Pfarrer P. Johannes zum 13. Sonntag im Jahreskreis
Ein zwölfjähriges Mädchen liegt im Sterben. Der Vater kommt voll Angst zu Jesus.
Währenddessen drängt sich eine verzweifelte Frau, die schon seit zwölf Jahren an Blutungen leidet, an Jesus heran, sie berührt ihn und wird sofort geheilt. Die urgewaltige Lebens- und Heilungskraft, die Jesus schenkt, gilt auch uns allen und soll uns Vertrauen ins Leben schenken.
- Jesus ist Hoffnung in äußerster Verzweiflung.
Ein Mädchen liegt im Sterben. Die Situation ist aussichtslos. In seiner Verzweiflung wendet sich der Vater des Kindes an den Herrn. Wir erfahren nichts über die Krankheit, es gibt aber auch in unserer Zeit immer wieder diese furchtbare Not, dass alles zusammenbricht und die Todesnot als Realität greifbar vor uns steht.
Die Frau, die seit zwölf Jahren an Blutungen leidet, wird gemäß mosaischem Gesetz in die Isolation getrieben wie ein Aussätziger, und die offizielle Gesellschaft ist da beinhart. Es gibt die Lust, jemanden zum Außenseiter, zum Sündenbock oder zum minderwertigen Menschen zu machen.
Nicht übersehen dürfen wir, wie viel Isolation die Corona-Pandemie in den letzten Monaten erzeugt hat. Die schlimmste Isolation ist der Tod selbst. Er zerstört alle Beziehungen, und deshalb ist die Todesangst die beherrschende Macht aller Zeiten.
- Jesus eröffnet Möglichkeiten von Gemeinschaft.
Nachdem der Vater seine Angst um das sterbende Kind ausgesprochen hat, stellt Markus die leidende Frau in den Mittelpunkt, und er macht deutlich, was sie alles schon unternommen hat. Sie war bei vielen Ärzten, hat ihr ganzes Vermögen ausgegeben, und trotz der quälenden Therapien ist ihr Zustand immer schlechter geworden. Man darf nicht vergessen, dass sie auf Grund ihrer Krankheit unrein war, niemand berühren durfte, weil jeder andere dadurch auch unrein wurde.
In ihrer Verzweiflung wagt sie es, Jesus unauffällig zu berühren in der Zuversicht, dadurch geheilt zu werden. Die Frage Jesu: „Wer hat mein Gewand berührt?“, ließ die jetzt geheilte Frau erst recht erschrecken. Jesus hat es also gemerkt! Die Jünger beschwichtigen zwar: In diesem Geschiebe und Gedränge wird man doch ständig berührt. Für Jesus ist es aber wichtig, diese durch ihr Leiden so einsame Frau ansprechen, sie ermutigen und ihr den Selbstwert zurückgeben zu können. Körperliche Heilung reicht nicht, es braucht die Anerkennung und Wertschätzung.
- Sei ohne Furcht, glaube nur!
Nachdem Jesus den großen Glauben der Frau bestätigt hat, ereilt den Vater die Nachricht, dass seine Tochter gestorben ist. Es ist vorbei, der Herr braucht nicht mehr belästigt zu werden. In diesem Augenblick wendet sich Jesus mit der geradezu drängenden Bitte an den Mann: Jetzt musst du erst recht glauben! Als er die trauernden Leute mit dem für sie verrückten Wort „Das Kind schläft nur!“, herausfordern will, wird er ausgelacht. Nur seine Begleiter und die Eltern des Kindes dürfen dabei sein, als er es ins Leben zurückruft.
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Ohne es hier auszusprechen, offenbart Jesus sich als die Auferstehung und das Leben. Was die Menschen als Tod erleben, ist für Jesus eine geheimnisvolle Lebenswirklichkeit. Für Gott sind alle lebendig. Das Mädchen hat nur „geschlafen“.
Jetzt packt aber die Menschen erst recht das Entsetzen, ähnlich wie die Frauen beim leeren Grab Jesu nach der Botschaft des Engels von der Auferstehung Jesu gemäß Mk 16,8. So tragisch die Realität des Todes ist, damit kann und muss man leben. Wenn sich das göttliche Geheimnis mit einer Lebensmacht offenbart, die stärker ist als der Tod, dann ist das für den normalen Menschen aber erst recht entsetzlich.
Will uns der Evangelist Markus hier bewusst machen, dass wir todgeweihte Menschen Angst vor der Auferstehung und dem herrlichen Leben bei Gott haben?
Der Text wird auch im PDF-Format angeboten, mit der Bitte, ihn auszudrucken und an die Nächsten und Näheren weiterzugeben, die kein Internet haben.