Friday 26. February 2021

Einführung:


Das heutige Evangelium lädt uns ein menschliches Verhalten differenziert zu betrachten. Denken, Reden und Handeln gehören zusammen. Jesus möchte uns nicht verurteilen für das, was wir denken und sagen, aber er macht deutlich, dass das Brechen der Gebote oft eine längere Vorgeschichte in unserem Inneren hat.

 

Rufen wir jetzt sein Erbarmen an:
Jesus immer wieder machen uns Wut oder Zorn auf andere Menschen zu schaffen: 
Herr, erbarme dich unser
Jesus die Treue in unseren Partnerschaften ist manchmal eine Herausforderung. 
Christus erbarme dich unser
Jesus das Vertrauen in unsere Mitmenschen ist heute in Gefahr schwächer zu werden. 
Herr, erbarme dich unser

 

Predigt:
Vor ungefähr 20 Jahren saßen in jeder Klasse des Linzer Abendgymnasiums ein bis zwei Frauen über vierzig. Gefragt warum sie die Matura machen wollen, gaben sie Folgendes zur Antwort: Als ich jung war, war es klar, dass nur meine Brüder die Matura machen und studieren dürfen. Ihr Mädchen heiratet eh und seid damit versorgt wurde uns gesagt. Für euch genügen Pflichtschulabschluss und Lehre.
Aber jetzt sind meine Kinder erwachsen und aus dem Haus, mein Mann im Beruf voll eingespannt und ich habe keine Chance mehr auf einen Arbeitsplatz. Jetzt nütze ich meine Chance und erwerbe jene Bildung, die mir vorenthalten worden ist. Diese Frauen lernten begeistert Latein, Kunstgeschichte und Philosophie und saugten das gebotene Wissen richtig auf.
Leider wurde unser Bildungssystem seither ständig ökonomisiert und auf einen guten „Output“ an wirtschaftstauglichen Fertigkeiten umgestellt. Fächer, die nicht nutzbringend sind, wie Kunst oder Musik, Religion oder Philosophie fristen ein Schatten Dasein. Viele Lehrkräfte glauben, dass ihr Fach das wichtigste ist und auf das Erfassen größerer Zusammenhänge wird immer weniger Wert gelegt.
So machen immer mehr Menschen die Matura oder schließen Studien ab, die zwar viel Wissen, aber nicht gebildet sind.
Das verändert auch unsere Gesellschaft. Gerade heute, wo alles immer komplexer wird braucht es dringend Menschen, die kritisch denken, Erfahrungen einordnen und Werte im Zusammenhang mit dem großen Ganzen der Geschichte und Gesellschaft sehen können.
Franz Keplinger, Rektor der Pädagogischen Hochschule der Diözese sagt, dass das erste und wichtigste Ziel von Bildung Menschlichkeit und Humanität sein muss. Unsere demokratische Gesellschaft braucht Menschen, die kritisch denken, sich in andere Personen hineinversetzen und das Ganze in Wirtschaft und Gesellschaft im Blick behalten können.

 

Auch die heutigen Lesungen setzen voraus, dass Menschen gebildet sind. Im Buch Jesus Sirach ist davon die Rede, dass Gott den Menschen Gebote und Vorschriften gab. Aber der Mensch kann sich entscheiden was er wählt und ob er diese Gebote hält. Er muss sich die Konsequenzen seiner Wahl bewusstmachen können, differenzieren und überlegen, um richtige und damit auch Gott gefällige Entscheidungen zu treffen.
Auch das Evangelium ist eine Einladung differenziert mit menschlichem Verhalten umzugehen. Jesus stellt mit seinen markanten Worten: Ich aber sage euch… den Zusammenhang von Gedanken, Gefühlen und Taten klar heraus. Er macht deutlich, dass es zu kurz greift, nur die ausgeführten Handlungen von Menschen zu betrachten und zu beurteilen – das ist die Gerechtigkeit der PharisäerInnen – sondern es geht um den Prozess, der unserem Handeln vorausgeht. 
Wer in Gedanken und Worten zur Gewalt neigt, ist in Gefahr gewalttätig zu werden. Leider können wir das heute direkt beobachten. Unsere Sprache verroht. Menschen werden abgewertet, beschimpft und beleidigt von der höchsten Ebene der Politik bis hinunter zum Stammtisch – ungestraft. Und wenn dann Jugendliche zur Tat schreiten, ausführen, wovon so oft die Rede ist, wundern wir uns.

 

Beziehungen zerbrechen oft nicht erst wegen eines Ehebruches, sondern es begann lange davor, weil die Beteiligten einander nicht mehr wertgeschätzt, gelobt und empathisch wahrgenommen haben. Auch der Austausch im Gespräch ist selten geworden.

 

Auch die Notwendigkeit des Schwures ergibt sich erst dann, wenn das Vertrauen, ob ein Mensch es ernst meint, geschwächt worden ist. Wenn wir einander nicht mehr trauen, wenn wir nicht sagen und tun, was wir wirklich meinen und wollen, dann wird das Zusammenleben vergiftet. Und dann wird gelogen und betrogen und auch der Eid verliert seine Bedeutung für die Wahrheitsfindung.

 

In diesen Bereichen braucht es gebildete Menschen, die immer wieder differenzieren, reflektieren und das Ganze im Blick behalten.

 

In der Kirche war religiöse Bildung auch nicht immer gefragt. Bis zum 2. Vatikanischen Konzil waren viele der Meinung einfache Gläubige brauchen nur zu glauben, was die kirchlichen Autoritäten – und das waren zumeist Priester – lehrten und zu tun was diese von ihnen verlangten.
Diese Zeiten sind vorbei, aber mündige Christen und Christinnen werden manchmal immer noch als anstrengend und unbequem erlebt.
In der heutigen Gesellschaft geht aber ohne religiöse Bildung gar nichts mehr. Selbst ein großes religiöses Faktenwissen ist zu wenig. Rechenschaft geben können müssen wir, wenn wir über unseren Glauben gefragt werden. Argumente abwägen zu können, eine verständliche Sprache und ein glaubwürdiges christliches Leben sind die Voraussetzungen um heute den Glauben weitergeben zu können.
Deshalb hat die Kirche in die Qualität des Religionsunterrichtes viel investiert und Angebote in Pfarren und Bildungshäusern werden gefördert. Dort werden die Glaubensinhalte reflektiert, Kenntnisse über andere religiöse Traditionen erworben und interreligiöser Dialog gefördert. 
Damit könnte die Kirche zur Vorreiterin werden, um den Wert der Bildung für unsere Zeit wieder in den Mittelpunkt zu rücken.

 

Fürbitten:
GL: Treuer und barmherziger Gott dir können wir trauen, deshalb vertrauen wir dir alle unsere Anliegen an und bitten:

 

˃ für Menschen, die verbittert und aggressiv sind.

 

˃ für Menschen, die gegen andere Gewalt anwenden und ihre Opfer

 

˃ für Menschen, die Krisen in ihrer Partnerschaft erleben.

 

˃ für Menschen, die in ihrem Bemühen einander treu zu sein gescheitert sind

 

˃ für Menschen, die lügen und damit das Vertrauen untereinander aufs Spiel setzen

 

˃ für Menschen, deren Vertrauen missbraucht worden ist

 

˃ für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen

 

GL: Gott du hörst uns und begleitest uns auf unserem Lebensweg. Dafür danken wir dir. Amen

 


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