„Mit Bruckner auf der (Daten-)Bank“: Orgelfachtagung in Linz
Insgesamt 60 Orgelsachverständige (Orgelreferenten, -beauftragte ...) aus Deutschland, der Schweiz und aus den Diözesen Österreichs kamen bei der ökumenischen Tagung in Linz zusammen. Im Fokus standen Orgeldokumentation, Orgeldatenbanken und die oberösterreichische Orgellandschaft. Hauptthema des am 27. Mai 2026 im Priesterseminar stattfindenden Studientages war die Orgeldokumentation. Immer wichtiger werden dabei die Orgeldatenbanken, in denen Informationen zu Instrumenten, ihrer Geschichte, ihren Registern und Klangfarben gesammelt und dokumentiert werden. Sie helfen den Expert:innen, sich rasch einen Überblick über die Instrumente und Entwicklungen zu verschaffen.

Ein Teil der Teilnehmer:innen mit Orgelreferent Siegfried Adlberger (vorne l.) im Stift Schlägl © privat
Außerdem gab es Beiträge zum Orgelbau und dem Orgelwesen in Österreich von evangelischer bzw. katholischer Seite. Die Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands (VOD) hielt zudem ihre jährliche Mitgliederversammlung im Priesterseminar ab. Die als Verein organisierte Vereinigung ist besonders für die Aus- und Fortbildung der diözesanen Orgelbeauftragten wichtig, die für ihre Arbeit als unabdingbare Basis dient.
Siegfried Adlberger, Orgelbeauftragter der Diözese Linz, zeigte sich stolz, heuer als Gastgeber der Veranstaltung, die in der Regel in Deutschland stattfindet, fungieren zu können. Anlässlich seiner bevorstehenden Pensionierung hatte er zu diesem ersten Treffen in Linz geladen. „Kunst, Kultur und besonders Musik kennen keine Grenzen“, sagt er. So tue es gut, einmal über den eigenen Tellerrand zu blicken, um voneinander zu lernen und zu profitieren.
Oberösterreichischer Ohrenschmaus für Orgel-Fachleute
Für die Fachleute wurde der Besuch in Oberösterreich auch zum echten (Orgel-)Klangerlebnis: Bei ihren Besuchen in neun oberösterreichischen Kirchen präsentierten Organist:innen ihre bedeutenden Instrumente, allen voran die Brucknerorgeln im Alten Dom / Ignatiuskirche in Linz und in der Basilika des Stiftes St. Florian. Neben weiteren Linzer Kirchen (Hl. Familie, Mariendom, Martin-Luther-Kirche) wurden auch die Orgeln in Aigen im Mühlkreis und in der ehemaligen Klosterkirche Pulgarn (Pfarrgemeinde Steyregg) sowie jene der Stifte Schlägl und Wilhering begutachtet.
Vielfältige Orgellandschaft
Oberösterreichs Orgellandschaft ist vielfältig: Mehr als 800 Kirchenorgeln gibt es aktuell. Bis zu drei Orgeln – wie etwa im Linzer Mariendom – je Kirche. „Wir reden über mehr als 400 Jahre Orgelbau in Österreich“, sagte Adlberger. Die ältesten Orgeln stammen noch aus dem 17. Jahrhundert: Jene in der Wallfahrtskirche Hart in Pischelsdorf, gebaut 1627/28, in der Wallfahrtskirche Allerheiligen (1610 – 1650), in der Filialkirche Altenburg in Windhaag bei Perg (um 1630), die Hauptorgel im Stift Schlägl (1633/34), jene in der Stiftskirche Baumgartenberg (1662) und jene in der Kaplaneikirche Kirchberg bei Kremsmünster (1682). Die Bedeutung der Orgel ist in der Diözese Linz bis heute groß. „Kirchenmusik ist gelebte Liturgie und kein Beiwagerl“, sagt Adlberger. Musik sei ein wesentlicher Teil des Gottesdienstes. Sie könne die Menschen unmittelbar erreichen und berühren.
Oberösterreichs berühmte Brucknerorgeln
In Oberösterreich prägen bis heute mehrere berühmte, nach Anton Bruckner benannte Instrumente die Orgellandschaft. Die zwei wichtigsten Bruckner-Orgeln befinden sich im Alten Dom in Linz und im Stift St. Florian.

Im Rahmen der Orgelfachtagung 2026 besuchten die rund 60 Teilnehmer:innen auch den Alten Dom in Linz, wo die Bruckner-Orgel begutachtet wurde. © Diözese Linz / Siegfried Adlberger
Die Brucknerorgel im Alten Dom Linz (Ignatiuskirche) zählt zu den bedeutendsten Klangdenkmälern Österreichs. Das Instrument, an dem Anton Bruckner (1824 – 1896) während seiner Tätigkeit als Linzer Domorganist von 1855 bis 1868 wirkte, befindet sich heute noch als einzige der sogenannten Brucknerorgeln im Originalzustand.
Die Orgel wurde ursprünglich 1764 für die Stiftskirche Engelszell gebaut. Sie war die erste Arbeit nördlich der Alpen des berühmten Laibacher Priesters und Orgelbauers Franz Xaver Chrismann (Krisman). Nach der Auflösung des Stiftes kam die Orgel 1789 in die Linzer Jesuitenkirche, die 1784 zur Domkirche der neuerrichteten Diözese Linz erhoben worden war. Zwischen 1857 und 1867 wurde die Orgel vom Ottensheimer Orgelbaumeister Josef Breinbauer klanglich umgestaltet und den Wünschen Bruckners entsprechend umgebaut. 1892 wurden durch Leopold Breinbauer noch kleinere klangliche Anpassungen durchgeführt. Heute präsentiert sich die Brucknerorgel als authentisches, in seiner Art einzigartiges Bruckner-Monument und als besonders farbiges Beispiel österreichischer Orgelromantik.
Weitere Informationen zur Brucknerorgel im Alten Dom
Weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist die mit vier Manualen, 103 Registern und 7389 Orgelpfeifen ausgestattete Brucknerorgel in der Stiftsbasilika des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Florian. Diese wurde von 1770 bis 1774 ebenfalls von Franz Xaver Chrismann erbaut und 1930 nach dem ehemaligen Florianer Sängerknaben, Lehrer, Organisten und Komponisten Anton Bruckner benannt. Bruckner war von 1848 bis 1855 Stiftsorganist und hat unter „seiner“ Orgel seine letzte Ruhestätte gefunden.

Im Rahmen der Orgelfachtagung 2026 besuchten die rund 60 Teilnehmer:innen auch das Augustiner-Chorherrenstift St. Florian, wo die Bruckner-Orgel in der Stiftsbasilika begutachtet wurde. © Diözese Linz / Siegfried Adlberger
Weitere Informationen zur Brucknerorgel in St. Florian