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Menschen in der Mariahilferstraße sitzend

Hände weg vom freien Sonntag

Y4/2025

Der Wiener Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck hat Ende August erneut eine Debatte über die Sonntagsöffnung im Handel losgetreten.

Walter Veit, Präsident der Österreichischen Hotelvereinigung, schloss sich kurz darauf diesem Vorschlag an. Gewerkschaft und Kirche lehnen ab.

Dieses Mal musste der Song Contest als Begründung herhalten. „Wien gilt als besonders lebenswerte Weltstadt, lassen wir die ausländischen Gäste das doch genießen. Dazu sollten die Händler die Freiheit haben, auch am Sonntag aufzusperren“, meinte Ruck. Veit legte nach: „Es kommen so viele Menschen mit guter Stimmung, Geld und Zeit ins Land: Lassen wir sie einkaufen! Die Stadt und der Staat können das Geld genauso gut brauchen wie viele Händler und Handelsbeschäftigte, die für einen Tag Arbeit zwei bezahlt bekommen.“

 

Untermauert wird der neuerliche Vorstoß für offene Geschäfte am Sonntag durch eine aktuelle Umfrage der Johannes Kepler Universität Linz. Diese ergab, dass 63 Prozent der Wiener Bevölkerung am Sonntag hin und wieder gerne einkaufen würden, die Zustimmung bei den Jüngeren ist mit knapp drei Viertel der Befragten noch höher. Die Befürworter offener Geschäfte wollen vor allem Lebensmittel und Drogeriewaren kaufen oder sich in Ruhe neu einkleiden.

 

Jene 37 Prozent der Wienerinnen und Wiener, die einer SiebenTage-Shopping-Woche nichts abgewinnen können, halten den freien Sonntag als Kulturgut hoch und räumen Handelsangestellten das Recht auf einen einheitlichen Tag ohne Arbeit ein. Der Sonntag gehöre nicht Supermärkten und Modeketten, sondern der Familie und anderen Freizeitaktivitäten.

 

Von Gewerkschaftsseite wurde Rucks Vorstoß umgehend abgelehnt. „Sonntagsarbeit auf dem Rücken der Beschäftigten wird es mit uns nicht geben“, bekräftigte Mario Ferrari, Bundesgeschäftsführer und Leiter der Kollektivvertragsarbeit der Gewerkschaft GPA. Auch er berief sich auf eine Umfrage, nach der sich 95 Prozent der Handelsangestellten entschieden gegen Sonntagsarbeit aussprechen. „Wenn Wien die lebenswerteste Stadt bleiben soll, sollte man vielleicht bei den über 100.000 Handelsangestellten, die von derartigen Vorschlägen betroffen wären, ansetzen, und nicht bei den Wünschen von Tourist:innen“, erklärte er in einer Aussendung.

 

Auch der Katholische Familienverband Wien pocht auf die Beibehaltung der Sonntagsruhe im Handel. „Politik und Sozialpartner dürfen dem Druck nach einer Öffnung der Geschäfte am Sonntag nicht nachgeben“, forderte Konrad Pleyer, der Vorsitzende des Verbandes. Das gelte auch für Tourismuszonen, denn die seien ein „Türöffner für eine flächendeckende Ausweitung der Sonntagsöffnung“.

 

„Der Sonntag ist ein wichtiger Taktgeber für die Woche, ein Tag zur Erholung und für die Familie. Daher setzen wir uns vehement für die Sonntagsruhe im Handel ein“, so Pleyer. „Unser Dank gebührt aber auch all jenen, die bereits jetzt am Sonntag arbeiten. Diese Leistung kann nicht hoch genug geschätzt werden. Dennoch muss man die Sonntagsarbeit auf ein absolutes Minimum beschränken. Die Geschäfte müssen sicher nicht am Sonntag geöffnet werden.“

 

Autor: Christian Brandstätter

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