So. 16.12.12
Umkehr und Geld-Wirtschaft!?
Liebe Schwestern und Brüder!
Mit der Aufforderung durch Johannes dem Täufers zur Umkehr, zur Hinwendung auf das
Leben für alle im Vertrauen auf den geheimnisvollen Geber allen Lebens, auf Gott, sind wir heute konfrontiert. Ich lade ein jetzt einen wichtigen Teil unseres Lebens, nämlich unser Wirtschaften, unter dem Aspekt der Umkehr zu betrachten.
Unsere Art zu wirtschaften hat uns viele Annehmlichkeiten beschert. Aber gleichzeitig
mehren sich die Probleme. Wir stecken in einer Wirtschaftskrise. Geld regiert jetzt die
Welt, aber wer regiert das Geld? Mit der neoliberalen Globalisierung der letzten dreißig
Jahre, das heißt mit der Einführung des bedingungslosen Freihandels und freien
Kapitalverkehrs auch für Hochspekulationen und Steueroasen ist die Macht der
wirtschaftlich Mächtigen riesig geworden.
Mit der Aufforderung durch Johannes dem Täufers zur Umkehr, zur Hinwendung auf das
Leben für alle im Vertrauen auf den geheimnisvollen Geber allen Lebens, auf Gott, sind wir heute konfrontiert. Ich lade ein jetzt einen wichtigen Teil unseres Lebens, nämlich unser Wirtschaften, unter dem Aspekt der Umkehr zu betrachten.
Unsere Art zu wirtschaften hat uns viele Annehmlichkeiten beschert. Aber gleichzeitig
mehren sich die Probleme. Wir stecken in einer Wirtschaftskrise. Geld regiert jetzt die
Welt, aber wer regiert das Geld? Mit der neoliberalen Globalisierung der letzten dreißig
Jahre, das heißt mit der Einführung des bedingungslosen Freihandels und freien
Kapitalverkehrs auch für Hochspekulationen und Steueroasen ist die Macht der
wirtschaftlich Mächtigen riesig geworden.
Heiner Geißler, Ex-Generalsekretär der CDU (Publik-Forum Nr.18, 2012): „Der Markt ist an
die Stelle von Gott getreten. Er ist der große Gott, der alles regelt. Und das Kapital ist der
Götze, den alle anbeten müssen. Das ist ökonomisch, aber auch politisch die
entscheidende Ursache für die totale Unordnung, die den Zustand unserer Welt heute
kennzeichnet.“
Als Zeichen der Krise seien genannt:
· Die Armen werden immer mehr, die Reichen werden immer reicher.
· Unsere „unendliche“ Wachstumswirtschaft ist maßlos und führt zu Spannungen und
Kriegen um die endlichen Vorräte von Rohstoffen. Unser Lebensstil ist nicht
übertragbar – wenn z.B. alle Chinesen und Inder soviel Energie verbrauchen
würden wie wir, wäre das der sofortige Kollaps.
· In unserer gegenwärtig bestimmenden kapitalistischen Wirtschaftsweise sollen wir
immer mobiler sein, wir werden mit ständigem Leistungsdruck und beinharter
Konkurrenz konfrontiert. Das führt zu immer mehr Stress.
Die meisten unter uns spüren, dass es so nicht weitergehen kann. Gleichzeitig sind viele
aber sehr skeptisch, ob wir einfache Bürger und Bürgerinnen selber was bewegen können.
Was soll das mit Glauben zu tun haben?
Umgekehrt: Kann es der Wille Gottes sein, dass wir einfach wegschauen und passiv
abwarten, was da passiert? Wer ist für diese „Strukturen der Ungerechtigkeit“
verantwortlich? Bin ich, sind wir auch Mitverursachende dieser Krisen? Sind nur andere
habsüchtig? Wieweit hat die Habsucht auch unser Herz ergriffen?
Vielleicht kommen wir weiter, wenn wir die Hab-Sucht in uns und in unserer Gesellschaft
als Sucht verstehen. In der Werbung werden uns täglich neue Suchtmittel vorgestellt, die
wir unbedingt haben müssen. Und es ist wirklich ganz schwer, von der Sucht „immer mehr haben zu müssen“ weg zu kommen.
Ein Widerspruch spaltet uns selbst und unsere Gesellschaft: In unseren Familien- und
Alltagsbeziehungen geht es uns gut, wenn wir Vertrauen, Zuhören, Wertschätzung,
gegenseitige Hilfe und Teilen fördern. In unserer kapitalistischen Wirtschaft aber gelten als Grundwerte: Gewinnstreben und Konkurrenz. Danach sind auch unsere Wirtschaftsgesetze ausgerichtet.
Diesen Grundwiderspruch sollte die soziale Marktwirtschaft lösen. Wieweit ist jetzt aberdas Soziale noch mitbestimmend?
Kann uns das heutige Evangelium weiter helfen?
Nach Johannes dem Täufer und nach Jesus, auf den er hinweist, können wir umkehren,
wenn wir uns auf Gott hin ausrichten, wenn wir unser Vertrauen auf ihn setzen. Umkehren
heißt nach Johannes dem Täufer, so leben, dass alle, vor allem auch die Schwächeren
leben können. Die Fragen und die Antworten des Johannes beziehen sich auf den Alltag.
„Wer zwei Umhänge hat, soll jenen geben, die keinen haben. Die zu essen haben ebenso.
Zu den Zolleintreibern: Seid nicht auf mehr aus, als es Vorschrift ist. Und zu den Soldaten:
Keine Gewalttaten, keine Erpressungen und begnügt euch mit eurem Sold!“ Dürfen auch
wir in unserem wirtschaftlichen Handeln heute auf Gottes Geistkraft, auf unser Vertrauen
zu ihm setzen? Oder ist unser Glaube dafür nicht zuständig? Auf wen dürfen wir dann für
die Überwindung unserer Wirtschaftskrise, unserer gesellschaftlichen und persönlichen
Hab-Sucht hoffen?
Es ist anregend zu sehen, dass auch das bekannteste Programm zur Suchtbewältigung -
„Die Zwölf Schritte der Anonymen Alkoholiker“- ganz intensiv auf einen Prozess der
Hingabe an den liebenden Gott setzen. (Siehe Anhang)
· Wenn wir uns als ersten Schritt (wie bei den Anonymen Alkoholikern) mit unserem
Götzen Kapital und unserer Habsucht auseinandersetzen – ist es hilfreich uns
einzugestehen, dass wir allein machtlos sind?
· Brauchen wir als zweiten Schritt auch den Glauben, dass eine Macht, größer als wir
selbst, uns aus dieser Verstrickung mit dem Götzen Kapital herausführen kann?
· Kann es Not-wendend sein unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes
anzuvertrauen – uns also in unserem Ringen um ein Wirtschaften zu mehr Leben
für alle vom Geist Gottes taufen zu lassen?
· Auch eine gründliche und furchtlose Inventur allein und in Gruppen darüber, wie
sich das übermächtige Gewinnstreben auswirkt, scheint wichtig.Und wir bitten Gott
immer wieder uns seinen Willen in diesen Krisen erkennen zu lassen, und um die
Kraft, ihn auszuführen.
· So wie Alkoholsüchtige in vielen Schritten von ihrer Sucht loskommen, so können
wir auch hoffen mit anderen gemeinsam in vielen Schritten weiter zu kommen zu
einem gerechteren Wirtschaften.
Was können wir konkret tun?
Als Anregung seien Beispiele genannt, was manche schon tun:
· Bewusst weniger arbeiten, weniger einkaufen und sich mehr Zeit für das
Zusammen-Leben nehmen.
· Beim Einkaufen fair gehandelten, regionalen Produkten und Firmen den Vorzug
geben.
· Ein breites Bündnis setzt sich dafür ein, dass die Gewinner der letzten 20 Jahre
einen höheren Beitrag zur Budgetkonsolidierung leisten z.B. durch eine gerechtere
Vermögenssteuer.
· Die Gemeinwohlbewegung unterstützen: Dort soll nicht mehr Gewinn und
Konkurrenz, sondern Kooperation an erster Stelle stehen. Mehrere hundert
Unternehmen in Österreich und in einem Dutzend anderer Staaten sind dabei
schon aktiv.
· Gruppen wie „Attac“ unterstützen, die die jetzige Übermacht des Finanzsektors
brechen wollen. Mit der geplanten Einführung einer Finanztransaktionssteuer (seit
12 Jahren gefordert) ist ein erster Schritt gelungen.
· Was viele tun könnten: Autos länger nützen oder beim nächsten Kauf ein kleineres
Auto. Oder: Zweimal in den Kleiderkasten schauen bevor wir wieder Neues kaufen.
Oder: Den Fleischkonsum reduzieren...
Mit Gottes Hilfe werden uns Schritte der Umkehr auf mehr Leben für alle hin geschenkt.
Dafür wollen wir auch in diesem Gottesdienst bitten und im Alltag das uns mögliche tun -
einzeln und gemeinsam.
Zur Info:
www.wege-aus-der-krise.at
www.gemeinwohl-oekonomie.org
www.attac.at
Christian Felber: "Gemeinwohl-Ökonomie"
die Stelle von Gott getreten. Er ist der große Gott, der alles regelt. Und das Kapital ist der
Götze, den alle anbeten müssen. Das ist ökonomisch, aber auch politisch die
entscheidende Ursache für die totale Unordnung, die den Zustand unserer Welt heute
kennzeichnet.“
Als Zeichen der Krise seien genannt:
· Die Armen werden immer mehr, die Reichen werden immer reicher.
· Unsere „unendliche“ Wachstumswirtschaft ist maßlos und führt zu Spannungen und
Kriegen um die endlichen Vorräte von Rohstoffen. Unser Lebensstil ist nicht
übertragbar – wenn z.B. alle Chinesen und Inder soviel Energie verbrauchen
würden wie wir, wäre das der sofortige Kollaps.
· In unserer gegenwärtig bestimmenden kapitalistischen Wirtschaftsweise sollen wir
immer mobiler sein, wir werden mit ständigem Leistungsdruck und beinharter
Konkurrenz konfrontiert. Das führt zu immer mehr Stress.
Die meisten unter uns spüren, dass es so nicht weitergehen kann. Gleichzeitig sind viele
aber sehr skeptisch, ob wir einfache Bürger und Bürgerinnen selber was bewegen können.
Was soll das mit Glauben zu tun haben?
Umgekehrt: Kann es der Wille Gottes sein, dass wir einfach wegschauen und passiv
abwarten, was da passiert? Wer ist für diese „Strukturen der Ungerechtigkeit“
verantwortlich? Bin ich, sind wir auch Mitverursachende dieser Krisen? Sind nur andere
habsüchtig? Wieweit hat die Habsucht auch unser Herz ergriffen?
Vielleicht kommen wir weiter, wenn wir die Hab-Sucht in uns und in unserer Gesellschaft
als Sucht verstehen. In der Werbung werden uns täglich neue Suchtmittel vorgestellt, die
wir unbedingt haben müssen. Und es ist wirklich ganz schwer, von der Sucht „immer mehr haben zu müssen“ weg zu kommen.
Ein Widerspruch spaltet uns selbst und unsere Gesellschaft: In unseren Familien- und
Alltagsbeziehungen geht es uns gut, wenn wir Vertrauen, Zuhören, Wertschätzung,
gegenseitige Hilfe und Teilen fördern. In unserer kapitalistischen Wirtschaft aber gelten als Grundwerte: Gewinnstreben und Konkurrenz. Danach sind auch unsere Wirtschaftsgesetze ausgerichtet.
Diesen Grundwiderspruch sollte die soziale Marktwirtschaft lösen. Wieweit ist jetzt aberdas Soziale noch mitbestimmend?
Kann uns das heutige Evangelium weiter helfen?
Nach Johannes dem Täufer und nach Jesus, auf den er hinweist, können wir umkehren,
wenn wir uns auf Gott hin ausrichten, wenn wir unser Vertrauen auf ihn setzen. Umkehren
heißt nach Johannes dem Täufer, so leben, dass alle, vor allem auch die Schwächeren
leben können. Die Fragen und die Antworten des Johannes beziehen sich auf den Alltag.
„Wer zwei Umhänge hat, soll jenen geben, die keinen haben. Die zu essen haben ebenso.
Zu den Zolleintreibern: Seid nicht auf mehr aus, als es Vorschrift ist. Und zu den Soldaten:
Keine Gewalttaten, keine Erpressungen und begnügt euch mit eurem Sold!“ Dürfen auch
wir in unserem wirtschaftlichen Handeln heute auf Gottes Geistkraft, auf unser Vertrauen
zu ihm setzen? Oder ist unser Glaube dafür nicht zuständig? Auf wen dürfen wir dann für
die Überwindung unserer Wirtschaftskrise, unserer gesellschaftlichen und persönlichen
Hab-Sucht hoffen?
Es ist anregend zu sehen, dass auch das bekannteste Programm zur Suchtbewältigung -
„Die Zwölf Schritte der Anonymen Alkoholiker“- ganz intensiv auf einen Prozess der
Hingabe an den liebenden Gott setzen. (Siehe Anhang)
· Wenn wir uns als ersten Schritt (wie bei den Anonymen Alkoholikern) mit unserem
Götzen Kapital und unserer Habsucht auseinandersetzen – ist es hilfreich uns
einzugestehen, dass wir allein machtlos sind?
· Brauchen wir als zweiten Schritt auch den Glauben, dass eine Macht, größer als wir
selbst, uns aus dieser Verstrickung mit dem Götzen Kapital herausführen kann?
· Kann es Not-wendend sein unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes
anzuvertrauen – uns also in unserem Ringen um ein Wirtschaften zu mehr Leben
für alle vom Geist Gottes taufen zu lassen?
· Auch eine gründliche und furchtlose Inventur allein und in Gruppen darüber, wie
sich das übermächtige Gewinnstreben auswirkt, scheint wichtig.Und wir bitten Gott
immer wieder uns seinen Willen in diesen Krisen erkennen zu lassen, und um die
Kraft, ihn auszuführen.
· So wie Alkoholsüchtige in vielen Schritten von ihrer Sucht loskommen, so können
wir auch hoffen mit anderen gemeinsam in vielen Schritten weiter zu kommen zu
einem gerechteren Wirtschaften.
Was können wir konkret tun?
Als Anregung seien Beispiele genannt, was manche schon tun:
· Bewusst weniger arbeiten, weniger einkaufen und sich mehr Zeit für das
Zusammen-Leben nehmen.
· Beim Einkaufen fair gehandelten, regionalen Produkten und Firmen den Vorzug
geben.
· Ein breites Bündnis setzt sich dafür ein, dass die Gewinner der letzten 20 Jahre
einen höheren Beitrag zur Budgetkonsolidierung leisten z.B. durch eine gerechtere
Vermögenssteuer.
· Die Gemeinwohlbewegung unterstützen: Dort soll nicht mehr Gewinn und
Konkurrenz, sondern Kooperation an erster Stelle stehen. Mehrere hundert
Unternehmen in Österreich und in einem Dutzend anderer Staaten sind dabei
schon aktiv.
· Gruppen wie „Attac“ unterstützen, die die jetzige Übermacht des Finanzsektors
brechen wollen. Mit der geplanten Einführung einer Finanztransaktionssteuer (seit
12 Jahren gefordert) ist ein erster Schritt gelungen.
· Was viele tun könnten: Autos länger nützen oder beim nächsten Kauf ein kleineres
Auto. Oder: Zweimal in den Kleiderkasten schauen bevor wir wieder Neues kaufen.
Oder: Den Fleischkonsum reduzieren...
Mit Gottes Hilfe werden uns Schritte der Umkehr auf mehr Leben für alle hin geschenkt.
Dafür wollen wir auch in diesem Gottesdienst bitten und im Alltag das uns mögliche tun -
einzeln und gemeinsam.
Zur Info:
www.wege-aus-der-krise.at
www.gemeinwohl-oekonomie.org
www.attac.at
Christian Felber: "Gemeinwohl-Ökonomie"
Anhang: „Die zwölf Schritte der Anonymen Alkoholiker“ - sie werden heute gegen
verschiedene Süchte z.B. die Spielsucht auch eingesetzt.
1. Schritt
Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind - und unser Leben nicht
mehr meistern konnten.
2. Schritt
Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige
Gesundheit wiedergeben kann.
3. Schritt
Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes - wie wir
Ihn verstanden - anzuvertrauen.
4. Schritt
Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren.
5. Schritt
Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere
Fehler zu.
6. Schritt
Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen.
7. Schritt
Demütig baten wir Ihn, unsere Mängel von uns zu nehmen.
8. Schritt
Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten und wurden
willig, ihn bei allen wieder gutzumachen.
9. Schritt
Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut - wo immer es möglich war -, es sei
denn, wir hätten dadurch sie oder andere verletzt.
10. Schritt
Wir setzten die Inventur bei uns fort, und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.
11. Schritt
Wir suchten durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu Gott - wie wir Ihn
verstanden - zu vertiefen. Wir baten Ihn nur, uns Seinen Willen erkennbar werden zu
lassen und uns die Kraft zu geben, ihn auszuführen.
12. Schritt
Nachdem wir durch diese Schritte ein spirituelles Erwachen erlebt hatten, versuchten wir,
diese Botschaft an Alkoholiker weiterzugeben und unser tägliches Leben nach diesen
Grundsätzen auszurichten.