Wednesday 2. December 2020

Im Ende liegt ein neuer Anfang

Warum wir uns vor Weltuntergangstexten nicht fürchten brauchen.

zum 1. Adventsonntag (29. November 2020)   | Lesejahr B


Autorin: Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin

 

Besinnung und Kyrie

 

Am ersten Adventsonntag beginnt ein neues Kirchenjahr. Dieser Jahreswechsel wird, wie beim profanen Jahreswechsel, zum Anlass genommen inne zu halten und sich auf die Zukunft auszurichten. In dieser Zukunft, so erwartet es unser Glaube, wird Jesus kommen und Vergebung, Heilung und Erlösung bringen.

 

Wenden wir uns ihm zu, der in unserer Mitte ist:


+ Jesus, du hast uns berufen zu Gemeinschaft mit dir und untereinander. 
    Herr, erbarme dich unser


+ Jesus du hast uns reich mit der Gnade Gottes beschenkt. 
    Christus erbarme dich unser


+ Jesus du hast uns gezeigt, dass Gott treu ist und besonders in schweren Zeiten mit uns geht. 
     Herr, erbarme dich unser

 

Predigt:

 

Liebe Mitchristinnen, liebe Mitchristen!

 

Vielleicht habe Sie sich beim Hören dieses Evangeliums gefragt warum es die Kirche Not hat uns in diesen schwierigen, herausfordernden Zeiten auch noch in der Messe mit Weltuntergangsstimmung zu konfrontieren. Ist die Corona Pandemie mit all ihren Unsicherheiten und Bedrohungen am Arbeitsmarkt, für die Gesundheit und für das soziale Zusammenleben nicht schon schwer genug zu bewältigen? Was sollen diese Sätze von der Erschütterung der Kräfte des Himmels und der Verfinsterung der Sonne, die uns an die verheerenden Waldbrände denken lässt? 
Dazu kommt noch, dass sich seit jeher Verschwörungstheoretikerinnen und WeltuntergangsprophetInnen auf solche Bibelstellen berufen.


Um diese Texte zu verstehen muss man wissen, dass sie immer in geschichtlichen Umbruchssituationen entstanden sind, welche die Menschen als das Ende des Gewohnten und Vertrauten empfunden haben. In unserem Fall war es die Zerstörung Jerusalems durch die Römer. Nicht die Erde im physikalischen Sinn wird untergehen, (das wird erst in zwei Milliarden Jahren, wenn die Sonne explodiert sein wird), sondern es kommt das Ende dessen was wir bisher kennen und gewohnt sind. Und die Ahnung, dass etwas zu Ende geht, sei es politisch, wirtschaftlich, durch Krieg, Naturkatastrophen oder Umsturz, die hat durchaus etwas Bedrohliches.

Das wird in diesen düsteren Bildern zum Ausdruck gebracht. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die (Welt-)Untergänge in der Bibel immer als Wirken Gottes gedeutet wurden, der damit unerträglichen Zuständen ein Ende bereitet, um Neues, Besseres, entstehen zu lassen. Der Untergang des Alten ist in der Bibel immer mit dem Anfang des Guten, des Neuen verbunden.

 

Auf das erwartete Ende folgen nicht Untergang und Vernichtung, sondern Zukunft und Wiederaufbau. Vernichtet wird das Böse, die Unterdrückung und Ausbeutung, zur Rechenschaft gezogen werden die Menschen, die gesündigt haben.
Deshalb wollen diese Weltuntergangsstellen nicht Angst schüren und Menschen in Verzweiflung stürzen, sondern Mut machen und Hoffnung geben.
So, wie es jetzt ist kann es nicht bleiben, kann es nicht weitergehen, befindet Gott und führt das Endes des Bisherigen herbei: Ob mit der Sintflut, der Verschleppung des Volkes nach Babylon und seiner Rückkehr nach Jerusalem oder zurzeit Jesu mit der Beendigung des Dreikaiser Bürgerkriegsjahres durch die Thronbesteigung Kaiser Vespasians.

 

Und dann kommt das Entscheidende: Jesus sagt ganz klar, dass niemand berechtigt ist die Deutungsmacht über bedrohliche Ereignisse und Phänomene an sich zu reißen, insbesondere nicht um Menschen damit zu ängstigen und einzuschüchtern. Im Gegenteil: Wachsamkeit ist angesagt. Das ist die Sinnspitze auf die dieser Text hinaus läuft.

 

Wachsamkeit ist das Gegenteil von Leichtgläubigkeit oder Autoritätshörigkeit.

Wachsamkeit ist die Fähigkeit verschiedenste Phänomene wahrzunehmen und sie zu hinterfragen. Wachsamkeit ist die Fähigkeit den entscheidenden Augenblick zu erkennen und dann das Richtige zu tun.
Wachsame Menschen nehmen den VerschwörungstheoretikerInnen und WeltuntergangsprophetInnen den Wind aus den Segeln und brechen die Macht ihrer oft so bestechenden Argumente und Ausführungen durch sachliches Hinterfragen. Wachsame Menschen spüren versteckte Versuche zu manipulieren, nicht offen kommunizierte Interessen und zurück gehaltene Informationen auf und legen sie offen. Wer wachsam ist nimmt nicht nur Bedrohliches und Ängstigendes wahr, sondern auch die Hoffnungszeichen und positiven Entwicklungen, selbst wenn sie noch klein und unscheinbar sind. Wachsamkeit richtet uns in die Zukunft aus, sie lässt uns etwas erwarten und gibt dem jetzt eine Perspektive. Das wird im Bild vom Türhüter, der auf die Rückkehr des Hausherrn wartet, sehr deutlich.
So gesehen macht es Sinn, wenn die kirchliche Leseordnung uns am Beginn des neuen Kirchenjahres einlädt wachsam zu sein.

 

Auf Weihnachten zugehen heißt ja nicht in erster Linie in romantische Stimmung zu kommen oder in der Hektik der Vorbereitungen unter zu gehen. Auf Weihnachten zugehen heißt - um mit dem Text zu sprechen - wahrzunehmen, dass Gott mit seinem Sohn in diese Welt gekommen ist und immer wieder aufs Neue kommt, um mit seiner Liebe, Vergebungsbereitschaft und Güte wieder einen neuen Anfang zu ermöglichen, damit das Belastende, Bedrohliche und Leidvolle in unserer Welt und in unserem Leben zu Ende gehen.

 

Fürbitten:

 

GL: Treuer Gott du bist uns nahe und stärkst uns besonders in schwierigen Zeiten. Wir bitten dich:


+für alle, vor der Zukunft Angst haben und sich bedroht fühlen.


+ für alle, die mit einfachen Erklärungen und Lösungsansätzen Menschen auf ihre Seite ziehen wollen.


+ für die Medien, die große Verantwortung für eine seriöse Berichterstattung haben.


+ für die christlichen Kirchen, deren Auftrag es ist Hoffnung und Zuversicht unter den Menschen zu stärken.


+ für alle, denen die Dunkelheit oder Einsamkeit, aber auch Stress und Hektik zu schaffen machen.


+ für unsere Familien, die sich auf Weihnachten vorbereiten.


+ für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen.


+ für unsere persönlichen Anliegen.

 

GL: Gott wir trauen deinem Wort, deshalb vertrauen wir dir alle unsere Anliegen und Bitten an mit Jesus unserem Bruder und Herrn. Amen

 

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