. Was ist heute mehr gefragt als der Mut, gegen den Strom zu schwimmen, sich nicht einfach als „Meinungsklon” mittreiben zu lassen.

„Willst du zur Quelle, musst du gegen den Strom gehen”, ist eine alte Weisheit. Florian geht den Weg zur Quelle, letztlich zur Quelle des Lebens.

 

Im Strom oder gegen den Strom. © Michael Grobner

 

Das Wasser des Flusses bringt ihm den Tod, das Wasser der Taufe bringt ihm das Leben!

 

Quellenangabe (Origiginalbeitrag):

Neuwirth, Wilhelm: Ich bin ein Christ. In: Stift St. Florian. URL: https://www.stift-st-florian.at/user/documents/StiftStFlorian_Ich_bin_ein_Christ.pdf [Stand: 05/2026] 

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