Lesung mit Susanne Scholl: „Allein zu Hause“
Die einen waren neugierig auf die ehemalige Osteuropakorrespondentin und jetzt freie Journalistin, die anderen auf die Buchautorin - wie würde sie sich aus der Nähe anfühlen? Sie erzählt uns von Ihren jüdischen Eltern, von ihrer Kindheit, in der judenfeindliche Äußerungen rundum unwidersprochen blieben. Sie absolviert keine übliche Lesung, auch wenn sie aus ihrem Buch vorliest. Sie will nicht ihren Text zum Glänzen bringen sondern sie will den ganzen Saal voller Leute dazu bringen, zu sehen, wie viel Unrecht in unserem Land gegenüber den Asylwerbern geschieht. Wer ihr Buch später liest, merkt, wie gut sie ihr Schreibhandwerk versteht. Aber darum geht's nicht. Sie bringt - ohne Aufrufe, ohne Effekthascherei diesen ganzen Saal voller Leute dazu, die Asylsuchenden mit anderen Augen, vor allem als Menschen vor unserer Tür, als Nahestehende, zu sehen. Das klingt ernst, ist es auch - aber es macht Freude, ihr zuzuhören, weil beim Zuhörer kein schlechtes Gewissen aufkommt, sondern eher das Bedürfnis, Zusammenzurücken und denen beizustehen, von deren Schicksalen sie erzählt. Veronika Pernsteiner, die Frau Dr. Scholl eingeladen hatte, erzählt kurz, dass auch in unserer Gemeinde einer gut integrierten Familie mit Zwillingen die Abschiebung droht, dass sich der Bürgermeister und die Gemeindevertreter aus allen Fraktionen und auch die Bevölkerung mit Unterschriftenaktionen für diese Familie einsetzen.
Bei der anschließenden Diskussion kommen sowohl jene auf ihre Rechnung, die Fragen an die Osteuropakorrespondentin stellen wollen, als auch jene, die mehr über den Einsatz von Frau Scholl für die Asylanten wissen wollen. In Einzelgesprächen mit Frau Scholl und untereinander klang der Abend aus. Und klingt noch bei vielen nach.