Tuesday 2. June 2020

Gott färbt ab – das ist seine Macht über alle Menschen

Sozialpredigt 24. Mai 2020, Siebenter Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A

(Apg 1,12-14; 1 Petr 4,13-16)

Joh 17,1-11a

 

Autorin: Mag.a Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Pastoralassistentin St. Franziskus/Wels

 

Liebe Geschwister in Gott!

 

Wären Sie gerne mächtig? Oder sind Sie es? In welchem Sinn – über wen oder was bestimmen Sie? Was bewirken Sie dadurch, was belastet Sie? Oder fühlen Sie sich ohnmächtig und ausgeliefert, ohne Gestaltungsspielraum, einfach als ein Rädchen im Getriebe der Gesellschaft?

Das Thema der Macht ist nicht einfach zu greifen, zu vielfältig und auseinanderstrebend sind die Assoziationsketten. Aber es kommt im heutigen Evangelium vor.

 

„Du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben“ - auf diesen Satz der Lesung springen wir vermutlich am schnellsten an. Wer hat da Macht über mich? Was heißt es, wenn Jesus Macht über alle Menschen hat – wie ist das zu verstehen? Wo bleibt die Entscheidung des/der einzelnen, vor allem in Glaubensdingen? Und offensichtlich ist es ja so, dass diese Macht nicht so groß oder absolut zwingend sein kann, denn alle kennen wir Menschen, die mit Jesus oder mit Glauben nichts am Hut haben.

Und was noch kritisch bei vielen von uns anklingt: Macht als Herrschaft – da regiert einer über andere, ohne demokratisch legitimiert zu sein. Mit „Macht von Gott her“, wie sich Monarchien oder andere Führer legitimierten, haben allzu viele Völker auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn also die Rede ist von Gott – in Kombination mit weitergegebener Macht, die sich in Strukturen der Politik oder religiösen Knechtschaft ausdrückt, sind wir heute zu Recht vorsichtig bis allergisch.

 

Diese Macht, von der der Evangelist Johannes spricht, ist eigentlich eine Ermächtigung, ein Möglich-machen. Diese Macht Gottes, vermittelt durch Jesus, macht ewiges Leben möglich, an einer anderen Stelle der Bibel heißt es: als Kinder Gottes zu leben. Sie eröffnet uns einen neuen Raum, einen ganz anderen Spielraum, das Leben zu gestalten: Aus dieser Beziehung zu und Heimat in ihm zu leben, schafft Freiheit: Ich tue, was mir möglich ist, ich erlaube mir, das Schöne des Lebens auch zu genießen, ich weiß mich verbunden mit den nahen und fernen Menschen der Welt, ich weiß, wo ich herkomme und wo ich hingehöre, ich habe eine Ahnung von dem, was mich wirklich trägt, und ich lasse mich von dieser Liebe bewegen.

 

Die gehörte Bibelübersetzung verwendet das Wort „verherrlichen“ – ich empfinde das als ein Wort der religiösen Sondersprache, es kommt sonst in meinem Sprachgebrauch nicht vor und hat einen starken Anklang an „Herrschaft“, auch an das männliche Wort „Herr“. Dieses mehrfach gehörte Wort „verherrlichen“ ist eine Übersetzung für das griechische Wort „doxa“ und bedeutet „Glanz, die Majestät Gottes“, die auch sichtbar werden kann – in Jesus Christus, oder in anderen Menschen. Die Übersetzung der „Bibel in gerechter Sprache“ verwendet diese Bedeutung: „Lass den göttlichen Glanz deines Erwählten erstrahlen, damit dein Erwählter dich erstrahlen lässt“, oder „Mein göttlicher Glanz erstrahlt in ihnen“.

Dieses wunderbare Glänzen kennen wir auch aus dem Alltag: Der Glanz in Kinderaugen – wenn Kinder Geburtstag feiern, netten Besuch bekommen, wenn ihnen etwas gelingt. Der Glanz in Gesichtern von verliebten Menschen, die durch und durch strahlen, wenn sie beisammen sind oder voneinander sprechen. Der Glanz in musizierenden Menschen, die ganz aufgehen in ihren Tönen, in der Interpretation der Musik. Der Glanz in Menschen, die sich schon lange nicht gesehen haben, und die das Wiedersehen und – umarmen genießen. Sie haben da auch eigene Erfahrungen.

Da können wir uns schon was vorstellen: Menschen, die von innen leuchten – aus Begeisterung, voll von Liebe und Güte, wo das Licht aufgeht, wenn man sie trifft. Es ist ein Glanz, der fasziniert, der echt ist und nicht geborgt, der aus einer inneren Autorität her leuchtet und nicht von einem Amt oder Titel her. Auch eine Aura oder Atmosphäre, die wir in Heiligenbildern dargestellt finden, mit der Gloriole, dem Heiligenschein. Dieser Glanz ist im innersten nicht zerstörbar, wie es eine Machtposition wäre, sondern kommt vom Geist Gottes her. Der Glanz Gottes färbt ab, Gott färbt ab, lässt Menschen nicht unberührt, verändert.

 

Diesen Glanz für uns zu entdecken, ist eine bleibende Herausforderung und Aufgabe in unserem Leben als Christ, als Christin: Was begeistert mich an der Botschaft Jesu, wo finde ich Gott in meinem Leben und wo kann ich das Gefundene weitertragen; wann merken andere, dass ich erfüllt bin von Liebe und Hoffnung für die Welt? Auf diesen Menschen – auf uns – liegt der Anspruch, die Welt zum Besseren zu gestalten und zum Leuchten zu bringen. Amen.

 

 

 

Fürbitten

 

Gott, unser Ringen mit den Problemen des Alltags nimmt uns oft gefangen. Du möchtest unseren Blick weiten, auf das was du vorhast mit uns, auf die Welt und alle Menschen. So bitten wir dich:

 

  • Um Ruhe und Sicherheit in unserem Inneren
  • Um tragfähige Beziehungen und ein gutes Sorgen füreinander
  • Um verantwortungsvolle PolitikerInnen mit einem großen Herzen
  • Um ein genaues Wahrnehmen der Not und um Solidarität
  • Um nachhaltiges Handeln für die Bewahrung der Schöpfung
  • Um ein Wiedersehen mit unseren Verstorbenen bei dir

 

Gott, dein Glanz strahlt auf in deinem Sohn Jesus Christus und in vielen Menschen auf der Erde. Fülle uns mit diesem Glanz, schenke uns deine heilige Geistkraft. Darum bitten wir dich mit Jesus, unserem Bruder. Amen.

 

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