Sonntag 27. Mai 2018

Die Glasfenster

Da der Mariendom in Etappen erbaut wurde, werden auch in der Glasmalerei die Unterschiede verschiedener Epochen anschaulich.

Die alten Lang- und Querhausfenster (1910-1924)

 

Die 42 Fenster des Lang- und Querhauses stellen die größte Fenstergruppe dar. Sie wurden ab 1910 von der Tiroler Glasmalereianstalt gestaltet, erzählen Geschichten und behandeln verschiedene Themen.

Sie prägen den ersten Eindruck, den der Dom auf BesucherInnenn macht und allein ihre Größe ist beeindruckend: 18 m2 messen die unteren, 26 m2 die oberen Fenster.

Sie überraschen durch ihre für Kirchenfenster unüblichen Farben und die Abbildung realer Personen.

 

Die bekanntesten dieser alten Domfenster sind das sogenannte Linzer Fenster, welches Darstellungen aus der Linzer Geschichte zeigt, das Grundsteinlegungsfenster sowie das Fenster zur Glockenweihe. Außerdem sind in den Fenstern auch die Abbilder verschiedener Sponsoren des Kirchenbaus abgebildet.

 

Glasfenster "Glockenweihe" (Böhm-Führer Nr. 9), Detail: Glockenweihe am 30. April 1902 durch Bischof Franz Maria Doppelbauer
Buntglasfenster mit Darstellung der Grundsteinlegung des Linzer Doms durch Bischof Rudigier 1862.

Fotos: AndreasPraefcke/wikimedia.org/PD

 

Die Turmkapellenfenster (1930 und 1934)

 

Die zwölf Fenster in der Turmkapelle wurden vom gebürtigen Rheinländer Josef Raukamp hergestellt und beeindrucken vor allem durch die Vielfalt der Muster und ihre leuchtenden Farben.

Die Fenster der rechten Kapelle enthalten Portraits der jeweiligen Stifter, an den Fenstern der linken Kapelle lässt sich am Rand die Widmung erkennen.

 

Die Rosetten (1920)

 

In der Vierung sieht man die beiden Rosettenfenster, die das Querschiff abschließen: im Osten das Friedensfenster, westlich das Kriegsfenster.

Ersteres zeigt die göttlichen Tugenden, die Kardinaltugenden sowie die sieben Werke der Barmherzigkeit, dargestellt durch beispielhafte Heilige. Die ursprünglich am Fenster dargestellten Symbole des Friedens wurden im zweiten Weltkrieg zerstört und durch Portraits bischöflicher Bauherren und damaliger Domkapitulare ersetzt.

Im Zentrum des Kriegsfensters stehen Symbole des Krieges sowie die sieben Hauptsünden.

 

Die Turmrosette ist der "musica sacra" geweiht  und zeigt  die Hl. Cäcilia umgeben von musizierenden Engeln und den zwölf Tierkreiszeichen. Die Rosette wird von der Rudigier-Orgel verdeckt.

 

Foto: PEDA Kunstverlag Passau

 

Die Presbyteriumsfenster (1885)

 

Die elf Fenster im Presbyterium stehen unter dem Thema "Maria im Leben Jesu" und wurden von der Tiroler Glasmalerei hergestellt. Auch heute noch ist interessant, wer bei diesen Fenstern als Sponsor auftrat und welche Themen dabei unterstützt wurden.

So findet sich beispielsweise bei den Fenstern "Jesus im Tempel" sowie "Hochzeit zu Kana" die Sparkasse Linz als Sponsor, für die Spende der Fenster "Der Leichnam Christ im Schoße seiner Mutter" und "Grablegung Christi" traten die Prälaten der oberöstereichischen Stifte ein.

 

Die Kapellenkranzfenster (1994)

 

Die modernen Fenster des Kapellenkranzes sind ab 1993 entstanden, der Künstler Karl-Martin Hartmann aus Wiesbaden hat sie entworfen, die Firma Derix in Taunusstein bei Wiesbaden hergestellt.

 

Moderne Glasfenster im Linzer Mariendom

Foto: © AndreasPraefcke/wikimedia.org

Im Spätherbst 1994 wurden sie eingebaut. Ein Bombentreffer des zweiten Weltkrieges hatte die originalen Fenster zerstört, durch den bewussten Einsatz von moderner Kunst sollte ein Denkmal des Dankes für 50 Friedensjahre gesetzt werden.

Es wurden hier keine figurativen Szenen geschaffen, da durch die eingesetzte intensive Farb- und Formenwirkung zu kontemplativem Gebet, sinnlicher und kreativer Betrachtung geladen werden soll, Fragen und Widerspruch werden aufgeworfen.

"Hier ist gut sein", war das Motto des Künstlers bei der Konzeption der Fenster. Eine Beschreibung der Schöpfung mit Hinweisen auf moderne Entdeckungen und Beobachtungen aus dem Universum, dies vor allem in den unteren Bereichen der Fenster, soll vollzogen werden. Es ist ein Versuch, die Frage nach Leben und Tod, Vergänglichkeit und Grenzen der Menschen und nach Gott selbst mittels farbigem und intensivem Licht darzustellen.

 

Die Votikkapellenfenster (1868)

 

Die Votivkapelle, fast eine eigene kleine Kirche am Chorabschluss, ist der älteste Bauteil des Domes. Sie wurde schon 1869, noch zu Lebzeiten Bischof Rudigiers, fertiggestellt und geweiht. Die Fenster wurden vom bekannten Wiener Künstler Johann Klein entworfen und ihre Wirkung entsteht vor allem durch die Farbigkeit und die kräftigen Akzente, die sich durch die Verwendung der Grundfarben in komplementärer Anordnung bilden.

Der Text auf den Spruchbändern der Engel ergibt die Worte des Erzengels Gabriel un der Elisabet: AVE - MARIA - GRATIA - PLENA - DOMINUS - TECUM - BENEDICTA - TU - IN - MULIERIBUS (Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen, LK 1,28.42).

 

Die Kryptafenster (1884)

 

Auch die 27 Fenster in der Krypta wurden von der Tiroler Glasmalerei gestaltet. Die drei Fenster im Chorschluss hinter dem Altar der Gruftkapelle zeigen figuralen Schmuck, alle anderen Fenster weisen lediglich Symbole auf, wie beispielsweise eine Flamme im Dreieck, eine Sanduhr mit Sense, usw. 

 

Mehr Informationen über die Glasfenster im Mariendom finden Sie in den Glasfensterführern, die am Schriftenstand aufliegen und im DomCenter erhältlich sind.

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