Freitag 14. Dezember 2018

Weniger reden, mehr tun und leben.

Zeitlose Ansprüche und Zumutungen, nicht für nur Erziehende

Sozialpredigt zum 31. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

 

Mal 1,14b-3,2b.8-10

1 Thess 2,7-9.13

Mt 23, 1-12

Autorin: Mag.a Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer,  Pastoralassistentin

 

Liebe Männer und Frauen, liebe Kinder!

 

Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach!

Dieses Zitat wird Karl Valentin zugeschrieben, und wer Eltern und ihre Kinder beobachtet oder selber in einer dieser Rollen steckt, wird zustimmend nicken. Wer den Kindern das Wasser-Trinken als etwas Gesundes predigt und selber Kracherl trinkt, kann den Wunsch des Kindes nach einem süßen Getränk schwer vom Tisch wischen.

 

Nicht nur den Erziehenden fällt es auf den Kopf, wenn sie etwas anderes tun als sie von anderen verlangen.

 

Diese Diskrepanz, diesen Widerspruch zwischen Worten und dem Tun gab es freilich immer schon. Heute haben wir eine Beobachtung Jesu gehört. Die Schriftgelehrten und die, die es besonders genau mit den Gesetzen nehmen, legen die Tora so aus, dass das gesamte Gesetz für den Alltag kaum bewältigbar ist. Kaum zu schaffen und entmutigend für die Menschen! Und sie selber gefallen sich in der Rolle der Lehrer, deren Wort alles gilt – aber die Vorschriften gelten für die anderen, nicht für sie selber. Wer Vorschriften macht, nimmt sich Macht und hebt sich von anderen ab.

 

Wie ist das bei großen „Gestalten“  in der Welt? Bei denen, die Weltpolitik und -geschicke lenken und bestimmen? Die uns öffentlichkeitswirksam zum Klimaschutz mahnen, zum Frieden, zur Nothilfe, zur Solidarität? Fehlt da nicht allzu oft die Konsequenz in den politischen Umsetzungen, das zur Verfügung gestellte Geld für die humanitäre Hilfe, die gerechtere Gestaltung der Wirtschaft und des Geldmarktes? Wie frustrierend sind oft die Zeiten nach den großen Worten, wie hohl klingen sie auf Dauer, wie wirkungslos verhallen die Appelle.

 

Das kritisieren wir zu Recht: Dass ein Wort leicht gesprochen ist, aber nicht zum Leben kommt. Dass vor Wahlen vieles versprochen wird, was nachher nicht umgesetzt wird – sei es, weil es überhaupt unmöglich umzusetzen ist – und das auch vorher schon klar war, sei es, weil der Wille fehlt oder die Partner, es umzusetzen. Dass Menschen den Worten mehr glauben als den Taten. Dass Menschen, die wichtige Ankündigungen machen, diese auch wahr machen und große Dinge zum Guten bewegen.

Wenn politisch, wirtschaftlich oder religiös maßgebliche Menschen schon so schwach in der Verwirklichung ihrer Worte sind – warum sollen wir – die wir weniger mächtig und einflussreich sind – uns noch bemühen? Man möchte sich doch als „Kleiner“, als „Kleine“ herausreden, dass „die oben“ das auch nicht machen. Vielleicht wäre das zulässig!

Ich hoffe, Sie haben ein Gewissen – eines, das jetzt ruft „Nein“! Es geht nämlich nicht nur um die, die laut rufen und vorne stehen, sondern um mich – was tue ich, was kann ich tun. Was ist mir möglich, wozu stehe ich. Zwar ist es auch bei uns manchmal so, dass wir hinter den eigenen Worten zurückbleiben - bitter, manchmal eine Tatsache. Aber zu tun, was ich zu tun vermag, ist besser als vorne zu stehen, die Ehrenplätze einzunehmen und mich bedienen zu lassen.

Wir wissen, dass es schwer ist, immer das zu tun was man versprochen, laut gesagt, sich vorgenommen hat. Man ist gescheitert, und wenn man wohlwollend auf dieses Zurückbleiben hinter den eigenen Ansprüchen schaut, erkennt aber an, dass man sich gute, „hehre“ Ziele gesetzt hat, dass die Richtung des Denkens und die Ausrichtung des Lebens stimmen.  So ist das ein Wunsch nach Milde sich selbst, aber auch anderen gegenüber.

 

Bei aller Nachsicht dem Versagen gegenüber bleibt das Ideal wichtig: Als Mensch kongruent leben – das heißt so zu leben, dass die Aussagen, die Forderungen und die Umsetzung im eigenen Leben zusammenstimmen. Wer so als Person authentisch, echt, stimmig lebt, wer das tut was er/sie sagt, ist eine interessante Person für andere Menschen. Sie wirkt mit Sicherheit durch ihr Leben, nicht nur durch ihre Worte.

 

Weniger reden, mehr tun und leben. Das wär´s doch.

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