Pfarrer P. Johannes zum 7. Sonntag in der Osterzeit
Immer geht es darum, dass Jesus die Seinen in diese Beziehung hineinnehmen will, wie auch an vielen anderen Bildern des Johannesevangeliums deutlich wird.
1. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir!
Wir sprechen beim Kreuzzeichen: „Im Namen des Vaters …“, wir sprechen im Gebet des Herrn: „Geheiligt werde dein Name“, und innerhalb der Religionen wird der Name Gottes diskutiert. Mose fragt beim brennenden Dornbusch Gott nach seinem Namen, und die Juden sprechen den Namen Gottes bewusst nicht aus, weil die menschlichen Lippen zu unrein dafür sind.
Der Vater hat seinen Namen dem Sohn gegeben, und er hat ihn den Seinen geoffenbart und hat sie in diesem Namen bewahrt. Dieses geheimnisvolle Wort vom Namen Gottes dürfen wir als innige Verbindung mit dem göttlichen Geheimnis verstehen. Wenn Menschen einander mit dem Vornamen anreden, offenbart sich eine vertraute Beziehung. Jesus verwendet in den Gebeten das Wort „Abba“, eine intime, zärtliche Anrede, so wie „Vati“ oder „Papa“, und er erlaubt uns, Gott genauso anzusprechen. Wir sind in eine liebevolle, innige, zärtliche Beziehung zu Gott hineingenommen. Diese soll unser ganzes Leben tragen und erfüllen und ermöglicht eine Freude, die nicht von dieser Welt ist, die Freude Jesu, die wir ausstrahlen sollen.
2. Ich habe ihnen dein Wort gegeben. – Dein Wort ist Wahrheit.
Auch über diese Aussage sollten wir nachdenken. Das Johannesevangelium beginnt mit „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Jesus ist also selbst das Wort des Vaters. Er könnte auch so formulieren: „Ich habe mich ihnen geschenkt.“
Erinnern wir uns an die Szene vor Pilatus: Jesus sagt zu ihm, dass er gekommen ist, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen, worauf ihn Pilatus fragt: „Was ist Wahrheit?“ Wenige Kapitel vorher sagt Jesus zu Philippus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Auch hier muss mitklingen, dass Jesus uns in der Beziehung zu ihm bewahren will. Wer mit ihm verbunden ist, ist in der Wahrheit.
3. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.
Der Begriff „Welt“ ist bei Johannes rätselhaft. Einerseits sagt Jesus: „Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.“ Andererseits sendet Jesus seine Jünger gerade in diese Welt. Er kam ja auch selbst als wahres Licht in die Welt und die Welt ist durch ihn geworden, hat ihn aber nicht erkannt (vgl. Joh 1,9-10).
Es gibt nun verschiedene Welten: Die Welt der Wissenschaft, die Welt der Wirtschaft, die Welt des Tourismus, der Kunst, des Sports, … Jeweils sind diese Welten Bereiche, für die sich viele verausgaben und wo man Sinn findet - man verabsolutiert sie gewissermaßen. Offensichtlich steht Jesus, der aus dem göttlichen Geheimnis kommt und seine Jünger in dieses Mysterium hineinnimmt, mit diesen „Welten“ in Konkurrenz, ja er stellt sie in Frage, ist gefährlich für sie, eine Bedrohung.
Wenn wir das Wort „Welt“ unter diesem Aspekt betrachten und bedenken, dass der Herr seine Jünger in diese Welten sendet, um dort seine Botschaft zu verkünden, wird eine doppelte Gefahr sichtbar: Die Jünger können von diesen Welten vereinnahmt werden und ihren Auftrag vergessen, oder sie werden als Feinde dieser Welten gehasst werden. Eigentlich wären die verschiedenen Ansätze ja zunächst gut, aber niemals darf sich aus ihnen eine „Welt“ entwickeln, die sich absolut setzt. Möge die göttliche Liebe stärker sein als die Machtwelten auf der Erde.
Vergleiche auch die Gedanken zum 7. Sonntag i.d. OZ. LJ. A, in denen ein Teil des "hohenpriesterlichen Gebetes", das dem heutigen voransteht (Joh 17), betrachtet wird.
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