SCHNEEPSALM
SCHNEEPSALM
Heute nenn ich Dich Schnee,
Du unerschöplicher Schöpfer
vergänglicher Sternkristalle,
der die nackten Äcker bekleidet,
den Wanderer weglos macht
und die ärmlichsten Hütten
füllt mit Geborgenheit und Einkehr.
Schwebender Du, der den Bäumen Last wird,
der die tapferen Krähen auswirft
in die Stille und die Tiere
aus den Wäldern den Menschen nahbringt,
der die Hilflosen hilfloser macht
und die Hilfsbereiten bereiter.
Lautloser, der das Vertraute entfremdet,
wird uns Deine Fülle begraben,
werden Flüche das Lob ersticken?
Morgen vielleicht schon wird uns Dein Weiß
blenden und Du beginnst zu tauen.
Herrlicher! Dann nenn ich Dich Sonne.
(Christine Busta, Wenn du das Wappen der Liebe malst…Gedichte, Otto Müller Verlag, Salzburg, 1983, 41)
Anrufung Gottes, Gebet, religiöses Lied, Lobpreis, Danksagung oder das Klopfen an die eigene Brust sind im alttestamentlichen Buch der Psalmen gesammelt. Verfasser und Abfassungszeit der 150 Psalmen sind meist nicht zu eruieren. Die österreichische Lyrikerin Christine Busta, die 1987 mit 72 Jahren in Wien verstarb, wendet sich an „den Schöpfer“ und findet etwas von seiner Größe in der Natur. Gott benennen – wer dürfte dies? – oder Gott in allen Dingen finden: heute im/als Schnee. Draußen liegt Schnee, früh schon wird es dunkel, Menschen und Tiere wie verwandelt: „Schwebender Du … Lautloser Du“. Im Schnee wird die Welt des „Hilflosen“ hilfloser und dem Weihnachtsfest entgegen soll der Bereitwillige sein Herz bereit machen und bereiten. Was wird morgen sein? Wir wissen es nicht, heute scheint das Vertraute und das Lob gefährdet. Glitzern wird die Schneefülle, wenn die Sonne die „Sternkristalle“ bescheint. Morgen schon finde ich Gott in/unter der Sonne.
Advent lädt zur Suche ein!
Pfarrkurat Walter Dorfer