Zeitzeug*innen des „Jugendzentrums FIO“ gesucht!
Von 1969 bis 1991 bestand das besagte Jugendzentrum im Steyrer Stadtteil Ennsleite. Obwohl es sich dabei um eine Einrichtung handelte, die weit über Steyr hinaus als „legendär“ galt, wurde bei den Recherchen zu kirchlichen Beiträgen zum Rahmenprogramm der Landesausstellung in Steyr deutlich, dass es kaum historische Dokumente dazu gibt. Ausgehend von dieser Beobachtung sah der Projektleiter „Landesausstellung/Kirche in der Stadt“, Mag. Karl Ramsmaier, die Notwendigkeit, Informationen zum „FIO“ zusammenzutragen. „Bald wurde klar, dass die Zeit drängt, wenn man für eine solche Dokumentation auch ehemalige Mitglieder des Jugendzentrums befragen möchte. Außerdem ist es auch für die heutige Pastoral wichtig, dass positive Beispiele von Kirche gut dokumentiert sind“, erzählt Karl Ramsmaier.

Faszination FIO
Fragt man einen der Gründer des Jugendzentrums FIO und langjährigen Direktor des Bildungshauses Schloss Puchberg, Dr. Wilhelm Achleitner, was die besondere Faszination des Jugendzentrums ausgemacht hat, erzählt er von zahlreichen positiven Erinnerungen und Erfahrungen. Zum Beispiel, dass die im FIO angestellten Kapläne KsR. Franz Haidinger und KsR. Franz Friedl einerseits damals selbst sehr jung und damit nah an der Jugend waren und andererseits „unendlich viel Zeit“ für die Jugendlichen hatten. Außerdem fiel die Entstehung des FIO in die Jahre der starken Euphorie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. An den Jugendgottesdiensten nahmen bis zu 1000 Personen teil, die sogar mit Bussen dorthin gebracht wurden. Die so genannten „Clubs“ haben diese Gottesdienste, in denen auch getanzt wurde, vorbereitet. „Die Musik war dabei sehr wichtig, sowie auch das Gefühl willkommen zu sein und das Wissen, die Zeit dort gestalten zu dürfen“, erzählt Wilhelm Achleitner. Der Name FIO, der für die Abkürzung „Future is ours“ steht und gleichzeitig im Lateinischen „ich werde“ bedeutet, war also Programm.

Broschüre „Kirchlicher Aufbruch und Avantgarde“
Um diese Faszination nachhaltig in Worte zu fassen, hat Wilhelm Achleitner eine 30-seitige Broschüre mit dem Titel „Kirchlicher Aufbruch und Avantgarde“ herausgegeben. Darin kommen Zeitzeug*innen zu Wort, die über ihre persönlichen Erfahrungen im FIO berichten. Wilhelm Achleitner ergänzt zum Erarbeitungsprozess der Broschüre: „Mir selber ist dabei vieles von damals wieder ganz gegenwärtig geworden. Es war für uns eine große Zeit, wirksam für das ganze Leben!“ Eine Vielzahl der Beiträge nimmt die Anfangszeit des FIO in den Fokus. Autor*innen sind etwa: Wilhelm Achleitner, Franz Haidinger, Christine Schaffer, Veronika und Hannes Hieslmayr, Maria Gabriele Treschnitzer, Franz Steinmaßl und Melanie Berger.
Forschungsprojekt in Planung
Eine gründliche Erforschung der Entstehung, der Hintergründe, aber auch der Entwicklung und der Besonderheiten des FIOs ist nun beabsichtigt. Dazu äußerten die Professorin der Kirchengeschichte und Patrologie an der Katholischen Privatuniversität Linz, Univ.-Prof.in Dr.in Ines Weber, und ihre langjährige studentische Mitarbeiterin Doris Kastner, die derzeit selbst im Steyrer Jugendzentrum „Gewölbe“ tätig ist, großes Interesse. Im ersten Schritt ist an die Erstellung einer Dissertation gedacht, die in weiterer Folge als Buch publiziert werden soll. Überlegt wird im Anschluss daran auch die Gestaltung einer Ausstellung. Für die wissenschaftliche Aufarbeitung sollen nicht nur schriftliche Dokumente ausgewertet, sondern auch ehemalige Mitarbeiter*innen und Besucher*innen des FIO interviewt und befragt werden. Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt braucht jedoch noch Sponsor*innen und die Unterstützung ehemaliger Mitarbeiter*innen und Besucher*innen des FIO. Diese werden gebeten, sich bei Wilhelm Achleitner zu melden: wilhelm.achleitner@aon.at.
Wer neugierig geworden ist und bereits jetzt mehr über das FIO erfahren möchte, kann die genannte Broschüre bei Wilhelm Achleitner, im Pfarrbüro Steyr-Ennsleite, in der Stadtpfarrkirche Steyr und bei Karl Ramsmaier (Projekt „Kirche und Landesausstellung 2021“) bestellen.
Text: Mag.a Melanie Wurzer BA