Pfarrer P. Johannes zum 17. Sonntag im Jahreskreis
Sie beginnt mit der Speisung der 5000. Ihr folgt in allen Evangelien der Gang Jesu über das Wasser. Diese Perikope wird in diesem Lesejahr ausgelassen. Der Kern ist aber hier die Rede über das Brot des Lebens, die Jesus in Kafarnaum hält. Davon hören wir an den kommenden Sonntagen.
Im Vorjahr haben wir am 18. Sonntag im Jahreskreis von dieser Speisung in der Version von Matthäus gehört, und am Sonntag drauf vom Gang Jesu über das Wasser.
Auf einige Aspekte des Evangeliums von der Brotvermehrung gemäß Johannesevangelium soll hier eingegangen werden:
- Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe.
Johannes stellt also ausdrücklich einen Bezug zum letzten Abendmahl Jesu und zu seinem Leiden und Sterben in Jerusalem her. Einst war das Paschamahl in Ägypten der Beginn der Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei. Johannes der Täufer verweist in diesem Evangelium zweimal darauf, dass Jesus das wahre Lamm Gottes ist (Joh 1,29. 36), in dem sich erst erfüllt, was im Verzehren des Paschalammes nur angedeutet ist. Der Verweis auf das eucharistische Mahl ist sehr deutlich.
- „Er selbst wusste, was er tun wollte.“
Die Frage Jesu an Philippus: „Wo sollen wir Brot kaufen…“ und dessen Antwort „Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus…“ macht deutlich, um welche Dimensionen es hier geht. Wenn Andreas erwähnt, dass ein kleiner Junge fünf Gerstenbrote und zwei Fische hat, dass das aber eine lächerliche Menge ist, wird klar, dass hier etwas Ungeheuerliches geschehen müsste, um alle satt zu machen. Zugleich ist es ein Hinweis auf den Glauben des Knaben, der sicher selbst Hunger hat, seine Mahlzeit aber zur Verfügung stellt. Und mit diesem wenigen macht Jesus die unvorstellbar große Menge satt. Das ist zugleich wieder ein Zeichen für die verschwenderische Großzügigkeit Gottes.
Eine Überlegung: Wenn ein kleiner Knabe seine Jause mithat, könnte man annehmen, dass von 5000 Menschen so viele teilen könnten, dass jeder satt werden kann. Vielleicht ist es ein größeres Wunder, wenn man die wirklich Reichen dazu bringt, mit den Armen zu teilen, als – gewissermaßen - die Speisen für alle herbeizuzaubern?? Am Schluss bleiben jedenfalls zwölf Körbe voll Lebensmittel übrig.
- Sie wollen ihn mit Gewalt zum König machen.
Da muss man sich an die erste Versuchung Jesu erinnern: Wenn du Steine zu Brot machst, wirst du erfolgreich sein. Die Leute wollen nur „Brot und Spiele“, wie der alte Lateiner sagt. Damals hat Jesus dem Teufel zur Antwort gegeben: „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot!“ Hier zieht er sich sofort zurück, die Jünger lässt er mit den Leuten allein. Die deutliche Antwort werden wir kommenden Sonntag hören: „Ihr sucht mich nicht, weil ihr ein Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.“ Warum denn begnügen sich die Menschen mit dem Brot, das nur den Leib sättigt, die Seele aber nicht satt machen kann? Im Teilen, für das der kleine Junge Vorbild ist, beginnt erst das neue Leben, das Leben in Fülle.
Für Jesus ist die Brotvermehrung ein Zeichen, das auf eine größere Wirklichkeit verweist, auf die hin der Mensch geschaffen ist. Jesus selbst ist das Brot, nach dem der Mensch im tiefsten hungert, und analog zum Wort vom lebendigen Wasser (Joh 4) das jeden, der davon trinkt, selbst zu einer sprudelnden Quelle macht, werden wir sagen können:
Jeder, der dieses wahre Brot des Lebens „isst“, wird selbst zum Brot des Lebens, das viele andere „speisen“ und so aufleben lassen kann.
Der Text wird auch im PDF-Format angeboten, mit der Bitte, ihn auszudrucken und an die Nächsten und Näheren weiterzugeben, die kein Internet haben.