„Nur Ja heißt Ja“ und mehr Prävention: Breite Allianz gegen Gewalt an Frauen
Ziel der Initiative ist es, Betroffene zu stärken und das Bewusstsein für die Ernsthaftigkeit jeder Form sexueller Belästigung zu schärfen. „Es ist uns wichtig, betroffenen Frauen Mut zu machen und Optionen aufzuzeigen“, erklärt Sandra Konstatzky, Leiterin der GAW. Viele Frauen seien unsicher, ob ihre Erfahrungen „schlimm genug“ sind, um Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Die GAW betont daher, dass jede Form sexueller Belästigung ernst genommen wird und Betroffene nicht allein gelassen werden dürfen.
Die Beratungsarbeit der GAW zeigt zudem, dass sexuelle Belästigung häufig in Organisationskulturen auftritt, die Geschlechterhierarchien begünstigen. Dies fördere nicht nur Belästigung, sondern auch Lohnungleichheit und beeinträchtige Karrierechancen von Frauen. Daher ruft die GAW Unternehmen auf, präventive Maßnahmen auszubauen, klare Abläufe für den Ernstfall zu schaffen und konsequent gegen Übergriffe vorzugehen. In den letzten fünf Jahren betraf jeder fünfte gemeldete Fall bei der GAW sexuelle Belästigung – ein Anstieg, der zeigt, dass mehr Frauen ihre Rechte kennen, aber auch, dass das Problem systemisch ist. Besonders im Bildungsbereich bestehen weiterhin Schutzlücken, da das Gleichbehandlungsgesetz hier vielfach nicht greift. Die GAW fordert daher eine Ausweitung des Rechtsschutzes. Betroffenen bietet die Stelle kostenlose, vertrauliche und individuell abgestimmte Unterstützung.
Diese Anliegen werden auch von kirchlichen Organisationen geteilt, die sich im Rahmen der internationalen Aktionstage „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ ebenfalls klar positionieren. Die Katholische Männerbewegung Österreichs (KMBÖ) spricht sich für eine Reform des Sexualstrafrechts nach dem Prinzip „Nur Ja heißt Ja“ aus. Vorsitzender Karl Toifl betont, dass trotz rechtlicher Verbesserungen weiterhin viele Frauen sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Die aktuelle Rechtslage zwinge Betroffene oft dazu, ausdrücklich zu widersprechen, um einen Übergriff strafrechtlich verfolgen zu lassen – ein Umstand, der Frauen in Situationen von Schockstarre, Gewalt oder Bewusstlosigkeit unzureichend schützt. Die KMBÖ fordert daher eine klare gesetzliche Verankerung des Zustimmungsprinzips und ruft den Nationalrat zu entsprechenden Reformen auf.
Auch die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) mahnt umfassende Maßnahmen und ausreichende Ressourcen ein. Gewalt an Frauen sei eine strukturelle gesellschaftliche Realität, so Vorsitzende Angelika Ritter-Grepl. Jede dritte Frau erlebe seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt, allein bis Mitte September 2025 wurden elf Frauen in Österreich von (Ex-)Partnern getötet. Aus christlicher Perspektive sei jede Form von Erniedrigung und Gewalt unvereinbar mit dem Bild des Menschen als Ebenbild Gottes. Die kfbö ruft daher dazu auf, in Pfarre, Familie und Öffentlichkeit Haltung zu zeigen und die Arbeit von Frauenhäusern sowie Präventions- und Unterstützungsstrukturen zu stärken.
Zahlreiche Veranstaltungen begleiteten bereits die Aktionstage: In Innsbruck fand ein Abendgebet für Opfer von Femiziden sowie ein Vortrag zur französischen Gewaltüberlebenden Gisèle Pelicot statt. In Linz machte eine Kunstaktion auf der Nibelungenbrücke auf Femizide aufmerksam, während das Bündnis 8 unter anderem bessere Finanzierung für Frauenhäuser und verpflichtende Präventionsprogramme fordert.
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