Wednesday 19. February 2020

Dann geht im Dunkel dein Licht auf ...

Sozialpredigt zum 5. Sonntag (9. Februar 2020) i. JK

Lesejahr A

 

Autorin: Lucia Göbesberger,

Theologin und Leiterin der Abteilung Gesellschaft & Theologie

Liebe Brüder und Schwestern!


In der soeben gehörten Stelle aus dem Buch Jesaja wird in den vorherigen Versen die Frage nach der richtigen Lebensweise – einer gottgefälligen, gottesfürchtigen oder unserer Gottesebenbildlichkeit entsprechenden Lebensweise besprochen, dazu gehört die Frage nach dem richtigen Fasten, also nach dem tieferen Sinn des Fastens. Nun das hört sich vielleicht für manche heute nach Spaßbremse an, sind wir doch noch mitten im Fasching und die Fastenzeit beginnt erst Ende Februar. 


In dieser Bibelstelle aus dem Buch Jesaja geht es darum, etwas öffentlich werden zu lassen. „Ein Licht geht auf“ - eine Formulierung, die wir in der Weihnachtszeit immer wieder hören, wiederholt sich hier in dieser Bibelstelle. Lesen wir diese alttestamentliche Stelle aus dem Blickwinkel des Neuen Testaments, so können wir sie so verstehen, dass sich hier die (weihnachtliche) Zusage findet, dass Jesus Christus, das Licht, für uns und vor uns ist. Uns an diesem Licht zu orientieren ist und bleibt Herausforderung für uns und ist zugleich Versprechen. Wir sind aufgefordert in seine Fußstapfen zu treten, so zu handeln, wie er es getan hätte, wie es unser Gottebenbildlichkeit entspricht. Dann geht uns ein Licht auf. Uns geht ein Licht auf - wir verstehen, wir wissen, wie es geht, wo es weitergeht. 


Die gehörte Stelle ist aus dem Neuen Testament, aus dem Evangelium nach Matthäus gehen die Seligpreisungen voraus, ähnlich dem, was wir heute schon gehört haben in der Jesaja-Stelle. Und der vorgelesene Text endet auch mit dem Bild vom Licht. Von einem Licht, das aufgeht, einer Finsternis, die so hell wird wie der Mittag. Aber erst muss die Unterjochung 
beendet werden.


Das Bild vom Joch, ist für uns heute nicht mehr so gut verständlich. Joch: ein Zuggeschirr, mit dem zwei Ochsen vor einen Wagen oder Pflug gespannt werden – wer hat das schon mit eigenen Augen gesehen? Am ehesten noch bei einer Reise oder in einer Fernsehsendung. Die Dramatik ist daher vielleicht weniger zu fassen. Welches Bild könnten wir heute dafür verwenden? Eingespannt, zu einem immer gleichen Trott gezwungen und außerdem eine Last, die aufgebürdet wird. Zugleich eine Vereinfachung – Entscheidungen werden abgenommen; die Aufgabe ist klar; der Weg und Rhythmus ist vorgegeben; vom Besitzer, der Besitzerin hoffentlich gut versorgt und behandelt.


Gemeinsam ist den Bibelstellen, dass sie uns auffordern das Lebensunwürdige, -das Bedrängende, das Lebenseinschränkende – unser eigenes Joch abzuwerfen und aber auch den Bedrängten das Joch abzunehmen. Letzteres könnte unbequem werden, denn es kann heißen, dass wir unseren Lebensstil in Frage stellen müssen und uns eine neue Lebensweise überlegen müssen. Wie kann ein Zusammenleben funktionieren, bei dem niemand auf Kosten der anderen und der zukünftigen Generationen lebt? Zu einem Gutteil ist es uns hier in Österreich schon gelungen, auch wenn die Lohnschere noch immer klafft und die Frage, warum manche Entlohnung hier in Österreich noch immer kein gutes Leben ermöglicht, drängt und irritiert. Die Verteilungsfrage ist in manchen Bereichen seit vielen Jahren festgefahren. Wie werden Jobs bewertet, wem gebührt wieviel? Weniger sichtbar ist die globale Arbeitsteilung. Rohstoffe, Halbfertigprodukte, Gegenstände unseres alltäglichen Lebens haben bereits eine lange Reise hinter sich. Produziert unter Bedingungen, die wir uns besser nicht vorstellen wollen und können. Arbeitsschutz und Umweltschutz gibt es nicht oder werden nicht eingehalten.  Oder sie werden erst dann eingehalten, wenn sich der Blick der Öffentlichkeit nach einer Katastrophe darauf richtet, wie zum Beispiel nach dem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch. 


Auch in Österreich gibt es Handlungsbedarf in ökologischen Fragen. Das viele Jahre gepflegte Selbstbild vom ökologischen Vorzeigeland lässt sich nicht mehr halten. Manche ökologischen Verbesserungen haben sich etabliert und sind selbstverständlich geworden, aber dann scheinen wir an eine Grenze gestoßen zu sein. Eine Grenze der Vorstellungskraft, wie kann gutes Leben aussehen ohne überbordenden Konsum? Hier können wir selbst gestalten. Aber nicht nur das persönliche Tun ist gefragt, es geht auch um politische Weichenstellungen und hier gibt es noch viel zu tun in Österreich und weltweit. So haben die globalen Klimaverhandlungen 2019 in Madrid nicht das erhoffte Ergebnis gebracht. Nicht nur jene, die nicht mehr mitmachen wollen wie die USA, sondern auch die, die Bereitschaft bekundet haben den Klimavertrag von Paris einzuhalten, sind sich nicht einig geworden. Für uns und unsere Zukunft und die der kommenden Generationen wird Glasgow im Dezember 2020 hoffentlich endlich die nötigen Entscheidungen bringen und der Weg in eine gute Zukunft für alle geebnet werden. 


Für eine Umkehr politisch und persönlich, wie es Papst Franziskus nennt, braucht es Vorbilder, Wegweiser, Leitsterne, Lichter – an denen wir uns orientieren können, Menschen, die ein Leben führen, an dem wir uns gerne orientieren wollen und können und Leitsterne und Lichter, die noch in weiter Ferne liegen, noch ungreifbar sind – es braucht den Mut sie wahrzunehmen und einen Versuch zu starten, vielleicht gerade auch im Fasching, wo es ein Leichtes ist neue Rollen einzunehmen – AlltagsradlerIn, BalkongärtnerIn, KlimademonstrantIn, EnergiezählerIn, StromsparerInnen, Öko-Energie-ProduzentIn,…
 

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