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So. 06.12.09

Umkehren zum Leben - Umkehr der Verhältnisse

Umkehren zum Leben, Umkehr Verhältnisse

Schrifttexte: Lk 3,1-6

Ebene Wege und aufgefüllte Schluchten sind die Vorboten eines Heils, das von Gott kommt. Dazwischen braucht es unsere Umkehr und unser Zutun zu menschenwürdigen und herrschaftsfreien Verhältnissen, wo oben und unten ihre Bedeutung verlieren.

 

Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung … Mächtige Männer werden namentlich erwähnt, auch die religiösen Würdenträger. Trotzdem oder gerade deswegen ereignet sich das Wort Gottes ganz anderswo. In der Wüste kommt Gottes Wort zum Leben, es fällt bei Johannes auf fruchtbaren Boden, und es wird tätig. Johannes kommt in Bewegung und bewegt andere. Ein Machtloser aus der Wüste wird Träger und Botschafter Jahwes. Gott will sein Kommen nicht in mächtige Gewänder kleiden. Nein, er geht wie immer den Umweg über die Unscheinbaren, auf den ersten Blick nicht Wahrnehmbaren, er geht an die Ränder der Gesellschaft, ja sogar, wie Lukas beschreibt, in die Wüste.

 

Gottes Wertung und Wertschätzung setzt neue Maßstäbe. Die Wüste wird zum Ort der Bekehrung, die Wüste, ein Ort, wo nichts mehr lebendig ist, wo Leben aussichtslos erscheint. Nicht Rang und Namen zählen. Was wirklich wichtig ist, ist die Frage: Wessen Sohn oder Tochter du bist? Johannes ist der Sohn des Zacharias. Kein Magistertitel oder Fachhochschulabschluss, auch nicht Kanzler oder Minister und auch kein Bischofstitel. Die Verbundenheit und Einbettung in das ganz banale Leben ist wesentlich, weil bestimmend für das Wesen.

 

Gott ruft aus der Wüste zum Wasser. Und auch die Botschaft ist kurz und prägnant. Es geht um Umkehr, also Neuausrichtung, Taufe, also die öffentliche Erklärung der Zugehörigkeit, und die Vergebung der Sünden. Das bedeutet die Erkenntnis und Einsicht, dass wir uns in unserem menschlichen Leben immer wieder in Zusammenhänge verstricken, die Leben verhindern und die Würde der Mitmenschen verletzen. Und dass wir dafür um Vergebung bitten wollen.

Für diesen neuen Weg scheint Verbindlichkeit und Verantwortlichkeit angesagt, nicht lose Zustimmung. Umkehren bedeutet Neuorientierung, im Blick auf das, was war, neu hervorzugehen. Die Zielrichtung ist für gläubige Jüdinnen und Juden klar. Es geht, wie immer wenn die Anrufung Gottes erfolgt um nicht mehr oder weniger als das Tun der Tora. Eine Lebensaufgabe, an die immer wieder erinnert werden will und muss.

Lukas bemüht zur Untermauerung noch ein Zitat des Propheten Jesaja, bettet also das Tun des Johannes klar in eine befreiende Traditionslinie ein.

 

Die Umkehr kann und muss sichtbar werden, muss sich materialisieren, muss zum Leben kommen und im Leben Wirkung zeigen, Wirklichkeit werden. Umkehr zeigt sich dadurch, dass man Gott den Weg bereitet. Dann wird Gottes Heil möglich. Das Heil kommt letztlich von Gott, können wir Menschen nicht selbst erwirken. Was wir aber tun können ist, Landeplätze zu schaffen, eine Welt vorzubereiten, wo Gott sich zeigen, inkarnieren, also Fleisch werden kann.

Gottes Wege wollen sichtbar werden. Unsere alltäglichen Bemühungen sollen dazu helfen, die Wege zu ebnen, Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Ebnet dem Herrn den Weg, ebnet den Menschen den Weg, schaut darauf, dass nichts im Weg liegt, oder in den Weg gelegt wird, das voneinander trennt. Weggeräumt werden soll, worüber man ins Straucheln kommen könnte. Ebnen ist Auftrag, es braucht Kraft und Energie, um zu ebenen Wegen zu kommen. Und der Auftrag ist klar im Plural. Ebnet. Gemeinsam.

 

In den Worten des Jesaja spiegelt sich eine trostlose Lage wider, eine Gesellschaft, in der krumme Wege gegangen werden, wo Berge und Hügel trennen. Eine entzweite Gesellschaft wird beschrieben im Bild von Schluchten und unebenen, krummen Wegen. Menschen können nicht zusammenkommen, weil Abgründe sich auftun. Angesichts dieser real existierenden Verhältnisse redet Jesaja neu zu schaffenden Verhältnissen das Wort. Er beschreibt Wege, die verbinden und die von der Vision einer heilen Gesellschaft getragen werden, ebene Wege, die ein aufeinander Zugehen ermöglichen, die den Blick füreinander öffnen und Hoffnung geben für eine neue Zukunft.

 

Vielfältig sind die Gräben, die heute gezogen werden, die sich auftun und sichtbar sind. Da rackern die einen wie die Blöden und schieben Überstunden, lassen ihre Kraft in Schicht- und Akkordarbeit, während andere psychisch und materiell an der Not der Arbeitslosigkeit zerbrechen.

Da wird die Kluft zwischen Arbeit und Kapital immer größer, der vermeintlich soziale Friede droht zu zerbrechen, weil viele die „Gunst“ der Stunde, die Krise nutzen, um Personal abzubauen und ihre Bilanzen zu frisieren. Da werden Banken staatlich mit dem Steuergeld jedes und jeder einzelnen bezuschusst und besichert, während sich deren Manager schon wieder über Bonizahlungen und Aktionärsdividenden unterhalten.

 

Gespaltene Welt ist auch da, wo die Gegensätze zwischen Nord und Süd, Arm und Reich, Hungernden und Satten immer unversöhnter werden. Im Blick auf die Worte des Jesaja soll sich aber auch die Frage aufdrängen: Wie ist denn das so geworden, wo doch die Welt eine grundsätzlich gut von Gott geschaffene war? Wie sind wir da hineingeraten in solch turbulente Zeiten?

 

Wir leben unter Mächten, die ein klares Interesse an Bergen und Tälern, an Schluchten und Unterschieden haben, und daran, dass die Straßen der Begegnung uneben und krumm sind. An uns liegt es, immer wieder neu zu erkennen, wer da die Spaltung der Gesellschaft vorantreibt. Es ist der real existierende Kapitalismus mit seiner Kapitallogik und seinen fremden Göttern des Konsums und des Wachstums. Der Kapitalismus hat sich in unseren Herzen gut eingenistet und ist zum bestimmenden System geworden, nach dem wir unsere Arbeits-, Freizeit- und Beziehungswelten eingerichtet haben. Er versteht es aber auch gut, sich eine Maske anzulegen, die immer wieder vorgibt, dass das, was ist, zum Besten aller ist.

Tagtäglich erleben wir aber, dass Menschen zunehmend ungesicherter und ungeschützter leben, aus unserer reichen Gesellschaft abgeschoben werden, ja im Blick auf andere Teile der Welt, dass Menschen verhungern und damit, wie Jean Ziegler es formuliert, mit unserem Wissen umgebracht werden.

 

Braucht es hier nicht einen totalen Umbruch der real existierenden Verhältnisse?

Wenn wir der Bibel trauen dürfen, scheint kein anderer Ausweg gangbar. Kein Stein bleibt nach der Schilderung des Jesaja auf dem anderen. Es geht gewaltig zu, wenn dem Herrn der Weg bereitet werden will. Berge und Hügel müssen abgetragen werden, Schluchten aufgefüllt. Dann erst ist eine Gesellschaft möglich, in der alle Platz haben.

 

Für uns Christinnen und Christen bedeutet dieses Bild den Auftrag, denen nahe zu sein, die in den Tälern und Niederungen des Alltags leben, die wie Johannes in der Wüste des Lebens hocken und Staub fressen. Mit ihnen gilt es zu gehen, sie gilt es aufzurichten, den Rücken zu stärken, solidarisch zu leben. Die Berge des Unrechts können nur gemeinsam abgetragen werden. Immer wieder neu gilt es sichtbar und hörbar zu machen, wenn Menschen in ihrer Würde verletzt, unwürdig, unmenschlich behandelt werden, nach Markt- und Kapitalgesetzen vermarktet und zur Ware werden.

 

Die Vision nimmt auch uns in die Verantwortung, regelmäßig bei uns selbst einzukehren und unsere eigene Verstrickung in die kapitalistische Struktur und Kultur zu erkennen und um Wandlung und Verwandlung zu bitten. Im Beistand unseres befreienden Gottes und der christlichen Gemeinden wollen wir der Vision des Jesaja, die Lukas uns nahebringt, trauen und an ihrer Verwirklichung mitarbeiten.

 

Hoch und tief sollen verschwinden, oben und unten ihre Bedeutung verlieren, menschenwürdige, weil herrschaftsfreie Verhältnisse zum Leben kommen können. Keiner soll sich mehr über andere erheben, niemand hat das Recht, sich über einen anderen Menschen zu stellen. Erneut wird die biblische Vision einer herrschaftsfreien Gesellschaft deutlich gemacht. “Weg mit Meister und mit Pfaffen, Kaiser, König sollen sich raffen, weg wer kommandieren will …“, so heißt es in einem alten Lied. Oben und unten soll nicht mehr Menschen voneinander trennen. Für uns, die wir gewohnt sind in den Kategorien oben und unten täglich zu denken und auch zu arbeiten, ist das eine große Herausforderung umzudenken. Es gibt für uns nur ein oben, und dort ist Jahwe angesiedelt, als Warnung für uns, uns nicht zum Herrscher, zur Herrscherin, zum Vorgesetzten, zur Vorgesetzten, zum Menschen, der Macht über andere ausüben will, aufzuspielen.

 

Nehmen wir den Auftrag an und räumen das aus dem Weg, was uns voneinander und von Gott trennt. Dann werden wir schauen eine heile Welt. Eine Welt, in der wir dem Wort gerecht werden, das uns anleitet, einander Mensch zu sein. Und dieses Menschsein ist letztlich nur in Gemeinschaft möglich, in Begegnung und Beziehung zueinander und aufeinander.

Das Wort, das heilt, können wir uns nicht selber geben.

 

Ausgehend von dieser Weisheit brauchen wir uns im Arbeiten am Reich Gottes gegenseitig. Bereiten wir dem Herrn und uns neue Wege des Zueinander. Geben wir dem Du in unserem Leben den Vorrang.

 

Dem Leben begegnen

dankbar und freundlich

Tag für Tag

offen sein und bleiben

 

aufmerksam und berührbar

für das Unerwartete

für die Verwandlung

für das was ist

für jede und jeden,

der und die mir entgegenkommt

 

Download der Sozialpredigt "Umkehren zum Leben - Umkehr der Verhältnisse" von Mag. Fritz Käferböck-Stelzer

 

06.12.2009, Mag. Fritz Käferböck-Stelzer
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