Verbunden durch Worte – Adventprojekt spannt ein Netz über Linz
„Ich wollte in der Adventszeit eine kleine Form der Aufmerksamkeit, ein Zeichen der Nähe setzen, insbesondere vor der Perspektive des erneut drohenden Lockdowns “ so fasst Mag.a Martina Resch ihr Anliegen zusammen. Angeknüpft hat sie an ihre Erfahrungen im Advent 2020, wo sie bewusst geheimnisvoll Karten mit drei Zeilen im öffentlichen Raum ausgelegt hat, ohne zu wissen, wo diese auf Resonanz treffen. „Dieses Jahr war es mir ein stärkeres Bedürfnis die Worte zu reduzieren, die Sichtbarkeit aber zu verdeutlichen.“ Und so ist in Martina Resch das innere Bild entstanden, dass ein einziges Wort berühren und den Rhythmus der Schritte in der Stadt wohltuend unterbrechen könnte. Die Idee war, Leerstände und generell Fensterscheiben zu nutzen, damit an ihnen so ein Wort Platz finden darf: „Eine Art Herbergssuche der Wörter,“ wie es Martina Resch ausdrückt. Dazu hat die Kundschafterin ein Gedicht aus 24 Zeilen verfasst und aus ihm 24 Wörter extrahiert. Diese Wörter waren dann der Ausgangspunkt für die Herbergssuche.
Machen Sie einfach!
„Ich habe begonnen ein paar Gastgeber*innen für die Worte anzufragen. Manche waren überrascht, andere Wörter haben mich gefunden, so sind zum Beispiel die Mitarbeiter*innen eines Jugendzentrums in Linz auf mich zugekommen und haben gefragt, ob sie ein Wort beherbergen dürfen.“ Bei manchen Orten, die Martina Resch im Kopf hatte, war es jedoch schwierig die richtigen Ansprechpersonen zu finden, dort blieben auch manche Antworten aus. Andere Anfragen endeten überraschend positiv: „Ein herausfordernder Ort war etwa ein großes innerstädtisches Einkaufscenter, wo ich unsicher war: Wen frage ich und wie? Und dann habe ich trotz der großen Skepsis eine Zusage bekommen, mit den Worten: Machen Sie einfach. Bei dieser Erfahrung wurde für mich deutlich, dass man nur auf die Menschen zugehen und sie mit der Idee – hinter der man steht – konfrontieren muss. Dann hat man gar nichts zu verlieren.“ Wichtig war auch, dass Martina Resch auf bereits gewachsene Beziehungen mit Unternehmer*innen der Innenstadt zurückgreifen konnte, denn überall dort waren die Rückmeldungen sehr freudig.
Worte finden ihren Ort
Am Ende hatte Martina Resch das Gefühl, dass alle Worte gut zu ihrem Ort und zu ihren Gastgeber*innen gepasst haben, wobei das sowohl säkulare als auch kirchliche Orte, wie etwa die Katholische Hochschulgemeinde, waren. Wichtig war Martina Resch zusätzlich, ganz unterschiedliche Orte zu finden, die auch verschieden konnotiert waren und von verschiedenen Menschen aufgesucht werden, seien es Studierende, Jugendliche oder einfach Passant*innen. Manche Worte wurden von ihren jeweiligen Gastgeber*innen selbst gewählt, andere haben sich regelrecht an einem bestimmten Ort aufgedrängt: „Da bin ich hingegangen und habe sofort gewusst, das ist der Ort für dieses Wort.“ Bei den Gastgeber*innen hat sie eine ähnliche Erfahrung gemacht. So hat eine von ihnen ein Wort gewählt, dass in weiterer Folge ihr Jahresmotto geworden ist. „Bei einem Gastgeber*innen-Pärchen konnte ich einen Dialog beobachten, welches Wort sie wollen, warum und weshalb. Das war besonders, zu beobachten, was für ein Gespräch sich auf Grund eines einzigen Wortes entwickeln kann.“
Vom Himmel zur Erde
An den Orten der Wörter hinterließ sie jeweils kleine Kärtchen mit einer Minimal-Beschreibung dessen, was sie mit den Worten intendiert hat. Im Lauf des Dezembers hat Martina Resch dann täglich ein Wort gemeinsam mit einem Text auf ihrer Facebook-Seite geteilt, wobei manche der Texte und Bilder von den Gastgeber*innen selbst stammten. Damit hat Martina Resch versucht die digitale Welt mit der analogen in Berührung zu bringen. Die Reihenfolge der Worte hat sich meist vom Ort her ergeben: „Oft waren Worte in ähnlichen Grätzeln der Stadt direkt hintereinander. Aber das erste Wort hat sich durch die Gastgeberin, meine Grafikerin, ergeben, die hatte den Himmel gewählt. Im Lauf der Zeit wusste ich dann auch deutlich, was das letzte Wort sein sollte, nämlich Erde.“
Verbunden sein - Ein Netz in der Stadt
Vorbehalte gegenüber Kirche hat Martina Resch bei ihrer Initiative keine wahrgenommen, vielmehr wurde sie als kirchliche Mitarbeiterin offen und herzlich aufgenommen: „Die Gastgeber*innen haben sich gefreut, dass Kirche auf sie als Unternehmer*innen zugeht, weil sie sonst eher ein distanzierteres Verhältnis wahrnehmen. Sie haben gerne am Projekt teilgenommen und mir rückgemeldet, dass sie es schön fanden, mit anderen Unternehmer*innen in Linz verbunden zu sein, auch wenn sie sie gar nicht persönlich kennen.“ Das ist es auch, was Martina Resch wichtig war: Vielfältige Verwebungen, bis in den digitalen Raum hinein, zu schaffen.
Resonanzen
„Die Resonanzen im digitalen Raum waren gut und die Verwebung konnte auch etwas auslösen. Eine Frau ist zum Beispiel extra nach Linz gefahren, um in einem Stadtspaziergang die Wörter zu suchen. Dann hat sie Bilder gemacht und diese auf Facebook geteilt.“ Eine andere Frau hat auf Facebook geschrieben: „Voll schön, ich bin heute mit dem Himmel aufgewacht“ – weil sie gegenüber dem Fenster mit dem Wort wohnt und das als erstes am Morgen gesehen hat. Darüber hinaus mag es Martina Resch, zu fantasieren, was angestoßen durch die Wörter bei Menschen passiert sein könnte: „Die Vorstellung, dass Menschen durch die einzelnen Worte in Kontakt gekommen sind, hat mir sehr viel Mut und Kraft gegeben.“ In Kontakt kommen und Berührungspunkte mit Kirche schaffen ist auch das Anliegen, dass Martina Resch mit ihren Angeboten als Wundersucherin verfolgt: „Ich habe eine Sehnsucht, ein anderes Bild von Kirche anzubieten. In all der Freiheit, ob es angenommen wird oder nicht, aber mit der Hoffnung, dass es integriert wird und das Bild von Kirche vielfältiger erscheinen lässt.“
Verwebungen mit Kunst und Kultur
Dieses Anliegen zeigt Erfolg und so reichen die Verwebungen von Martina Reschs Arbeit bis in den Kunst- und Kulturbereich und über die Stadtgrenzen hinaus. So wurde sie in Folge der Adventaktion zu einem Interview des Freien Radio Freistadts eingeladen und durfte dort über die Wundersucherin erzählen. Außerdem hat auch der OÖ Kulturbericht angefragt, ob sie nicht etwas zum Thema Anfang schreiben möchte: „Der Anfang war mir so nah im Advent, also habe ich gerne dazu geschrieben. Ich finde es großartig, wenn man als Theologin für Kunst und Kultur angefragt wird und dort seine Gedanken streuen darf.“
Ästhetik als Gelingensbedingung
Fragt man Martina Resch, was für sie zum Gelingen eines solchen Projekts notwendig ist, so überlegt sie kurz, dann sprudelt es aus ihr heraus: „Die Ästhetik ist eine wesentliche Gelingensbedingung. Dabei muss man vom Ort her denken und die Ästhetik an den jeweiligen Ort anpassen. Sonst funktioniert es nicht und irgendwelche A4-Papier-Ausdrucke hätte ich wohl in den Geschäften nicht aufhängen dürfen. Ansonsten gilt: Einfach wagen, einfach tun und nicht lange zögern.“
Text: Mag.a Melanie Wurzer BA