Sehen – bereuen – und glauben
Wir hatten in der Hauptschule im Religionsunterricht einen Pater aus Kremsmünster.
Wir waren eine recht aufmüpfige Klasse, die es dem Pater nicht leicht gemacht hat.
Manches was wir ihm als Gruppe „anschauen haben lassen“ bereue ich jetzt noch – gerade auch, weil ich im Nachhinein gemerkt habe, wie wertvoll sein Unterricht war. Später hat er uns in der Jungschar spirituell betreut und der Grund, warum ich mich nicht wie so viele meiner damaligen Freunde aus der Kirche verabschiedet habe, liegt in der guten spirituellen Begleitung durch diesen Pater und die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe.
Bei der Vorbereitung des heutigen GD ist mir eine Situation aus dem Religionsunterricht wieder eingefallen, von der ich ihnen berichten möchte:
Ich kann mich natürlich nicht mehr an den genauen Wortlaut des Paters erinnern, aber sinngemäß hat er uns mit folgender Aussage konfrontiert:
2 Familienväter – der eine ein Taufscheinchrist, Kirche kein Thema. Einer, der sagt, Religion brauche ich nicht, sonntags in die Kirche zu gehen interessiert mich nicht, da schlafe ich lieber aus. Aber - ein rechtschaffener Mann, der seine Familie liebt, der sich sehr gut um seine Frau und seine Kinder kümmert.
Der andere – ein gläubiger Mann, ein praktizierender Christ, der jeden Sonntag in die Kirche geht. Aber ein Despot, der aufgrund seiner Unbeherrschtheit und aufbrausenden Art seine Kinder und auch seine Frau oftmals beleidigt und verletzt. Obwohl auch er seine Familie von Herzen liebt und nur das Beste für sie will. Er bereut seine Taten im Nachhinein zutiefst und bittet Gott immer wieder um Vergebung (und ich hoffe auch seine Frau und hoffentlich auch seine Kinder).
Der Pater hat uns dann gesagt, dass der 2. Mann der bessere Christ ist – was uns Jugendliche natürlich fürchterlich aufgeregt hat. In unserer jugendlichen Art haben wir ihm empört unsere Meinung in nicht sehr höflicher Art an den Kopf geworfen.
Und jetzt meine Frage an Sie: Wie sehen sie das?
In der heutigen Lesung haben wir gehört: „Wenn ein Schuldiger von dem Unrecht umkehrt, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. Wenn er alle seine Vergehen, die er verübt hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben. Er wird nicht sterben.“
Jetzt könnte man einwenden – ist ja gut und schön, wenn er umkehrt, aber immer wieder zurück zum Unrecht?
Und da liebe Brüder und Schwestern – da erfahren wir die für uns unbegreifliche Güte und Barmherzigkeit Gottes. Ja – immer wieder gibt er uns die Chance umzukehren und immer wieder verzeiht er uns und sagt: Ist gut – dir ist vergeben.
Unser menschliches Denken kann ein solch großzügiges und vollkommenes Handeln Gottes nicht wirklich begreifen. Neigen wir nicht dazu, sowohl erlittenes als auch getanes Unrecht in unserem Gehirn abzuspeichern? Schwingen in unserem Umgang mit unseren Mitmenschen nicht unsere eigenen Fehler und erlittenes Unrecht immer mit und beeinflusst uns in unseren Begegnungen?
Gott macht das nicht – für ihn ist die Vergebung allumfassend und endgültig. Vergeben ist Vergeben! Für ihn zählt alleine unser Wille zur Besserung und unsere Bitte um Verzeihung.
Gott schaut auf das, was uns antreibt und das soll unser Glaube und die Liebe sein, denn das gehört untrennbar zusammen.
Im Hohelied der Liebe hören wir daher auch:
Wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.
Und im heutigen Evangelium setzt Jesus noch eins drauf:
Nicht ihr, die ihr glaubt gerecht und menschlich zu handeln seid die ersten Anwärter auf das Reich Gottes. Nein, die Zöllner und die Dirnen – Menschen deren Verfehlungen offen für alle sichtbar sind – werden, wenn sie glauben und bereuen ins Reich Gottes kommen.
Gewichtige Worte – die uns vielleicht aufregen wie uns seinerzeit im Religionsunterricht, oder die uns vielleicht ratlos zurücklassen, oder die uns vor Augen führen, um wieviel größer und umfassender Gottes Liebe zu uns Menschen ist. Um wieviel barmherziger Gottes Erbarmen mit uns Menschen ist. Um wieviel gütiger Gott mit uns seinen Kindern ist.
Im AT lesen wir bei Jesaja:
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des Herrn. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.
Gott übersteigt und übertrifft alle unsere Vorstellungen. Gottes Güte ist unendlich und das ist unser Trost. Denn nur so haben wir Menschen mit unseren Fehlern und Schwächen eine Chance in das Reich Gottes zu gelangen.
Durch die Taufe sind wir formal Zugehörige zum Volk Gottes. Aber Jesus sagt, das ist zu wenig. Und da sind wir wieder bei der eingangs erwähnten Situation aus dem Religionsunterricht.
Der Glaube und die Liebe ist das, was zählt. Unser Gott ist ein liebender Gott und so ist Glaube ohne Liebe unmöglich. Glaube und Liebe und damit verbunden die Einsicht, dass wir fehlerhaft Menschen sind, die Unrecht tun, die schuldig werden und die auf Vergebung angewiesen sind.
Sehen – bereuen – und glauben.
Glauben an die Liebe und Barmherzigkeit Gottes.
Das ist das, was uns das heutige Evangelium sagen will.
Nehmen wir diese Botschaft mit in unseren Tag und in unsere Woche und lasst uns unser Leben danach ausrichten.
Amen.