Mannsbild.ung

Ausgehend vom etymologischen Begriff Mann, der in der Antike gleichbedeutend mit Mensch gesetzt wurde, zeichnete er eine Begriffsgeschichte über Aischylos, Platon, Kant und Buber, die in der Aussage gipfelte. Auch wenn sich die Begriffe Mann-Frau geschichtlich, kulturell differenziert haben bleibt die Spannung der Gleichartigkeit in aller Verschiedenheit. „Der Mensch ist immer unterwegs auf ein Du, er ist daraufhin radikal angelegt“, so Prof. Finger.
Die kleinen, feinen Unterschiede zeigt er auf hormoneller Ebene durch die Forschungen von Louann Brizendine (Das männliche Gehirn). Anhand der hormonellen Differenzen von Mann und Frau lässt sich herausfiltern, dass es eine Neigung für männliches und weibliches Verhalten gibt. Aber wir sind nicht Gefangene unserer hormonellen Steuerung, Menschen haben die Möglichkeit die Grenzen ihrer biologischen Determination zu übersteigen. Wir sind nicht Gefangene unserer Biologie und unserer Instinkte, aber sie sind ein wesentlicher Ausgangspunkt für unser Verhalten.
Rein biologisch betrachtet: Das „Grundmodell“ menschlicher Entwicklung ist die Frau. Erst durch die Einwirkungen von Testosteron auf den Zellteilungsprozess werden die männlichen Geschlechtsmerkmale ausgeprägt und die weiblichen unterdrückt. Der Mann ist sozusagen das aufgetunteGrundmodell: etwas anfälliger, dafür stärker und schneller, auf Konkurrenz ausgerichtet, getrimmt auf Außenorientierung, Anerkennung und (wirtschaftlichen) Erfolg.
Wie aber sollen sich Männer in unserer modernen Gesellschaft verhalten, wenn die soeben erwähnten Eigenschaften, die in vergangenen Generationen dazu dienten, für Schutz, Nahrung und Nachkommenschaft zu sorgen, ihren Stellenwert eingebüßt haben. Technik, die Erwerbstätigkeit von Frauen und die Reproduktionsmedizin lassen den Mann als rollenverunsichertes Geschlecht zurück.

Das wirkt sich vor allem auf die nachfolgende männliche Generation aus. Prof. Finger führt dafür folgende Kennzeichen an:
- Das Verschwinden von selbstsicheren männlichen Rollenbildern in einer durchwegs vaterlosen Gesellschaft.
- Eine Pädagogik die weiblich dominiert ist und männliche Verhaltensweisen sanktioniert.
- Das Fehlen passender Schulformen für Burschen, das dazu führt, dass sie ihren Frust über die Nicht-Anerkennung ihres Verhaltens runterschlucken.
- Junge Männer, die nicht gelernt haben, mit selbstbewussten Frauen auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Ansatzpunkte für ein Lernprogramm
a) Die Herausforderung für unsere Schulpädagogik liegt darin, jungen Männern partnerschaftlich zu begegnen. Auch wenn es für Pädagoginnen schwierig ist, weil Burschen gerade in der Pubertät ihre Lehrkräfte an die Grenzen bringen, so braucht es Lernformen, die männlichen Verhaltensweisen entgegenkommen: Bewegung, Grenzerfahrungen und Konkurrenz gehören in den Lernalltag integriert und nicht bestraft.
b) Es zeigt sich, dass Väter immer stärker den Wunsch haben, ihren Söhnen und Töchtern als Erziehungspartner zur Verfügung zu stehen. Der Wandel passiert langsam, aber es bewegt sich. Frauen haben durch die Emanzipationsbewegung der vergangenen Jahrzehnte einen großen Vorsprung. Männer und vor allem Väter müssen sich anstrengen, ihre Beziehungsinteressen den Karriere- und Berufsinteressen gleichrangig zu stellen. Dazu braucht es neben den Frauenbeauftragten auch Männerbeauftragte, die auf politischer Ebene diese Balancen im Blick haben.
c) Die Biologie determiniert unser Handeln nicht. Als Menschen sind wir fähig uns zu überschreiten und neue Erfahrungen und Haltungen zu lernen oder einzuüben. Lernen ist dem entsprechend nicht Wissenserwerb – einmalig und abschließend. Lernen ist die auf Dauer gestellte Verhaltensänderung durch Erfahrung. Wenn wir lernen, dann bilden wir uns. Dieser Prozess ist grundsätzlich niemals abgeschlossen. Wir sind alle gemeinsam, Männer und Frauen, immer auf dem Weg.
