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Pfarrer P. Johannes zum 29. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr B

Liebe Mitchristen!

 

 Bibeltexte an diesem Sonntag

 

Machtgier kann eine Krankheit sein. Man merkt in den Evangelien, dass auch die Jünger Jesu durchaus nicht selbstlos Jesus nachfolgten, sondern einen irdischen Triumph ihres Meisters erwarteten, der ihnen in weiterer Folge Machtpositionen sichern würde.

Jakobus und Johannes wollten rechtzeitig Vorkehrungen treffen und sich einen Vorrang sichern. Jesus wird nicht müde, seinen engsten Vertrauten immer wieder klarzumachen, dass die Maßstäbe im Gottesreich völlig anders sind.

  1. Wir erleben in unserer Bundespolitik ständig einen Machtkampf. Leider geht es kaum um das Wohl der Bevölkerung, vielmehr um das Absichern und Stärken der eigenen Machtpositionen. Man schreckt nicht davor zurück, andere Parteien schlecht zu machen, und es scheint bis zu Bestechungen und Korruption zu gehen. Die Einschätzung Jesu über die Machtpolitik seiner Zeit hat sich bis in die Gegenwart nicht verändert. „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen.“ (Mk 10,42)

  1. Die heutige Evangelienstelle steht unmittelbar nach der dritten Leidensweissagung Jesu. Die Rede von Kreuz und Leiden wird völlig ignoriert, es steht dort auch ausdrücklich: Die ihm nachfolgten hatten Angst. Möglicherweise steht hinter der Machtgier eine unbewusste Angst, beim Verlust der Einflusssphäre nichts mehr wert zu sein. Die Vorstellung von einem Messias, der durch grausame Hinrichtung völlig untergeht, ist den Aposteln so unerträglich, ja absurd, dass man in dieser Hinsicht gar keinen Gedanken verschwendet. Das österliche Geheimnis, dass Jesus durch sein Kreuz und Leiden der wahrhafte Sieger sein wird, ist ihnen jetzt nicht zugänglich.

  1. Es gibt eine andere Art von Macht, die Macht der Liebe, die natürlich ausgeübt werden muss. Die Eltern, der Arzt, der Lehrer, der Trainer, der Feuerwehrkommandant und viele andere üben diese rettende, befreiende, aufbauende und ordnende Macht. Sie ist für das Zusammenleben notwendig und kommt aus einer inneren Überzeugung und Persönlichkeit. Man könnte noch weitergehen und darüber staunen, welche Macht ein neugeborenes Kind auf seine Eltern ausübt, wie sie sich sorgend einsetzen für das Glück dieser kleinen Persönlichkeit. Diese heils- und lebensspendende Macht ist ein Segen für viele!

Jesus fragt die beiden Zebedäussöhne: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?“ Sie sagen: „Wir können es.“ Sie wollen aber gar nicht verstehen, was Jesus meint, sie können es in dieser Situation auch gar nicht. Jesus sagt vorausschauend: „Ihr werdet den Kelch trinken.“ Vorher werden sie einen schweren Läuterungsprozess durchmachen müssen, der erst in der Ostererfahrung eine ausreichende Verwandlung bewirkt. Dann werden sie auch verstehen, dass nur der wahrhaft groß ist, der so klein sein kann wie ein Kind, und dass der wahrhaft mächtig ist, der fähig ist, Diener aller zu sein.

 

Der Text wird auch im PDF-Format angeboten, mit der Bitte, ihn auszudrucken und an die Nächsten und Näheren weiterzugeben, die kein Internet haben.

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