Katholikentag in Würzburg
Bischof Dr. Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz sagte: „Würzburg hat gezeigt: Wir sind gemeinsam unterwegs, jeder und jede mit seinem Charisma. Die Brücken über den Main sind sinnbildlich für unseren kirchlichen Weg zu verstehen. Wir müssen Brücken bauen, um andere zu erreichen. Deshalb ist es gut, dass dieser Katholikentag starke politische Statements gesetzt und ein unmissverständliches Bekenntnis zur Demokratie abgelegt hat. Wir als Kirche werden auch weiterhin unsere auf einer christlichen Wertebasis errungene Freiheit und Demokratie schützen, gegen alle Parolen, die uns anderes verheißen wollen. Hab Mut, steh auf! Das ist ein Ansporn für jeden von uns, auch für mich. Von Würzburg gehe ich mit Zuversicht und Gottvertrauen in die Zukunft. Und ich freue mich, dass wir in unserem kirchlichen Leben weitere Brücken zum nächsten Katholikentag nach Paderborn schlagen werden.“
Reisebegleiter Manfred Hofmann, Generalsekretär der KA OÖ hat auf der Heimreise Teilnehmende aus Österreich zu ihren Eindrücken befragt:
Was hättest du dir nicht erwartet?
Regina: Für mich war eine sehr positive Überraschung diese Fülle sowohl an Tiefe als auch an Breite des Angebotes, das weit über die katholischen Grenzen hinaus gestaltet wurde – sowohl ökumenischer Art bei allen Gottesdiensten, als auch ins Weltliche hinein, wenn ich an die kulturellen Angebote denke. Das gehört alles zum Leben und das hat mich sehr positiv überrascht.
Christa: Ich hätte nicht erwartet, dass so eine besondere Stimmung und Atmosphäre in Würzburg sein würde. Dass die Menschen alle mit einem Gefühl der Hoffnung und des Mutes unterwegs sind. Berührt haben mich die vielen Künstler:innen. Beim Abschlussgottesdienst auf dem Residenzplatz fand ich das Lied von Carolina No sehr berührend. Gern hätte ich noch mehr Veranstaltungen (aus den insgesamt 900 an diesen Tagen) besucht, es war großartig, was da geboten wurde.
Astrid: Diese Vielfalt an kulturellen, gesellschaftspolitischen und spirituellen Angeboten. Es gab zu allen Fragen der heutigen Zeit in Gesellschaft und Kirche ein passendes Angebot. Ich hätte nicht erwartet, dass alles so reibungslos funktioniert, die Katholikentags-App war sehr praktisch.
Michael: Die sehr gute Zugänglichkeit und die Diskussionen auf der Kirchenmeile, wo sich verschiedenste kirchliche Player präsentiert haben.
Was hat dich berührt?
Bernhard: Ich habe zwei biblische Dialoge gehört. Der eine war von einer jüdischen und einer katholischen Theologin gestaltet, die über den Geist Gottes miteinander gesprochen haben. Berührt hat mich dabei, wie sie sich in einer aufmerksamen Weise gegenseitig die Bälle zugeworfen haben, und ein gemeinsames Verständnis von dem, was der Geist Gottes sein kann, vermittelt haben.
Am nächsten Tag war ich bei einem Dialog zwischen einem katholischen Bischof und einer jungen Islamwissenschaftlerin, die über die Bibelstelle der Heilung des Bartimäus, aus der auch das Motto des Katholikentages „Hab Mut, Steh auf!“ stammt, miteinander gesprochen haben und so behutsam miteinander umgegangen sind, das war einfach sehr berührend.
Astrid: Es war sehr schön, in dieser Gruppe zu reisen und sich immer wieder untereinander über das Erlebte auszutauschen. Alle großen Krisen der Welt wurden thematisiert. Die spirituellen Angebote dazwischen und die Gespräche mit den Menschen haben das aber aushaltbar gemacht. Das ist für mich eine Form geworden, wie wir durch Krisen gehen können.
Michael: Die Orgelkonzerte haben mich berührt, wo der ganze, mit 1400 Menschen gefüllte Kiliansdom, mitgesungen hat.
Helmut: Der schöne biblische Dialog, den der Bischof Bertram Meier mit der muslimischen Theologin Asaam El Maaroufi über die Bibelstelle vom blinden Bartimäus geführt hat.
Manfred: Ich war bei einem morgendlichen Konzert in einem Gartenpavillon mit Sängerin Judy Baley.
Sie und ihr Mann haben diese Stunde mit berührenden Texten und Liedern gestaltet. Die Geschichten aus ihrem Familienalltag brachten theologische Themen in einer für alle verständlichen Weise auf den Punkt. Das fand ich bewundernswert und berührend.
Was von deinen Erfahrungen in Würzburg möchtest du daheim ins Leben bringen?
Reinhard: Ich war in einer Veranstaltung zum Thema Ehrenamt. Dort kam heraus, dass sich EA oft nicht wertgeschätzt fühlen. Auf der anderen Seite gilt das aber auch für viele Hauptamtliche. Bei Veränderungen in der Kirche müssen die Ehrenamtlichen mitgenommen und beteiligt werden. Von der Bibel können wir lernen, dass immer zwei Jünger gemeinsam ausgesendet worden – einerseits, damit sie sich gegenseitig stärken, andererseits aber auch, damit sie nicht egoistisch werden. Und das wäre eine gute Idee auch für das Ehrenamt.
Brigitte: Ich war in der „Streit-Bar“ in der Demokratiekirche. Dort konnte man selber ein Thema oder eine Frage einbringen, und mit anderen, die sich dazugesetzt haben, diskutieren. Ich habe das ausprobiert und innerhalb von Minuten war der Kreis voll mit Menschen allen Alters. Wir haben über eine Stunde miteinandergeredet. Ich überlege die ganze Zeit, wie wir das zu Hause umsetzen könnten, das war eine tolle Erfahrung.
Astrid: Ich möchte eine mutige Stimme der Hoffnung sein.
Manfred: Ich habe in Würzburg mehrfach gehört, dass es zur Stärkung der Demokratie eine lohnende Aufgabe der Kirche sein kann, Räume und Zeiten zu schaffen, in denen Menschen mit unterschiedlichen Meinungen wieder miteinander ins Gespräch kommen können. Genau das haben wir in der Katholischen Aktion mit dem Projekt MITUNTER GEGENÜBER in der nächsten Zeit vor.
Die Katholische Aktion wird auch 2028 eine Gruppenreise zum Katholikentag organisieren.
Der 105. Deutsche Katholikentag wird von 24. – 28. Mai 2028 in Paderborn über die Bühne gehen.
Zum Bericht der KA Österreich: Die Kraft der Einheit ist stärker als die Destruktivität der Spaltung
Zum Bericht Diözese Linz: „Hab Mut, steh auf!": 74.000 Menschen beim Deutschen Katholikentag in Würzburg