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Schöpfungszeit

Schöpfungszeit

Sozialpredigt für die Schöpfungszeit, Lesejahr A
Autorin: Lucia Göbesberger, Leiterin Fachbereich Gesellschaft und Soziales sowie Umweltreferentin der Diözese Linz

„Vor einem Hollerstrauch soll man den Hut ziehen.“

 

Ein altes Sprichwort, dsd im ersten Moment vielleicht ein bisschen schräg klingt.


Wer von uns zieht heute noch den Hut – und dann auch noch vor einem Strauch?

Und doch steckt darin eine erstaunliche Weisheit.

 

Der Holler begleitet uns schon lange:
als erfrischender Hollersaft, als „Hugo“ – ja, ich sehe schon das Schmunzeln – und als herrlicher Hollerröster mit Vanilleeis.
Ein Genuss!

Weniger genussvoll: das Abrebbeln der Beeren – zuweilen eine Geduldsprobe oder vielleicht auch etwas Meditatives.

 

Und der Holler kann noch mehr:
Er hat gesundheitsfördernde Wirkung – richtig angewendet.
Aber er kann auch schaden – falsch verwendet.
Früher wurde er manchmal genutzt, um Wein „aufzubessern“. Mit bei unkundigem Pantschen … sagen wir…– bedenklicher Wirkung.

 

Und genau da wird er interessant:
Der Holler ist kein harmloses Pflänzchen.
Er ist ein Stück Schöpfung, das Respekt verlangt.

 

Vielleicht kommt genau daher dieses alte Sprichwort:
„Zieh den Hut!“

 

Denn wer den Hut zieht, der sagt:
Ich sehe dich.
Ich nehme dich ernst.
Ich gehe respektvoll mit dir um.

 

Und ist das nicht genau das, worum es gerade jetzt geht?

 

Wir feiern die Schöpfungszeit – von 1. September bis 4. Oktober.
Eine Zeit, die uns daran erinnern will:
Wir leben nicht allein auf dieser Welt.

 

Wir sind verbunden – mit allem, was lebt.

 

Ein Hollerstrauch im Garten ist vielleicht kein theologisches Lehrbuch.
Aber er kann uns etwas lehren:
Achtsamkeit.
Grenzen.
Und Dankbarkeit.

 

Früher glaubten die Menschen sogar, ein Holler schütze Haus und Hof.
Mag Volksglaube sein.
Aber eines stimmt sicher:
Er hat die Menschen dazu gebracht, die Natur zu achten – und sie eben nicht einfach umzuhauen.

 

Und vielleicht brauchen wir genau das heute wieder:
mehr Haltung - mehr „Hutziehen“.

 

Vielleicht ja ganz konkret:
Beim nächsten Spaziergang stehen bleiben.
Hinschauen.
Nicht achtlos vorbeigehen.

 

Oder – wer es mutig mag –
tatsächlich den Hut ziehen.
Ich verspreche Ihnen: Die Reaktionen werden interessant.

 

Aber vielleicht passiert noch etwas anderes:
Dass wir wieder lernen, die Schöpfung zu sehen – und nicht nur zu benutzen.

 

Am Ende geht es nämlich um etwas ganz Einfaches:
Ein achtsamer Umgang mit dem, was uns umgibt,
fördert Leben.

 

Unser eigenes – und das der Welt.

 

Und ganz ehrlich:
Selbst wenn Sie heute denken sollten, das war jetzt ein bisschen viel… Holler –

 

dann zeigt das nur eines:
Man kommt an ihm einfach nicht vorbei.

 

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