Friday 14. August 2020

Lust und Motivation für gesellschaftspolitische Diskussionen neu entdecken

beim Sozial-Stammtisch am 18. März 2019 im Cardijn Haus

Es passiert uns alle einmal, dass uns die Sprache wegbleibt, wenn mit hasserfüllten Verallgemeinerungen Obdachlose, MigrantInnen oder Langzeit-Arbeitslose klein gemacht werden. Begleitet von Mag.a Dr.in Marion Wisinger, Trainerin zu den Themen Antiradikalisierung, Menschenrechte und politische Bildung, übten wir, mit jedem Gegenüber konstruktiv im Gespräch zu bleiben.

Politische Bildung geschieht in kleinen Schritten. Wichtig ist es, den Anspruch abzulegen, andere in nur einem Gespräch umstimmen zu können. Bei Streitgesprächen sind meistens beide Seiten in ihrer Meinung festgefahren und lassen sich keinen Spielraum mehr, um voneinander zu lernen. Es ist psychologisch nachgewiesen, dass wir das Denken von Menschen nicht ändern können. Wir können höchstens etwas zu ihren Denken dazulegen - eine Erfahrung, eine Sichtweise, die unser Gegenüber mitnimmt und - vielleicht nach einige Tagen oder Wochen - erneut aktivieren kann. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Gespräch in einer positiven Atmosphäre verläuft und endet. Man nimmt nur Argumente und Sichtweisen wahr von Menschen, die man sympathisch findet. Um im Gespräch zu bleiben, muss man irgendwie einen Draht zueinander haben. Da führt keinen Weg vorbei.

 

Konstruktive Gesprächsstrategien

Marion Wisinger übte mit uns 20 Gesprächsstrategien, die uns ermöglichen konstruktiv und wohlgesonnen zu bleiben, auch wenn derbe Sprache oder medial verbreitete Dummheiten ins Spiel kommen. Das Ziel des Abends war, dass die Teilnehmerinnen die Lust an und die Motivation für politische Diskussionen für sich wiederentdecken. Und nie wieder verlieren. Alle 20 Strategien waren hilfreich, zwei davon geben wir hier wider:

  • Mit interessiertem Nachfragen (Was stört dich da genau? Was meinst du genau?) kommt man weiter, als mit Gegenargumenten. Sobald dein Gegenüber als dumm, uninformiert oder menschenfeindlich dargestellt wird, verschließt er/sie sich und es kann kein Lerneffekt eintreten. Vielleicht hat man die Debatte "gewonnen", aber die negative Haltung des anderen wurde damit noch verstärkt.
  • Bleib ruhig. Man muss nicht immer sofort reagieren, es ist nicht nötig, immer sofort dagegen zu argumentieren. Wenn man das Gegenüber erst reden lässt, ermuntert durch interessiertes Nachfragen, laufen der Hass und die Verallgemeinerungen meist ins Leere und es treten die wirklichen Themen hervor. Über diese wirklich-wichtigen Themen (z. B. Angst vor Veränderung, Kulturunterschiede usw.) lässt sich meistens vernünftiger reden. 

Im Argumentieren fühlen wir uns dann möglicherweise als die schwächere Partei, aber längerfristig sitzen wir am längeren Ast.

Glücksforscherinnen weisen nach: Wer Hass-Parolen von sich gibt, schadet dem eigene Glück. 

Eine respektvolle und menschenfreundliche Haltung anzunehmen nutzt also jedem, auch all denjenigen, die sich noch nicht dazu durchringen konnten!

Stefan Robbrecht-Roller

 

Sozial-Stammtisch mit Marion Wisinger
Gemeinsam Redegewandtheit üben

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