Tuesday 13. April 2021

Barockbau von Maria Ach

Das gotische Kirchlein konnte den Zustrom der Pilger nach Ach, besonders an Fest- und Marientagen, unmöglich mehr fassen. 

Auf Betreiben des Priesters Ignaz Haidenthaller, Benefiziat zu Ach von 1737 bis 1775 (Grabstein außen neben dem gotischen Tor), und des Schlossherrn von Ach und Wanghausen, Ferdinand Freiherr von Prielmayr (Grabstein neben dem Beichtstuhl), genehmigte der damals zuständige Erzbischof von Salzburg, Sigmund Graf Schrattenbach (1753 - 1771), den Ausbau des Gotteshauses (1754).


Unentbehrliche Hilfe als Bauleiter leistete von Anfang an der Rentmeister (also oberster Landesbeamter) von Burghausen, Maximilian Freiherr von Berchem († 1777 im 75. Lebensjahr), von Haidenthaller und dem gerade erst 17jährigen Patronatsherrn "dringlichst ersucht, er möchte doch, Gott und Maria zulieb, den Ausbauder Kirche und das ganze Werk übernehmen".
Die Wappen der vier Erwähnten, deren Tatkraft und Opfersinn wir die heutige Acher Kirche verdanken, sind unter der Kuppel anerkennend verewigt.


"Gut Ding braucht Weil". Zur 400-Jahr-Feier 1754 war gerade erst der schlanke, 38 m hohe Turm mit dem spitz auslaufenden Zwiebelhalm fertig, denn nach den verschiedenen "Erbfolgekriegen" war die Zeit wirtschaftlich schlecht, ständig gab es Teuerungen, die Geldbeschaffung erwies sich als mühsam. Schließlich kostete der Anbau 8551 Gulden (fl.), bei einem Kostenvoranschlag von 1713 fl.


Für die Innenausstattung mussten zusätzliche 3969 fl. aufgebracht werden. Davon sollten Lindt 1209 fl., Forster 1636 fl. und della Croce 230 (!) fl. bekommen. Die Gesamtkosten des Baues betrugen somit 12521 Gulden. 1770 verdienten beim Kirchenbau Tagelöhner 15 Kreuzer, Erdarbeiter 10 Kreuzer. Spenden flossen zwar reichlich, reichten aber bei weitem nicht, den geplanten Neubau zu finanzieren.

 

Wie es scheint, ließ sich davon niemand entmutigen. Die Zeit wurde eben zu einer sorgfältigen, immer wieder verbesserten Planung des Werkes genützt. Als Frucht dieses Wartens erscheint die bis ins Detail ausgereifte Harmonie, wie sie uns in barocker Fülle und zugleich dezenter Zurückhaltung im Kircheninneren begegnet.

 

Barockbau von Maria Ach

 

Noch war es aber nicht soweit. Zunächst wurde ein neuer Grundstein gelegt (6. Juni 1770), der nach dem Abbruch der spätgotischen Apsis erforderlich geworden war. Seit der Baubewilligung waren sechzehn (!) Jahre verstrichen. Umso zügiger schritt, einmal begonnen, der Bau voran. Am 7. September 1770 erreichte er die Dachstuhlhöhe, Ende Oktober stand er unter Dach, und noch Anfang November wurde die Eingewölbung von den Maurern abgeschlossen. So konnte im März 1771 mit der Innenausstattung begonnen werden. Bereits am 1. Dezember desselben Jahres - es war der erste Adventsonntag - wurde die Einweihung der Kirche durch den Legaten des todkranken Salzburger Erzbischofs, Augustinerprobst Quarinus von Baumburg, feierlich durchgeführt. Die Abschlussarbeiten zogen sich ins Jahr 1772 hinein. In zwei Jahren waren durchschnittlich 10 Zimmerleute, 20 Maurer und 15 Handlanger bei der Arbeit.


Ihr künstlerisches Talent stellten der neuen Acher Kirche im wesentlichen Johann Konrad Schaffner, Hof- und Stadtmaurermeister von Burghausen, für Außen- und Innenarchitektur, Johann Georg Lindt für Schnitzwerk und Stuck, Kajetan Petrus Forster (1744 - 1804) für die Fassung der Plastiken, Altäre und Kanzeln (sie wurden größtenteils ein Opfer des 19. Jahrhunderts) und Johann Nepomuk della Croce für die Deckenfresken und Altarbilder zur Verfügung. Mit ihnen, die sich hier niedergelassen haben, beheimatet waren, gefördert wurden, ist es Burghausen selbst, das sich durch diese seine hervorragendsten Künstler in der Acher Kirche - neben dem nahegelegenen Marienberg bei Raitenhaslach - ein weiteres Denkmal von Kunstsinn und Frömmigkeit setzte.

 

Barockbau von Maria Ach

 

Jede Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit in Bild und Wort ist ein Aufgreifen, ein Sichnähern und Staunen über das Geheimnis, von dem die Bibel schlicht bekennt: "Gott ist Liebe" (1 Joh 4,8-9). Nicht an den Rand, nicht als Dekoration oder Anhängsel, sondern mitten hinein in dieses göttliche Leben von Zuwendung und Gemeinschaft, von Austausch und Teilnahme, von Ruf und Antwort sind wir Menschen bestimmt. Die Ehre Gottes wird die Ehre des Menschen, der von Gott auf Gott hin geschaffen ist. Auf diesem Hintergrund christlichen Glaubens können wir staunen, uns aber nicht mehr wundern, inmitten der Dreifaltigkeitsgruppe und des Strahlenkranzes ewiger Herrlichkeit dieser Inschrift zu begegnen, zu Deutsch: "Tochter des Vaters, Mutter des Sohnes, Braut des Heiligen Geistes."
Maria ist in einzigartiger Weise durch Gottes Auserwählung in das Heilsgeschehen Gottes für uns Menschen einbezogen, das sich an ihr und mit ihr an der Menschheit vollzieht. Doch finden wir darin unser eigenes, immer mit Gottes Geheimnis verbundenes Leben gedeutet.


"wenn sie dieses tun und darin bis zum Ende verharren, so wird der Geist des Herrn auf ihnen ruhen, und er wird sich in ihnen eine Wohnung und Bleibe schaffen. Und sie werden Kinder des himmlischen Vaters sein, dessen Werke sie tun. Und sie sind Anverlobte, Brüder und Mütter unseres Herrn Jesus Christus. Anverlobte sind wir, wenn die gläubige Seele durch den Hl. Geist mit Jesus Christus verbunden wird. Brüder sind wir ja, wenn wir den Willen seines Vaters tun, der im Himmel ist. Mütter sind wir, wenn wir ihn durch die Liebe und ein reines und lauteres Gewissen in unserem Herzen und Leibe tragen: Wir gebären ihn durch ein hl. Wirken, das anderen als Vorbild leuchtet."
(Franziskus von Assisi, Brief an die Gläubigen; um 1221)

 

'Heiliger Josef' von Johan Georg Lindt (1733-1795), , geb. in Kärnten; von ihm stammen Altäre, Plastiken und Stuck

 

Erst Schaffners vierter Plan kam zur Ausführung. Er sieht dem barocken Zentralbaugedanken gemäß vor, dem spätgotischen Langhaus nach Abbruch der alten Apsis eine kreuzförmige Anlage mit flachem Muldengewölbe auf vier innen wie außen gerundeten, mächtigen Pfeilern anzufügen. In Zusammenschau von Alt- und Neubau entsteht so durch das betonte Zurücktreten der Seitenaltäre der Eindruck einer zweiachsigen Symmetrie. Man fühlt sich bereits an Bauten der französischen Frühklassik erinnert.

 

Barockbau von Maria Ach

 

Auch die schlichte Gestaltung der Fassaden mit den Dreiecksgiebeln und den streng wirkenden Pilastern sowie von Schaffner selbst geplante Farbigkeit (Dach rot, gliedernde Architekturelemente weiß, Felder hell-lila) weisen in Richtung Barock-Klassizismus, während wir im Kircheninneren ganz dem Spätbarock bzw. Rokoko gegenüberstehen. Die glockenartig geschweiften Fenster dürften einer Anlehnung an die Marienberger Kirche - vollendet 1764 - entspringen. Anfang August 1771 erkrankte Schaffner schwer und starb noch im selben Monat. Die Acher Kirche ist sein letztes und größtes Werk.
120 Klafter Nagelstein, 300 Klafter Tuffstein, 32000 Ziegel und 18000 Dachziegel wurden für den Neubau verwendet. Doch Kirche ist mehr als ein Bauwerk. Kirche sind Menschen, die den Weg gehen wollen, der einen Namen hat: Jesus (siehe Kanzel Inschrift. Von ihnen heißt es in der "Ur-kunde" der Christenheit: "Sie hielten fest an der Lehre der Apostel und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten." (Apg. 2,42)

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