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Ein Symboldbild für Gemeinschaft

Synodaler Prozess

Y4/2026

 

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) hat eine Volk- Gottes-Theologie entwickelt. Papst Franziskus hat mit der Weltsynode (2021–2024) einen Prozess eingeleitet, um diese Theologie weiterzudenken und zu überlegen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Unter Papst Leo XIV geht es jetzt um Wege der Umsetzung von Synodalität in der Kirche. Bernhard Steiner, Obmann der KMB in Oberösterreich, ist Mitglied der Synodengruppe der Diözese Linz. Ypsilon hat ihn zum Gespräch getroffen.

 

Ypsilon: Der synodale Prozess ist ein Ringen um Antworten auf Fragen, die sich der Kirche und der Gesellschaft heute stellen. Welche Fragen sind das konkret?

 

Steiner: In der Gesellschaft geht es um Polarisierungen, die Demokratie ist auf dem Prüfstand, das Recht des Stärkeren setzt sich mehr und mehr durch. Was bedeutet das für unser Miteinander und für unsere Zukunft? Das gilt auch für die Kirche, in der es unterschiedliche Ansätze gibt, die zum Teil polarisierend sind. Im synodalen Prozess wollen wir herausfinden, wie wir trotz der Spannungen miteinander unterwegs sein können. Wie kommt eine Gruppe vom „ICH“ zum „WIR“? Wie kommen wir zu einem gemeinsamen Standpunkt? Die Methode ist das „Gespräch im Geist“. Da schaffen es Menschen mit völlig unterschiedlichen Positionen, sich an einen Tisch zu setzen und etwas Gemeinsames zu finden.

 

Was sind die besonders polarisierenden Themen in der Kirche?

Zum Beispiel die Minderbewertung von Frauen. Das wird im synodalen Prozess klar angesprochen und auch die Lösung ist klar: Es kann nicht sein, dass Frauen aufgrund ihres Frauseins zurückgesetzt werden! Das ist so auch niedergegeschrieben, erst kürzlich in der Enzyklika Magnifica Humanitas von Leo XIV. Da schreibt der Papst, dass es überhaupt nicht geht, dass Frauen und Männer unterschiedlich behandelt werden, unterschiedliche Wertigkeiten haben oder unterschiedliche Aufgaben, dass es irgendwelche Beschränkungen gibt. Das ist die Lehre der Kirche, schwarz auf weiß.


Das Gleiche gilt für die hierarchischen Strukturen. Im Zweiten Vatikanum hatten wir noch diese Trennung zwischen Klerus und Laien. Heute wird klar gesagt, dass das so nicht geht, weil die gemeinsame Taufe die Grundlage des Miteinanders ist. Diese Themen liegen alle klar am Tisch. Jetzt geht es darum, dass wir sie ernst nehmen und in die Praxis bringen.


Die Linzer Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar ist europaweit eine der treibenden Kräfte des synodalen Prozesses. Sie spricht von einem grundlegenden Kulturwandel in der katholischen Kirche.

Es muss und es wird sich viel ändern. Es gilt, neu zu erklären, was diese Gleichheit, diese Gemeinsamkeit des Getauftseins bedeutet. Als Getaufte, Männer und Frauen, haben wir Anteil am priesterlichen, königlichen, prophetischen Dienst durch Christus. In der Praxis ist jetzt schon viel mehr möglich, als getan wird. In den kommenden Jahren geht es darum, zu experimentieren. Probiert es einmal aus, schaut euch das alles einmal an.

 

Wie finden die vatikanischen Texte den Weg in die Pfarrgemeinden?

Es gibt in jeder Diözese eine Synodengruppe, die verantwortlich ist, den synodalen Prozess zu begleiten, zu unterstützen, zu fördern. Die Gruppe soll möglichst vielfältig besetzt sein: Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und Gruppierungen, Ehrenamtliche, Hauptamtliche, Priester. Die erste Voraussetzung für die Arbeit in den Pfarren ist, die Dokumente einmal zu lesen, damit man weiß, was da wirklich drinsteht. Ich erlebe immer wieder, dass sogar Entscheidungsträger in der Kirche keine Ahnung davon haben. Dann geht es darum, miteinander zu überlegen, was das für uns Christinnen und Christen, für unsere Pfarrgemeinde heißt. Wir haben eine Checkliste erstellt, die dabei hilft, sich die Arbeitsweise und die Strukturen in der Pfarre anhand der synodalen Texte einmal anzuschauen. Was habt ihr schon verwirklicht? Wo muss noch nachgeschärft werden? Und was wäre noch alles möglich?


Gibt es schon Rückmeldungen von Pfarren?

Die Form des „geistlichen Gespräches“ als Methode wird immer wieder gelobt. Die Ergebnisse werden stärker von allen getragen, als das bisher der Fall war. Tendenziell wird einmal das aus- probiert, was am Ehesten funktioniert, was am leichtesten umzusetzen ist. Die konkreten Ergebnisse werden dann bei einer Diözesanversammlung im Frühjahr 2027 zusammengetragen.


Hast du auch von Problemen gehört?

Ja, weil wir jetzt gefordert sind. Es ist unser Job, das auf den Boden zu bringen. Wir können nicht kritisieren, dass die Kirche so hierarchisch ist und auf die Hierarchie warten, dass sie die Prozesse umsetzt. Wir haben jetzt eine Erlaubnis dafür, viele Dinge zu tun, die wir immer tun wollten, Dinge, die wir bis vor Kurzem nicht für möglich gehalten haben. Wenn wir das jetzt nicht machen, dann verpufft alles wieder. Ein Beispiel: Pfarren werden von Teams geleitet, es gibt keinen Chef. Das haben wir so nicht gelernt. Wie soll das gehen? Es muss doch einen geben, der sagt, wo’s langgeht. Viele Leute sind damit überfordert. Ich denke da an die Geschichte vom Auszug aus Ägypten. Am Anfang haben sie die große Freiheit vor Augen und spätestens nach einem Monat kommen sie drauf, dass Freiheit auch anstrengend ist.

 

Und dann gibt es ganz praktische Sachen, an die wir nicht gedacht haben: Dass wir jetzt Schwierigkeiten haben, theologisch ausgebildete Leute zu bekommen, die in den Gemeinden in der Seelsorge arbeiten. Und zwar nicht als Chefs, sondern in der Rolle als Begleiterinnen oder Begleiter. Da gibt es dann keine attraktiven Führungspositionen, die sich die Leute gewünscht hätten. Da geht es natürlich auch um Macht und wir reden nur mehr vom Dienst. Ich sage immer, die schlimmste, die gefährlichste Macht ist die, die sich als Dienst verkleidet.


Aktuell wird viel über die Synodalisierung der Liturgie gesprochen. Worum geht es hier genau?
Das Kernthema der Kirche würde nicht diskutiert, wenn wir das Problem des Priestermangels nicht hätten, weil sonst ginge es ja so weiter wie bisher. Doch die Not ist mittlerweile sehr groß. In einer ersten Reaktion hat man Priester aus Afrika und anderen Weltregionen nach Europa geschickt. Heute sehen wir, zumindest in meiner Diözese, dass das nicht der Weg sein kann. Also müssen wir andere, neue Wege für die Gestaltung der Liturgie finden. Vielleicht ist es ja eine Finte des Heiligen Geistes, dass es weniger Priester gibt und wir uns damit auseinander- setzen müssen.


Wohin geht die Reise aus deiner Sicht?

Es geht wieder um die Beteiligung aller Getauften. Liturgie heißt, wir feiern miteinander Gottesdienst. Wie können wir sicherstellen, dass dieses Feiern stattfindet und wie können wir alle in die Feier einbeziehen? Da können sich nicht die Priester oder die Liturgen zusammensetzen und sagen, wir überlegen uns das. Synodalität heißt, dass wir uns alle an einen Tisch setzen und uns das miteinander anschauen. Aus meiner Sicht wird es eine Vielfalt an liturgischen Formen geben, daran müssen wir aber noch arbeiten.


Kannst du uns ein Beispiel nennen, das dich besonders beschäftigt?

In vielen Gemeinden gibt es nur mehr einmal im Monat eine Eucharistiefeier, sonst Wortgottesdienste. Und da poppt immer das Thema auf, mit oder ohne Kommunion zu feiern. Kommunion und Eucharistie gehören zusammen, das kann ich nicht voneinander trennen. Die Leute kommen ja in die Kirche, um miteinander zu feiern und die Kommunion zu empfangen. Wie können wir diesen Bedürfnissen gerecht werden? Wie wollen wir miteinander feiern? Wie können wir die liturgischen Erfordernisse und den theologischen Hintergrund miteinander in Harmonie bringen? Das müssen wir in einem synodalen Prozess besprechen.


Die Themen, die die österreichische und westeuropäische Kirche beschäftigen, sind allerdings oft ganz andere als in anderen Teilen der Welt. Wie kann es da zu einer Einheit kommen?

Es steht im Abschlussdokument ganz viel von der Vielfalt, die die Einheit nicht beeinträchtigt. Es wird die Kirche nicht zerreißen, wenn es unterschiedliche kulturelle Wege gibt.

Autor: Christian Brandstätter

 

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