Gründung des Dachverband Männerarbeit in Österreich

Der Vorstand des DMÖ (v.l.n.r.): Christian Reichart, Arno Dalpra, Alex Haydn, Eberhard Siegl, Martin Christandl, Erich Lehner, Christian Scambor, Elli Scambor (c) DMÖ
Wien, 20.1.2016 (KAP) Über die Gründungsversammlung des "Dachverbandes für österreichische Männerarbeit" (DMÖ) in Wien hat die Katholische Männerbewegung (KMBÖ) am Mittwoch informiert und Unterstützung für dessen Anliegen der Geschlechtergerechtigkeit bekundet. KMBÖ-Generalsekretär Christian Reichart, der im neuen Verband die Funktion des Kassiers übernommen hat, nannte es als Ziel, "gemeinsam mehr für die Männer, Burschen und Väter anbieten zu können und auch gegenüber der Politik, den Frauenberatungseinrichtungen und der Öffentlichkeit mit einer klaren und verständlichen Stimme aufzutreten".
Die auf der DMÖ-Website genannten Grundwerte lesen sich emanzipatorisch: Alle Menschen und alle Geschlechter seien gleichwertig. "In die Kategorie Geschlecht sind Herrschaftsverhältnisse und gesellschaftliche Interessenslagen eingelassen. Geschlechterfragen sind deshalb nicht von Herrschafts- und Strukturfragen zu lösen." Es sei somit "geschlechterpolitisches Handeln" nötig, um Geschlechtergerechtigkeit herzustellen.

Ansprechen und vertreten will der Dachverband alle Engagierten, Interessierten und Fachleute sowie Organisationen der Buben-, Männer- und Väterarbeit - in Bereichen wie Bildung, Forschung, Beratung, Politik, Kultur oder Religion. "Wir sind gemeinnützig, parteipolitisch unabhängig und konfessionell neutral", heißt es in der Selbstdarstellung. Durch "Lobbying und Campaigning" will sich der DMÖ "proaktiv wie reaktiv" im Sinne der Verbandsziele in gesellschaftspolitische Debatten einbringen. Auch Veranstaltungen und Publikationen sind geplant. "Wir freuen uns sehr, dass der Dachverband gegründet werden konnte und möchten diesen Schritt bestmöglich unterstützen", erklärte KMBÖ-Vertreter Reichart.
Selbstbeschreibung des Dachverbandes
Ziel dieses Dachverbands ist es, eine gemeinsame Basis für die Arbeit mit Männern, Burschen und Vätern anbieten zu können und auch gegenüber der Politik, den Frauenberatungseinrichtungen und der Öffentlichkeit mit einer klaren und verständlichen Stimme aufzutreten.
Mitglieder im DMÖ sind alle Männerberatungseinrichtungen in Österreich, wie etwa die Männerberatung Wien, die schon seit 30 Jahren besteht, oder z.B. der Verein „White Ribbon“, der sich für öffentliche Kampagnen gegen Gewalt von Männern engagiert. Auch in jedem Bundesland ist mindestens eine Männerberatung aktiv, etwa der Verein für Männer-und Geschlechterthemen Steiermark oder die Gewalt-Beratungsstelle „klartext“ in Vorarlberg. Die „dienstälteste“ Einrichtung ist die Katholische Männerbewegung Österreichs (KMBÖ), die sich schon seit mehr als 60 Jahren für die Männer einsetzt.
Die österreichische Männerarbeit nimmt im deutschsprachigen Raum der EU eine Vorreiterrolle ein. Gerade die Männerberatung kann auf eine Tradition zurückblicken, die zudem ein sehr dichtes Hilfeangebot für die österreichischen Männer anbietet. Dies ist nicht zuletzt wegen der Förderung durch die Familienberatung des Bundes möglich, die durch ihre Zuwendungen den Beratungsbetrieb stützt. Martin Christandl, der stellvertretende Vorsitzende des neu gegründeten Dachverbands und zugleich auch Leiter des Tiroler Männerberatungsvereins „Mannsbilder“ sieht hier jedoch auch durchaus noch Verbesserungspotential: „Ohne die Subventionierung als Familienberatungsstelle würde es Männerberatung in Tirol so nicht geben. Leider stecken wir aber seit 10 Jahren auf dem gleichen Niveau an Bundessubventionen für die Beratungsarbeit fest, obwohl die Anfragen an Männerberatung in allen Regionen Tirols stark ansteigt. Es wäre mehr als wünschenswert, dass Beratung für Männer und Burschen von Bund und Ländern in ganz Österreich besser subventioniert wird, der Bedarf ist da!"
Quellen
Website des Dachverbandes: http://dmoe-info.at/presse/gruendung-des-dmoe
