Pfarrer P. Johannes zum 15. Sonntag im Jahreskreis
Die Gesandten dürfen außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitnehmen: Kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Ihnen gibt Jesus Heilungsvollmacht, und sie sollen zur Umkehr aufrufen.
In der Regel des heiligen Benedikt, der in diesen Tagen (am 11. Juli) sein Hochfest feiert, fällt eine Parallele zum heutigen Evangelium auf: Der Mönch darf überhaupt nichts sein Eigen nennen, es gibt nur Gütergemeinschaft. Der Abt muss mit aller Vehemenz bekämpfen, dass einer der Mitbrüder irgendwas für sich haben will. Etwas anderes ist es, dass Klostereigentum verwaltet werden muss, oder, dass jeder bekommt, was er braucht.
Als zweites fällt auf, dass man einen Mitbruder, der sich auf seine Leistungen etwas einbildet, von seiner Tätigkeit abziehen muss. Jeder hat in aller Bescheidenheit seinen Dienst zu vollziehen, und niemand darf sich rühmen, weil er vielleicht dem Kloster recht viel einbringt. Es geht hier offensichtlich um Grundprinzipien der Gottsuche und der Verkündigung des Evangeliums.
- Der Mensch kann in der Verkündigung des Evangeliums nicht durch vorgeprägte Medien, Methoden oder Einrichtungen ersetzt werden!
Immer ist es der glaubwürdige Mensch, der jemanden zum Glauben bringen kann. Man muss dem Verkünder des Evangeliums seinen Glauben abnehmen können. Es darf nichts geben, was den Mangel an Glauben kaschiert, sei es Kleidung, Gehabe oder Besitz. Auch schöne Textformeln oder eindrucksvolle Präsentationsmechanismen können das persönliche Glaubensbekenntnis nicht ersetzen. Gemäß den Anweisungen Jesu sind leere Inszenierungen ein Firlefanz, der den Weg zu einem authentischen Glauben hemmt. Ähnlich sieht es Benedikt. Solange sich jemand auf irgendwelche Leistungen etwas einbildet oder sich über Dinge definiert, die er besitzt, behindert er seine Gottsuche und ist nicht glaubwürdig.
- Glaube zeigt sich im Vertrauen, dass Gott sich um seine Boten kümmern wird.
Jesus sagt: Sorgt euch zuerst um das Reich Gottes, alles andere wird euch dazu gegeben werden. Ein Extrembeispiel ist hier Franz von Assisi. Er hat die Armut zum Programm gemacht und ist damit als glaubwürdiger Bote des Evangeliums in die Geschichte eingegangen. „Nehmt nichts mit!“, ist vor allem ein Lebensprogramm: Jemand, der sich ständig absichert, ist nicht glaubwürdig. Da ist es um das Gottvertrauen nicht gut bestellt. Ihm wird man es nicht abnehmen, wenn er vom Reich Gottes redet.
- Der Botschafter des Evangeliums vom Reich Gottes verkündigt, was die Welt nicht kennt.
Der Bote Gottes soll etwas sichtbar machen, was als Sehnsucht in jedem Menschen schlummert, wovor er aber zugleich Angst hat. Der Mut des Verkünders soll ansteckend sein. Man muss ihm abnehmen können, dass er tatsächlich aus der Kraft des Evangeliums, und nicht von irgendeiner Art von Selbstbestätigung lebt. Er soll Gedanken des Friedens freisetzen können. Man soll wahrnehmen können, dass es nicht gefährlich ist, eine Kurskorrektur im Leben vorzunehmen. Der Verantwortung für die Zukunft der Schöpfung soll man sich nicht länger aus Angst vor den Konsequenzen für den persönlichen Lebensstil entziehen.
Dem Boten des Evangeliums soll man also anmerken, dass er in seiner Bedürfnislosigkeit glücklich ist. Es schadet nicht, wenn man ihn um seine Lebensfreude ein wenig beneidet. Es ist gut, wenn sich die Umgebung fragt, aus welchen Quellen er sein Glück bezieht, und wenn man merkt, dass es ein Glück von einer höheren Art ist.
Wir brauchen das Feuer der Begeisterung, das die Kirche in die Zukunft führt. Organisation der Kirche reicht nicht.
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