Adventbeginn im Ausnahmezustand
Dass sich die Situation am Arbeitsplatz derzeit von Tag zu Tag ändern kann, daran sind die Seelsorger*innen in den Altenheimen schon seit Beginn der Pandemie gewöhnt. Im Seniorenzentrum Franckviertel traf Dipl.-PAss.in Dipl.-Päd.in Birgit Schopf zu Adventbeginn auf Grund einer Corona-Fallhäufung auf besondere Voraussetzungen: „So stark wie Ende November waren wir noch nie betroffen. In den bisherigen Lockdowns waren es immer nur einzelne Stockwerke, die in Quarantäne waren, und in den anderen konnten Gruppenangebote gemacht werden. Aber da war das gar nicht mehr möglich.“
Fünf Minuten Adventkranzsegnung
So musste auch die Adventkranzsegnung in der geplanten Form abgesagt werden. Um den Bewohner*innen dennoch etwas Advent in die Zimmer zu bringen, hat Birgit Schopf für jede*n einen Brief vorbereitet, der gemeinsam mit einem gesegneten Zweig von den Pflegepersonen zu den Bewohner*innen gebracht wurde. Da sie die Zweige jedoch nicht alleine segnen wollte, hat sie kurzerhand mit einigen wenigen Mitarbeiter*innen eine Adventkranzsegnung gemacht: „Es war am Nachmittag, die meisten waren kurz vor dem Heimgehen. Da habe ich die Heimleiterin, die Pflegedienstleiterin, die Ordinationshilfe und die Wohnbereichsleiterin gefragt, ob sie nicht vielleicht noch fünf Minuten Zeit hätten, um gemeinsam die Kränze und die Zweige zu segnen.“ Alle waren bereit, sich die Zeit zu nehmen und so gingen sie in die finstere Kapelle. Die Seelsorgerin las eine Geschichte vor und gemeinsam wurde ein kurzes Segensgebet gesprochen. „Und schön war’s!“, erzählt Birgit Schopf. „Danach sind alle dagesessen und hatten es gar nicht eilig heimzugehen, obwohl sie vorher schon am Aufbrechen waren.“

Vom Wünschbaum zum Pflückbaum
Seit Anfang Dezember steht ein Christbaum in der Halle des Seniorenzentrums. Im vorigen Jahr war das ein Wunschbaum, auf den die Bewohner*innen Wünsche schreiben konnten. „Heuer hat das Personal keine Ressource dafür und ich habe auch das Gefühl, die Leute wollen sich eher nichts von der Seele schreiben, sondern brauchen vielmehr eine Wohltat. Also habe ich einen Pflückbaum gestaltet, bei dem auch die Mitarbeiter*innen im Fokus stehen“, erzählt Birgit Schopf. So ist das Motto des Baumes: „Adventkalender – Die Kraft des guten Wortes – Pflückt euch ein wohltuendes Wort oder eine süße Kleinigkeit für jeden Tag im Advent vom Baum!“
Kleine Zeichen der Solidarität
In dem derzeit stark belasteten Alltag sind es die vielen kleinen Solidaritätsbekundungen, die den Mitarbeiter*innen gut tun, schildert Birgit Schopf: „Zum Beispiel die Adventkränze, die haben wir von einem großen Blumenhändler gespendet bekommen. Oder letztens haben wir eine Kuchenlieferung vom Seniorenzentrum Neue Heimat mit einer total netten Botschaft dazu, geschickt bekommen. Umgekehrt haben auch wir was geschickt, als die anderen Heime stark betroffen waren. Diese kleinen Zeichen der Solidarität tun irrsinnig gut.“
Fokus verändert sich
Mit den Corona-bedingten Belastungen des Pflegepersonals und der zeitweise starken Betroffenheit des Heimes verändert sich der Fokus der seelsorglichen Arbeit. So ist es vermehrt notwendig, sich Zeit für die Mitarbeiter*innen zu nehmen: „Wir hatten zum Beispiel eine Kollegin, die war einen Monat zuhause, weil sie und ihre Familie nacheinander in Quarantäne waren. Da ist es mir dann wichtig, dass ich nachfrage: Wie geht es dir denn? Und mir dann auch die Zeit zum Reden nehme.“

Einzelbesuche statt gemeinsame Feiern
Die Arbeit mit den Bewohner*innen des Seniorenheims hat sich ebenfalls verändert: „Ich mache derzeit nur Einzelbesuche bei den wenigen, die nicht infiziert und nicht in Quarantäne sind. Sobald die Quarantäne vorbei ist, schaue ich vorbei und frage, wie es ihnen geht.“ Die Bewohner*innen in Quarantäne plagt große Langeweile, daher lässt ihnen Birgit Schopf durch das Pflegepersonal Bastelarbeiten, wie etwa das Ausschneiden der Sterne für den Pflückbaum, zukommen. Verändert hat sich auch das Abschiednehmen und Sterben: „Die, denen es wirklich schlecht geht, kommen ins Krankenhaus. Manchmal kommen sie aber zum Sterben wieder zurück, weil sie hier dafür einfach besser aufgehoben sind. Dadurch sind derzeit sehr oft Menschen im kompletten Schutzanzug unterwegs und auf Grund der Hygienevorschriften können wir leider unser übliches Abschiedsritual, bei dem wir kurz die verstorbene Person gewürdigt haben, nicht machen.“
Man weiß nie, was kommt
Generell ist es derzeit sehr schwierig, Angebote für die Bewohner*innen zu planen, aber das ist Birgit Schopf, wie alle ihre Kolleg*innen, seit Beginn der Pandemie gewöhnt: „Wenn man ins Haus kommt, weiß man nie, was kommt und was man darf. Insofern heißt es erstmal: Lage sondieren und schauen, was man machen kann.“ Doch sobald es möglich ist, wird die Seelsorgerin wieder kleine Feiern in den jeweiligen Stockwerken anbieten. Wie Weihnachten gefeiert werden kann, weiß sie noch nicht, eine große Feier wird es aber sicher nicht sein können.
Text: Mag.a Melanie Wurzer BA