Notfall-Seelsorge
Notfallseelsorge was ist das?
Notfallseelsorge ist "Erste Hilfe für die Seele" in speziellen Notfällen und Krisensituationen. Sie versucht, Menschen zu begleiten, die durch einen Unfall, ein traumatisches Erlebnis oder den plötzlichen Verlust eines Angehörigen von einer Minute auf die andere in ihrer Lebensgewissheit erschüttert sind. Sie ist ein Angebot der katholischen und evangelischen Kirche und gilt allen Menschen unabhängig ihrer religiösen Bindung. Sie steht den Betroffenen kompetent bei.
Anlass und Beginn
Große Katastrophen wie Lawinenunglücke, Bahnunglück, Hochwasser, aber auch kleinräumige existenzbedrohende Ereignisse fordern Betroffene und Einsatzkräfte besonders. Die psychische Belastung ist enorm und braucht in der Folge Entlastung. Aus diesen Erfahrungen hat sich in den Bereichen der Einsatzorganisationen Feuerwehr, Rotes Kreuz, etc. in Anlehnung an erfolgreiche Ausbildungsmaßnahmen in den USA und Deutschland um die Jahrtausendwende Schulungsmaßnahmen entwickelt.
Die Katholische und Evangelische Kirche hat sich auf eine ökumenische Ausbildungsschiene geeinigt und seit 2005 gibt es die Kooperationsvereinbarung mit dem Roten Kreuz OÖ und dem Landesfeuerwehrverband OÖ.
Feuerwehrkuraten, PastoralassistentInnen und ReligionslehrerInnen wurden als Notfallseelsorger ausgebildet. Viele von ihnen absolvierten ab dem Jahr 2006 aufbauende Kurse für Einsatznachbesprechungen nach belastenden Einsätzen, um für die Freiwillige Feuerwehr und bei der Krisenintervention des Roten Kreuzes zur Verfügung zu stehen.
Profil der Feuerwehrseelsorge
FeuerwehrseelsorgerInnen haben neben anderen pastoralen Verpflichtungen einen speziellen Dienst: Sie sind gerufen, als KameradInnen inmitten von KameradInnen für diese da zu sein. Sie können und sollen die KameradInnen in ihren persönlichen Fragen und seelischen Bedürfnissen und besonders in existenziellen Notlagen begleiten.
Aufgaben
Der Dienst der FS geschieht im Wesentlichen durch Beziehung und Kommunikation, durch seelsorgliches Gespräch und Präsenz der Feuerwehrseelsorger und Feuerwehrseelsorgerinnen in den einzelnen Feuerwehren.
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Feiern von Andachten und Gottesdiensten
Der/die Feuerwehrseelsorger/in ist für seine/ihre Kameraden/innen AnsprechpartnerIn in Fragen des Glaubens und in individuellen Lebenssituationen.
Dazu gehört auch die Feier aller Ereignisse im Leben der Feuerwehr wie Florianifeiern, Fahrzeugsegnungen, Einweihungen, Feuerwehr-Wallfahrten, Feuerwehrfeste und Totengedenken.
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Begleitung und Betreuung als NotfallseelsorgerIn
Mitarbeit im SvE-Team (Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen)
Strukturierte Einzel- oder Gruppengesprächs mit folgendem Ziel:
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Rückführung von extremen Stresssituationen, hervorgerufen durch Lebensgefahr oder Tod, zu einer Normalität, die von allen Betroffenen getragen wird.
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Unterstützung, um wiederum voll einsatzfähig zu sein.
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Stabilisierung der Mannschaft und die Rückgewinnung der Lebensqualität des Helfers angestrebt.
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Hilfe für Ressourcenstärkung geben.
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Durch Prävention und Informationsangebot, bei den Feuerwehren den Umgang mit Stresssituationen vorzustellen.
Im SvE-Team können zusätzlich zu den Feuerwehrseelsorger und Feuer-wehrseelsorgerinnen auch andere Feuerwehrmitglieder mit SvE-Ausbildung mitarbeiten.
Notfallseelsorge - Krisenintervention
Die Notfallseelsorge wendet sich an Menschen, die durch elementare Ereignisse in ihrer Lebensgewissheit schwer erschüttert wurden.
Insbesondere sieht sie ihre Aufgabe in der unmittelbaren seelsorglichen Betreuung von Menschen, die unerwartet einen Angehörigen oder anderen nahe stehenden Menschen durch den Tod verloren haben.
Die Krisenintervention umfasst die Betreuung vor Ort, die sich auf den aktuellen Anlass bezieht und erste Verarbeitungsschritte des traumatischen Ereignisses erleichtert.
Dies geschieht unter anderem durch persönliche Zuwendung im seelsorglichen Gespräch und - wenn die Betroffenen es wünschen - wird versucht, der belastenden Lebenssituation gemeinsam aus dem Glauben – z. B. durch Gebet, Abschiedssegen, Rituale - zu begegnen.
Ziele der Seelsorge in Notfällen sind erste emotionale Stabilisierung von Betroffenen, Vermittlung von Orientierung (Abläufe erklären), Normalisierung der Situation und auch die Aktivierung eigener Kräfte und des sozialen Netzes im Sinne „Wenn möchten Sie jetzt bei sich haben?“. Die NotfallseelsorgerInnen wollen die Handlungsfähigkeit der Betroffenen unterstützen, erklären, was gerade los ist und wenn Bedarf ist auch weitere Maßnahmen vorschlagen (Krisenhilfe, psychologische Unterstützung).
Eine gute Betreuung macht sich schließlich von selbst überflüssig!
Persönliche Betroffenheit
Die zahlreichen Einsatzerfahrungen aus Krisenintervention und SvE in der Feuerwehr im Bezirk bestätigen mir die Sinnhaftigkeit auch im Bezug auf den spirituellen Hintergrund, der bei Todesfällen und Verabschiedungsfeiern zum Tragen kommt. In Laussa hatte ich neben den Floriani-Gottesdiensten und Begräbnissen von Feuerwehrkameraden auch einige schwierige Einsätze – plötzliche Todesfälle und tödliche Unfälle.
Für mich gibt es das Grundprinzip: Einfach Dasein …
Zur Person:
Notfallseelsorger Diakon Karl Karrer
Diakon seit 1996, Dipl. PAss. 1999, Pfarrassistent bis 2016 in Laussa.
Seit 1969 aktiv bei der Feuerwehr. 2007 Ausbildung als NFS abgeschlossen. Mitarbeit beim Aufbau des SvE Teams im Bezirk Steyr Land.
Ab 2008 Teammitglied im Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes Bezirk Steyr Land - Ortstelle Ternberg.