Thursday 9. April 2020

"Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert!"

(George Bernhard Shaw)

Sozialpredigt zum 1. Fastensonntag im Jahreskreis,
Lesejahr A


Autor: Wilfried Schiedl, Leiter Regional Caritas Linz

 

Mt 4,1-11

Hat der Urheber dieses Zitates, der irische Schriftsteller George Bernhard Shaw, an die Versuchungsgeschichte gedacht, an die Begegnung von Jesus mit dem klugen Teufel in der Wüste?


Nun, jedenfalls scheint es der Teufel hier gut zu meinen mit Jesus. Dieser kommt quasi gerade von der Taufe am Jordan, bei der ihm die Zusage gegeben worden ist, Gottes geliebter Sohn zu sein. Er hat dort sozusagen den offenen Himmel erblickt, zweifellos ein Höhepunkt, ein zutiefst bewegendes Erlebnis.


Und nun das: 40 Tage in der Wüste, hineingeführt vom Geist Gottes. Wir dürfen wohl vermuten, dass diese Wüste nichts zu tun hat mit einem abgesicherten Mediationserlebnis oder einem Fastenkurs in schöner ruhiger klösterlicher Atmosphäre. Eher scheint mir die Wüste für die absolute mitleidlose Lebensfeindlichkeit zu stehen, hineingeworfen in eine trostlose, trockene Umgebung, Steine und Sand, nichts Nahrhaftes, nur der nagende Hunger. Eine wirkliche Zeit der Krise:  Was gilt denn nun von der zuvor gemachten und wohl beglückenden Erfahrung? Zählt die noch? Und wenn ja, wie zählt Sie? Wie geht denn das nun konkret: Gottes Sohn zu sein mit einer Botschaft? Auf welchem Weg soll diese Kunde in die Welt gehen?

Da kommt er gerade recht, der Ungeist, der scheinbar so vernünftig argumentiert. Gleich beim ersten Teil wird das deutlich. Aus Steinen Brot machen: Wäre das nicht wünschenswert? Der allgegenwärtige Hunger in der Welt, das unglaubliche Elend, das damit verbunden ist, heute vielleicht fast noch mehr als damals. Das eintauschen gegen die Gabe aus dem Wertlosen nahrhaftes Essen zu schaffen. Mit Gott an der Seite endlich Schluss machen mit den jährlichen Katastrophenmeldungen von Hunger hier und Unterernährung dort. Caritas, OXFAM, die UNO und wie sie alle heißen, wären auf einmal arbeitslos in diesem Bereich: Endlich sind alle satt!
Aber Jesus verweigert sich dem schnellen Weg. Nein, es reicht für ihn nicht, dass die Mägen satt sind. Was kommt danach, scheint er zu fragen? Was dann, wenn der vordergründige Hunger gestillt ist? Satt alleine reicht für ihn nicht! Aber man sollte  diese Stelle nicht vorschnell vergeistigen. Jesus wird später in seinem Tun zeigen, welches Wunder wirklich hilft gegen den Hunger der Menschen, der auch auf Leib und Seele drückt: Das Wunder des geteilten Brotes, das alle satt macht.


Nun, der Teufel ist hartnäckig, er bleibt dran. Also weg mit Jesus aus der Wüste, rein in die Heilige Stadt Jerusalem: hinein ins Zentrum der Religion. Oben auf der Spitze, auf dem Tempel, dem Petersdom oder den Türmen Mekkas oder wo auch immer organisierte Religionen ihre Stätten haben ... Ein Wunder würde reichen, ein Beweis, dass er wirklich anders ist, einzigartig ... Der Sohn Gottes soll es beweisen. Es bräuchte ganz wenig. Ein wenig Show, eine kurze Zugabe vor laufenden Kameras, und die Aufmerksamkeit der Welt wäre ihm gewiss. Auch hier widersteht Jesus. Mit Gott in Verbindung sein, auf ihn zu setzen, geht ohne Geschäft und Gegengeschäft. Wer vertraut braucht den erzwungenen Beweis nicht. Dieser würde sogar der Liebe widersprechen. Beweise mir, dass Du mich liebst - wer so spricht, ist bereits außerhalb dieser vorbehaltlosen Zuwendung. Selbst wenn es so verführerisch wäre: Die Kirche als Werkzeug Gottes würde so viel besser dastehen mit nur einer winzigen kleinen Show, eines gezeigten Wunders, ein globaler Wow Effekt und wir hätten die Aufmerksamkeit und die Zuneigung quer durch die Welt, und dann könnten wir in bester Absicht wirken und Gutes tun…


Dann das schwerste Geschütz: Hinauf auf den hohen Berg. Jetzt liegt die ganze Welt zu seinen Füßen. Die Reichen, die Mächtigen, die Imperien, die Machtstrukturen…, wäre das nicht reizvoll? Mit dem Anerkennen der teuflischen Logik durch Jesus wäre es gelöst - könnte das Potential dieser Mächte doch verwendet werden für das Gute. Mit aller Kraft und Gewalt endlich dem Guten, dem Vernünftigen den Weg ebnen - nicht mehr kämpfen, reden, argumentieren, überzeugen müssen, sich nicht mehr verirren müssen im täglichen Hickhack und politischen Getriebe. Mit aller Kraft sagen können, was ist und sein wird … zum Wohle aller wohlgemerkt!
 Z. B. Heute eine Weltregierung, die endlich die Klimakatastrophe gegen alle Widerstände und GegnerInnen klar bekämpft und konsequent ihre Maßnahmen durchzieht!


Aber auch hier scheitert der Teufel: Allein Gott zählt. Nicht die übliche Logik unserer Welt, Geschäft, Gegengeschäft, Machtlogik und sei sie auch noch so gut gemeint. Jesus geht nicht diesen Weg um seine Vision durchzusetzen. Weder die verschlagenen machtpolitischen Spielchen sind seines, noch der revolutionäre Weg, der am Ende die eigenen Kinder frisst.
Jesus beharrt darauf, nur in der Freiheit Gottes verwurzelt zu sein, ihm allein anzuhängen. Das trägt ihn hier durch, gibt ihm die Worte aus der Tradition, mit denen er sich zurechtrückt angesichts der verführerischen Perspektive. Es hilft ihm hier einen dritten Weg zu finden, angesichts der scheinbar aussichtlosen Alternativen: Die Welt ist ganz oft im Elend und daran kannst du nichts wirklich ändern! Oder dagegen: Der Weg zum Besseren geht über die guten Vorsätze, diese müssen durchgekämpft werden, koste es, was es wolle! Kollateralschäden sind dann eben nicht zu vermeiden.


Nein, sein Weg wird ein anderer sein: Er zwingt Gott nicht in die übliche Logik des „Wenn Du mir gibst, dann gebe ich Dir …“ Er vertraut ohne die verführerischen Abkürzungen. Weder religiöses Theater, noch Wunder, noch Macht setzt er ein als Mittel zum Zweck, sondern bleibt geduldig dran am Menschen in seinen alltäglichen Vollzügen. Machtlos, bei den sogenannten Kleinen setzt er an, er geht nicht den Weg über die Mächtigen von Religion und Staat. Mit dieser Entscheidung, zu der sich Jesus durchringt in diesem tagelangen Prozess, wird die Wüste wieder lebendig: die Engel dienen ihm, die Krise ist ausgestanden, der Weg nun klar.


Zu Fuß auf den eigenen Füßen, ohne die verlockenden Ingredienzen von Religion und staatlicher Macht geht es weiter. Von Mensch zu Mensch. Mühsam, manchmal beglückend, oft wohl auch andere enttäuschend, setzt er die frohe Botschaft in die Welt, weil er es Gott allein zutraut, das Unheile zu wenden. Er wird immer wieder Taten setzen, die lokal wie im Brennglas zeigen, worauf es ihm ankommt in der Begegnung mit den armen, kranken, ausgestoßenen Menschen. Er tut was dazu, aber weiß sich aufgefangen bis zum härtesten vorstellbaren vorläufigen Ende am Karfreitag von der Liebe Gottes, die nicht zwingt, blendet oder vortäuscht, sondern in Freiheit setzt Antwort zu geben.


Für uns, die ich uns ohne bösen Beiklang als Weltverbesserer und Weltverbesserinnen bezeichnen möchte (wer wollte denn nicht die Welt verbessern!) ein Hinweis 
auch auf unsere Strategie heute: Von Mensch zu Mensch, ohne die schnellen Abkürzer und falschen trügerischen Versprechungen. Nicht mit Gewalt, ohne Tricks im Vertrauen auf Gott, der uns in Freiheit setzt und in Freiheit sich binden möchte. Fastenzeit so gesehen: Ein Abrüsten unserer klammheimlichen Machtphantasien und insgeheimen Verzweckungen der Menschen. Eine Ermutigung, unser Vertrauen auf Gott zu setzen, in seiner Freiheit der Welt begegnen!
Gedicht auf Anfrage.

 

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