KZ Außenlager Großraming
Die „Gedenkkultur Großraming“ – R. Haslinger und das KBW - möchten durch ein breites Spektrum an kulturellen Veranstaltungen auf die Gräuel der Vergangenheit – im speziellen des Nationalsozialismus – aufmerksam machen. Es wird auch versucht die Mechanismen der Entstehung von ungerechten und menschenverachtenden Strukturen aufzuzeigen und so einem Vergessen entgegenzuwirken.
KZ-Außenlager Großraming
Das KZ-Außenlager Großraming, ein Teil des „Gemeinschaftslagers Ennskraftwerkbau“, wurde am 14. Jänner 1943 gegründet. Es befand sich in der Ortschaft Arzberg neben dem Ennsfluss auf dem Gebiet der Gemeinde Reichraming und bildete einen Komplex von 14 Baracken. Dieser war mit einem hohen, elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun umgeben, der von Wachtürmen verstärkt wurde. In der Mitte des Konzentrationslagers befand sich der Appellplatz.
Fast die Hälfte der Häftlinge bestand aus politisch verfolgten Menschen aus Jugoslawien, weitere kamen aus Deutschland, Polen, Russland, Griechenland, Spanien und weiteren Ländern. Insgesamt wurden etwa 1.800 KZ-Häftlinge zwischen 19 und 56 Jahren nach Großraming transportiert, der Höchststand von 1.027 wurde am 13. Juli 1944 verzeichnet. Die schwere Zwangsarbeit, die mangelhafte Versorgung und die Gewalttaten der SS forderten 227 namentlich bekannte Todesopfer. Die tatsächliche Zahl dürfte aber viel höher sein, weil beinahe ein Drittel der Häftlinge - als arbeitsunfähig eingestuft - sofort nach Mauthausen rücküberstellt und durch neue ersetzt wurden. Nach Angaben der SS wurden 17 Häftlinge „auf der Flucht erschossen“ und sieben begingen Selbstmord. Insgesamt nimmt man an, dass ca. 1000 Menschen zu Tode gekommen sind, denn Leute, die auf Grund ihrer körperlichen Schwäche zur Arbeit nicht mehr fähig waren, wurden mit den Toten in einer nahe gelegenen Tenne abgelegt und Abend für Abend in das Krematorium nach Steyr beziehungsweise nach Mauthausen gebracht und durch kräftigere ersetzt.
Die Häftlinge im KZ-Außenlager Großraming wurden hauptsächlich bei den Erschließungsarbeiten und im Rückstaubereich des Kraftwerkes eingesetzt. Für die schweren ersten Erd- und Steinarbeiten wurden hauptsächlich KZ-Häftlinge mit einfachem Werkzeug und Scheibtruhen herangezogen. Außenarbeiten gab es zur Genüge, mussten doch 26 Wohnhäuser für 180 Personen abgebrochen und an anderer Stelle neu erbaut werden. Fast 11 km neue Straßen und 6 neue Straßenbrücken wurden gebaut. Auf 7 km Länge mussten außerdem die vorbeiführende Bahnstrecke mit rund 1000 m langen Stützmauern gesichert sowie 16 Bahnobjekte um- und neu gebaut werden. Die im KZ Mauthausen üblichen Strafen, Folterungen und Mordarten waren mit Ausnahme von Giftgas auch im Außenlager Großraming zu finden: Baum, Bock und Bunker, Erschießen, Erhängen, in den elektrischen Zaun zwingen, Ertränken, Erschlagen, von Hunden zerreißen, erfrieren und verhungern lassen.
Die Bauarbeiten am Kraftwerk wurden im September 1944 weitgehend eingestellt und die verbliebenen Häftlinge am 29. August 1944 ins Konzentrationslager Mauthausen überstellt.
Namentlich bekannte Lagerleiter waren die als außerordentlich brutal und sadistisch beschriebenen SS-Führer Karl Schöpperle, Julius Ludolf und Hans Altfudisch. Alle drei, kein einziger stammte aus Oberösterreich, wurden 1948 im Zuge des Mauthausenprozesses zum Tod durch den Strang verurteilt.
1950 wurden die Baracken abgerissen und an gleicher Stelle eine Wohnsiedlung für die Mitarbeiter der Ennskraftwerke errichtet. 1995 wurde von der Ennskraftwerke AG gemeinsam mit dem Mauthausen-Komitee Steyr eine Gedenktafel errichtet. Ein weiteres Denkmal wurde 2009 im Großraminger Kreisverkehr errichtet und gedenkt der ermordeten Häftlinge.
Hier gehts zur Seite des Mauthausen Komitees Österreich - KZ Außenlager Großraming.