Firmvorbereitung und Firmung im Corona-Jahr 2021
Derzeit ist die Corona-Situation eine ganz andere als sie in den Herbst- und Wintermonaten war. Genau in diese Zeit mit strengen Einschränkungen fiel in vielen Pfarren die Firmvorbereitung. Der Vorteil in diesem Jahr war, dass es aus dem Vorjahr auch in den Pfarren bereits Erfahrung mit Online- und anderen coronakonformen Angeboten gab. So konnten bereits bei den Vorbereitungen der Firmstunden gewisse Faktoren berücksichtigt werden, wie etwa Dipl. PAss Elisabeth Lamplmayr (Pfarrassistentin in der Pfarre Pichl bei Wels) erzählt: „Im Firm-Team war uns wichtig, dass wir eine Vorbereitung anbieten können, die durchführbar ist und bleibt. Wir wollten vermeiden, dass wir immer wieder verschieben oder absagen müssen, so wurden wir kreativ und haben einiges geplant, das wir auch für andere Vorbereitungen mitnehmen werden.“ Gefragt war in der Firmvorbereitung jedenfalls nicht nur die die Flexibilität der Seelsorger*innen, sondern auch die Flexibilität und Eigenständigkeit der Jugendlichen. „Das passt aus meiner Sicht gut zum Sakrament der Firmung, da die Jugendlichen da ja für ihren Glauben eigenverantwortlich sorgen sollen, wenn auch begleitet durch die Pat*innen, also Menschen die den Weg mit ihnen gehen“, beschreibt Lamplmayr.
Die Rahmenbedingungen ändern die Angebote
In der Pfarre Heilige Familie in Wels begannen die Änderungen in der Firmvorbereitung schon bei der Anmeldung. Denn normalerweise führt die Pastoralassistentin Mag.a Birgit Raffelsberger mit jedem Firmling ein persönliches Gespräch, um die gegenseitigen Vorstellungen zur Firmvorbereitung und zum Sakrament selbst zu klären. Da diese Gespräche im November und damit im Lockdown stattgefunden haben, wurden sie bereits online geführt.
Raffelsberger bot zuerst eine Online-Vorbereitung an und später, gemäß den Möglichkeiten, eine in Präsenz. Als hilfreich empfand Raffelsberger dazu die Online-Firmstunden, die es auf spiricloud.at als Angebot der Katholischen Jugend der Erzdiözese Salzburg gab. Ihre Firmlinge sollten drei der dortigen Themenblöcke absolvieren. Um den persönlichen Bezug dennoch aufrecht zu halten und auch den Bezug zur Pfarre in irgendeiner Form zu ermöglichen, ließ sich Raffelsberger die Ergebnisse von den Firmlingen schicken und präsentierte sie auf Pinnwänden in der Pfarrkirche. So konnten auch die Besucher*innen der Kirche erfahren, wer in diesem Jahr gefirmt werden wird und was die jeweiligen Jugendlichen beschäftigt.
In den Pfarren Gaflenz, Maria Neustift, Großraming und Laussa, in denen Mag. Martin Rögner als Pastoralassistent und Diakon tätig ist, wurde mit der Firmanmeldung überhaupt bis zum Jänner gewartet und mit den Firmstunden erst begonnen, als die Coronamaßnahmen gelockert wurden.
Wanderungen statt Firmwochenende
Wie in vielen anderen Pfarren, ist auch in den Pfarren, in denen Martin Rögner tätig ist, das Firmwochenende üblicherweise das Highlight der Firmvorbereitung. Da dies in diesem Jahr nicht möglich war, wurde es vielerorts durch Wanderungen oder „Schnitzeljagden“ mit den Pat*innen ersetzt. Dazu erzählt Rögner: „Unsere Firmlinge konnten in einem bestimmten Zeitraum auf einer je nach Pfarre geeigneten Strecke, in der jeweiligen Gegend, gemeinsam mit den Pat*innen eine Schnitzeljagd absolvieren.“
Die Firmlinge aus Pichl spazierten gemeinsam mit ihren Pat*innen im Kurpark in Bad Schallerbach, inhaltlich begleitet durch die App Espoto. Lamplmayr hat damit gute Erfahrungen gemacht: „Dieses Konzept haben wir schon im Vorjahr gestaltet, damit es für die Firmlinge und Pat*innen individuell in einem bestimmten Zeitraum gemacht werden kann. Die Rückmeldungen dazu waren sehr positiv. Durch das gemeinsame Beschäftigen haben sich Firmling und Pate*in besser kennen gelernt und sind so, nicht nur im übertragenen Sinn, gemeinsam ein Stück des Weges gegangen.“ Diese Form möchte Lamplmayr jedenfalls für zukünftige Jahre in der Firmvorbereitung weiterführen.
Gottesdienste zur Firmvorbereitung
Hilfreich für die Gestaltung der Vorbereitung auf die Firmung war die Möglichkeit, auch während der Lockdowns Gottesdienste feiern zu können. So konnte der Firmstart der Pfarren Großraming und Maria Neustift gemeinsam in der großen Pfarrkirche Maria Neustift gefeiert werden.
In der Pfarre Heilige Familie wurden im Zuge der Firmvorbereitung drei Jugendmessen gefeiert, zu denen die Eltern, Geschwister und die Pat*innen der Firmlinge eingeladen waren. Raffelsberger berichtet: „Das wurde gut aufgenommen. Obwohl die Teilnahme freiwillig war, waren bei allen Firmlingen vier bis fünf Leute dabei und damit wurde es fast so etwas wie eine Familienfeier.“
Als Treffen in Kleingruppen wieder möglich waren, wurden diese genutzt, um die Dekorationen und Materialien für die Gottesdienste vorzubereiten. So stellte Raffelsberger etwa im Vorfeld die Frage, wo sich Christ*innen in der Gesellschaft einbringen können. Eine Antwort lautete, im Umweltschutz. Also sammelten die Firmlinge in ihrem persönlichen Umfeld Aludosen, aus denen wiederum ein 2,5 m großes Kreuz gestaltet wurde, das für die Firmung bepflanzt wurde. Oder, unter dem Motto „Guter Geist erfüllt die Welt“ wurden Papierflieger gebastelt, die die Firmlinge im Gottesdienst von der Orgel wegfliegen ließen.
Pat*innengeschenke und Zeit-Geschenke
Sowohl in der Pfarre Pichl, als auch in Wels Heilige Familie gestalteten die Firmlinge im Zuge der Firmvorbereitung Geschenke. In Wels waren das Getränkedosen, die unter dem Motto „Heiliger Geist verleiht Flügel“ gestaltet worden sind und bei der Firmung an die Pat*innen überreicht wurden. In der Pfarre Pichl wurden Zeitgeschenke in die Firmvorbereitung eingebaut. Dort bekamen die Firmlinge nach der Anmeldung eine „Ich schenk dir Zeit“-Karte überreicht. Auf dieser Karte waren acht vorgeschlagene Zeitgeschenke, von denen mindestens zwei die bis zum ersten Gruppentreffen an beliebige Personen verschenkt werden sollten. Die Fotos davon wurden vor Beginn der Firm-Feier in der Kirche projiziert. Von den Ergebnissen war Lamplmayr begeistert: „Die Zeitgeschenke haben sich die Jugendlichen sehr genau überlegt und haben viele kreative Ideen gehabt, das wurde dann durch die Fotos sichtbar, die sie geschickt haben.
Lehrreiches aus dem Corona-Jahr
Rückblickend gab es für Raffelsberger einiges, dass sie aus diesem Jahr für zukünftige Firmungen bzw. Firmvorbereitungen mitnehmen möchte. So entfiel heuer der Elternabend, es wurde aber auch deutlich, dass der gar nicht benötigt wird. Denn die Gottesdienste gemeinsam mit der Familie ermöglichen vieles, das sonst beim Elternabend stattgefunden hat. Die Nutzung neuer Kommunikationswege, wie etwa der Austausch über Messenger-Dienste ist etwas, das sich beide, Lamplmayr und Raffelsberger, für die Zukunft mitnehmen möchten. „Diese Kommunikation ist sogar persönlicher, das war mir gar nicht bewusst. So kann man zum Beispiel ganz unkompliziert Weihnachtswünsche an alle Firmlinge versenden. Das haben wir bisher nie gemacht. Durch diese Online-Medien hatten wir deutlich mehr Kontakt zu den Jugendlichen als in den Jahren zuvor und die Kombination aus dieser Kommunikation und der persönlichen, direkten Kommunikation ergänzt sich“, erzählt Raffelsberger.
Die Online-Firmstunden haben die Firmlinge in der Pfarre Pichl durchaus genossen, erzählt Lamplmayr: „Die Jugendlichen haben wirklich viel Spaß gehabt und sie haben uns auch rückgemeldet, dass es entgegen ihren Befürchtungen, ganz anders war, als Online-Unterricht, denn sie konnten sich in der Online-Firmvorbereitung voll einbringen.“
Demgegenüber haben die Firmlinge der Pfarre Heilige Familie in Wels Raffelsberger deutlich gemacht, dass ihnen die persönlichen Kontakte sehr wichtig waren. So kamen etwa Rückmeldungen, wie: „Die letzten Stunden gemeinsam waren viel lustiger“, oder: „Ich bin froh, dass es überhaupt stattgefunden hat und ich die Firmvorbereitung und Firmung noch vor dem Schulwechsel machen konnte.“
Deutlich weniger Firmlinge als in anderen Jahren
Insgesamt gab es in Wels Heilige Familie in diesem Jahr nur halb so viele Firmlinge, wie in den Jahren ohne Corona. Besonders für die kroatisch-stämmigen Jugendlichen ist die Vorgabe, dass jede*r Firmling nur 10 Gäste zur Firmung mitnehmen darf, abschreckend. In diesem Fall warten sie lieber auf ein anderes Jahr. Für Raffelsberger war die kleinere Gruppe kein Nachteil: „Die geringere Zahl ist gar nicht so schlecht. Die Abwicklung ist einfacher, als mit 50 Personen und durch die kleinere Zahl wird es auch deutlich persönlicher.“
Feiern mit Beschränkungen
Die Corona-Beschränkungen prägten auch die Firmungen selbst. Wenn auch die Pfarrgemeinde fehlte, so waren die Feiern doch deutlich familiärer, da sind sich die drei Seelsorger*innen einig. Aber auch damit gingen manche Pfarren kreativ um. So wurden die Firmungen der Pfarren Laussa, Losenstein und Reichraming gestreamt, damit die Menschen, die nicht vor Ort mitfeiern konnten, zumindest zu Hause die Gottesdienste mitverfolgen konnten.
Durch die zahlenmäßigen Beschränkungen wurden in vielen Pfarren mehrere Firmungen gefeiert. Das stellte sich durchaus als Herausforderung für die Teams rund um die Seelsorger*innen dar, leben diese Feiern doch von einer starken Beteiligung der Ehrenamtlichen in den Pfarren: Musiker*innen, Mesner*innen, Verantwortliche für Dekoration und dergleichen. Dazu Raffelsberger: „Zwei Firmungen und vier Erstkommunionen, das ist schon sehr viel. Mehr geht nicht. Das war uns nicht bewusst. Nun wissen wir es.“
Text: Mag.a Melanie Wurzer BA