Pfarrer P. Johannes zum Fest der Darstellung des Herrn
Es ist alte Tradition, dass an diesem Tag die Kerzen gesegnet werden, die im Laufe des Jahres in der Kirche und auch in den Häusern zur Ehre Gottes und der Heiligen entzündet werden. In Wilhering gibt es immer nach der Kerzensegnung, die im Kreuzgang stattfindet, eine feierliche Lichterprozession in die Kirche. Im Volksmund heißt dieses Fest „Maria Lichtmess“ und war in früherer Zeit ein wichtiger Bauernfeiertag, an dem die landwirtschaftlichen Mitarbeiter ausbezahlt wurden und für das kommende Jahr um einen Arbeitsplatz ansuchten.
Das Fest der Darstellung des Herrn gehört noch zum Weihnachtsgeheimnis und macht bewusst, was die Geburt des Christkindes bedeutet. Maria und Josef brachten gemäß ältester Tradition den erstgeborenen Sohn in den Tempel, um ihn Gott zu weihen. „Den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast“, beten wir im freudenreichen Rosenkranz. Im Mittelpunkt des Evangeliums steht aber eigentlich der Jubelruf des greisen Simeon: „Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“
Um dieses Licht für die Welt, das Jesus selbst ist, geht es also. Jesus wird sich auch selbst als Licht der Welt bezeichnen, und im Johannesevangelium ist davon überraschend oft die Rede, auch schon im Prolog.
Klar ist, dass es nicht um ein Licht geht, das die Augen sehen, sondern vielmehr um das Geheimnis, das dem Leben Sinn und Orientierung gibt. Das Licht der Kerzen ist dafür ein Symbol, so wie auch die Kerzen, die als Bekenntnis zum Glauben an die Auferstehung an den Gräbern entzündet werden.
Am schönsten hat es für mich der heilige Augustinus in seinen Bekenntnissen ausgedrückt, wenn er folgendermaßen seine Bekehrung zum Ausdruck bringt: „Ich erblickte mit dem Auge meiner Seele …. ein unveränderliches Licht, …. Nicht ein Licht der üblichen Art, das nur großartiger gewesen wäre. …. Wer die Wahrheit kennt, kennt dieses Licht. Wer es kennt, kennt die Ewigkeit. Die Liebe kennt es.“
Augustinus betont, dass er dieses ewige Licht erst wahrgenommen hat, als er von den vielen Irrwegen zu sich selbst heimgekehrt ist, und dass er da längst schon von Gott geführt worden ist.
Wir feiern an diesem Tag also das göttliche Licht, das nur mit dem Auge der Seele wahrgenommen werden kann. Es ist Mensch geworden, um alle Völker zu erleuchten und ihnen das Leben zu eröffnen, nach dem sich jeder Mensch sehnt, das aber niemand aus eigenem erreichen kann. An diesem Tag wollen wir also auch ganz besonders darum beten, dass den Menschen, die in Finsternis und Todesschatten leben, dieses herrliche göttliche Licht aufgeht.
Der Text wird auch im PDF-Format angeboten, mit der Bitte, ihn auszudrucken und an die Nächsten und Näheren weiterzugeben, die kein Internet haben.