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Peter Kaubisch  ist Erzeihungswissenschaftler und Verantwortlich für das Vater-Kind-Programm in Salzburg

Männlichkeit, die sich kümmert

Y3/2026

Traditionelle Männlichkeitsvorstellungen – „Reiß dich zusammen!“

Die Lebenswirklichkeit von Burschen und Männern ist von einer gewissen Kälte und Härte geprägt. Von Männern wird traditionellerweise erwartet, erfolgreich zu sein, kompetent und stark. Gleichzeitig sollen sie nicht emotional sein und stoisch aushalten, was ihnen widerfährt, sich andererseits aber auch dagegen wehren. Sie sollen souverän sein und - wenn notwenig - aggressiv genug, um andere zu schützen; im Zweifelsfall ohne Rücksicht auf das eigene Wohlergehen. Offenbar erleben junge Männer Hilfsbereitschaft, Fürsorge und Wertschätzung ohne Leistung auch seltener als Frauen.

 

Diese Vorstellungen und die damit verbundenen Ansprüche wirken stark in Männern, vor allem weil sie – auch heute noch – gesellschaftlich reproduziert werden – von Frauen wie von Männern, in Alltag, Medien und Popkultur, durch die Art und Weise, wie Männlichkeit dargestellt wird und vor allem wie wir mit Buben und Männern umgehen.

 

„Caring Masculinity“ - Fürsorglichen Männlichkeit

Die Idee einer „Caring Masculinity“ („Fürsorglichen Männlichkeit“) will ein alternatives Bild von Männlichkeit propagieren. Unter dem Begriff wird vor allem eine vermehrte Übernahme sogenannter „Care-Arbeit“ im Haushalt, in der Pflege und Erziehung oder auch in sozialen Berufen verstanden sowie eine Abkehr von tradierten Männerbildern wie etwa einer starken Orientierung auf Erwerbsarbeit, Macht, Wettbewerb und Dominanz. Traditionell bzw. stereotyp als „männlich“ beschriebene Eigenschaften sind jedoch nicht per se schädlich, solange man dabei respektvoll mit den eigenen und fremden Grenzen umgeht und die Freiheit anderer nicht einschränkt. Das Streben nach Kompetenz, Selbstsicherheit oder Stärke ist grundsätzlich etwas Sinnvolles. Schädlich wird es, wenn dieses Streben nach eigener Verbesserung in Konkurrenz zu anderen definiert wird und „Mann“ die eigene Identität und das Selbstwertgefühl daraus ableitet; wenn das Ziel nicht mehr ist, etwas gut zu können, sondern „unbedingt besser als andere“.

 

Integration traditioneller Vorstellungen

„Caring Masculinity“ sollte deswegen weiter gefasst werden, nämlich als „Männlichkeit, die sich kümmert“. Die Care-Arbeit gehört dazu, weil es schlicht richtig und wichtig ist, als Vater Zeit mit den Kindern zu verbringen oder sich um den Haushalt zu kümmern. Kinder brauchen präsente Väter und zudem macht es glücklich, etwas für andere Menschen zu tun. Aber auch Lohnarbeit oder Ehrenamt kann „Caring Masculinity“ sein. Denn es geht dabei vor allem um ein „Wie“ und nicht nur um ein „Was“. Es geht darum, sich selbst und den Mitmenschen mit mehr Nachsicht zu begegnen, mit mehr Wertschätzung und letztlich liebevoller: Verletzlichkeiten und Schwächen anzuerkennen, Nähe zuzulassen, Verständnis zu schenken, füreinander und für sich einzustehen, eigene Emotionen ernst zu nehmen und zu artikulieren. Das steht einem gesunden Maß von Aspekten „traditioneller Männlichkeit“ nicht entgegen, sondern ergänzt sie.

 

Es ist in Ordnung, wahrscheinlich sogar gesund, Spaß an Wettkampf und „rough play“ zu haben. Es ist gut, etwas leisten zu wollen. Disziplin und Durchhaltevermögen sind in vielen Situationen einfach notwendig. Deswegen sollte ein Konzept von „Caring Masculinity“ diese Anteile nicht ausschließen, sondern integrieren. Denn ob solche Eigenschaften gut oder schädlich sind, ist eine Frage des Zeitpunkts und der Dosis; also abhängig davon, ob sie mit Achtsamkeit für sich und andere ausgelebt werden oder nicht.

 

Die Integration von Fürsorglichkeit in Männlichkeitsbildern können wir fördern, indem wir als Gesellschaft Burschen und Männer in ihren Emotionen, Schwächen und Niederlagen besser annehmen. Wertschätzung und letztlich auch die Attraktivität in den Augen von PartnerInnen sollten für Männer nicht mehr so sehr von Eigenschaften wie Kompetenz und Stärke abhängig sein, die in ihrer Überhöhung für so viele Probleme sorgen.

 

Viele Männer leben diese Form von „Caring Masculinity“ ohnehin schon längst – mehr oder weniger. In der KMB wird dieser Ansatz in vielen Bereichen sichtbar und erlebbar. Sowohl in der Männerberatung als auch im Vater-Kind- Programm ist die Idee eines fürsorglichen Umgangs mit sich und anderen ein tragendes Element.

 

Autor: Peter Kaubisch ist Erziehungswissenschaftler und verantwortlich für das

Vater-Kind-Programm der KMB Salzburg

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