„Ich muss nicht alles gleichzeitig bewegen ...“

Warum ich mich als Frau in der Katholischen Kirche in Oberösterreich engagiere und einbringe ...
Als deutsches Nordlicht bringe ich bewusst eine Außenperspektive in die Diözese Linz ein. Dieser Blick von außen ist für mich kein Abstand, sondern eine Chance: Er erlaubt es, Gewohntes neu zu betrachten, Selbstverständliches zu hinterfragen und Entwicklungen anzustoßen.
Frischer Wind entsteht dort, wo unterschiedliche Erfahrungen aufeinandertreffen. Ich habe Kirche in verschiedenen Kontexten erlebt und gelernt, Vielfalt als Bereicherung zu verstehen. Genau diese Vielfalt möchte ich einbringen – mit Offenheit, mit Neugier und mit dem Mut, Fragen zu stellen.
Mir ist wichtig, Räume zu schaffen, in denen geprüft, reflektiert und weitergedacht wird – ganz im Sinne des paulinischen Gedankens: alles zu prüfen und das Gute zu behalten. Entwicklung geschieht nicht durch Stillstand, sondern durch ehrlichen Austausch, Weitung des Blicks und gemeinsames Ringen um tragfähige Lösungen.
Themen, die mir als Frau unter den Nägeln brennen ...
Im Zentrum steht für mich die Gleichberechtigung aller Menschen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Lebensform. Dabei geht es mir nicht um ein Gegeneinander oder um eine Bevorzugung von Frauen als nachträglichen Ausgleich für Jahrhunderte patriarchaler Strukturen.
Es geht um ein echtes Miteinander. Um eine Kultur des Respekts, in der jede Person mit ihrer Würde gesehen und anerkannt wird. Gleichberechtigung beginnt für mich im Alltag: im Zuhören, im Ernstnehmen von Erfahrungen, im fairen Zugang zu Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten.
Ich wünsche mir eine Kirche, die die Vielfalt ihrer Mitglieder nicht nur duldet, sondern als geistliche und gesellschaftliche Stärke versteht.
Diese gesellschaftspolitischen Themen stehen meiner Meinung nach jetzt an ...
Gleichberechtigung, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit sind für mich keine voneinander getrennten Themen, sondern eng miteinander verwoben. Sie betreffen unser Zusammenleben, unseren Umgang mit der Schöpfung und unsere Verantwortung füreinander – global wie lokal.
Dabei denke ich sowohl an die großen gesellschaftlichen Debatten als auch an die kleinen, konkreten Schritte vor Ort. Veränderung beginnt dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen.
Ein besonderes Anliegen ist mir der Blick auf die jungen Generationen. Sie sind nicht nur „Zukunft“, sondern bereits Gegenwart. Ich erlebe sie als wach, reflektiert und widerstandsfähig – oft viel stärker, als wir ihnen zutrauen. Es braucht Vertrauen in ihre Fähigkeiten, echte Beteiligung und die Bereitschaft, ihnen Raum zu geben.
Was oder wer mich beGEISTert und mir Kraft gibt, damit Kirche lebendig wird und in Bewegung bleibt ...
Was mich trägt, ist das Vertrauen in eine innere Ordnung des Lebens: dass Entwicklungen reifen dürfen und dass jeder Abschnitt seine eigene Aufgabe bereithält. Dieses Bewusstsein schenkt mir Ruhe. Es bewahrt mich davor, mich vom Druck permanenter Veränderung antreiben zu lassen oder mich in Erwartungen zu verlieren, die meine Kräfte übersteigen.
Ich muss nicht alles gleichzeitig bewegen. Ich darf Schritt für Schritt gehen. Ich darf aus dem heraus handeln, was mir gegeben ist – mit meinen Fähigkeiten, meiner Erfahrung und meiner Energie. Nicht getrieben, sondern bewusst. Nicht erschöpft, sondern kraftvoll. Daraus entsteht eine Gelassenheit, die nicht passiv ist, sondern klar und handlungsfähig.
Alles, was deine Hand, solange du Kraft hast, zu tun vorfindet, das tu!
(Koh 9,10a)
Für mich bedeutet das: wach zu sein für das, was jetzt ansteht, und es mit Hingabe und Verantwortungsbewusstsein zu tun. Kirche bleibt lebendig, wenn Menschen aus dieser inneren Freiheit heraus handeln – verwurzelt im Vertrauen, getragen vom Geist und bereit, ihren Teil beizutragen.
Zur Person:
Verena Fuhrmann BSc ist Referentin für Junge Erwachsene, Festivalseelsorge und Denk Dich Neu im Team Jugend und Junge Erwachsene.